Susanne Weisel liebt das Fotografieren und hält am liebsten auch die Ansichten ihres Heimatortes von Frühjahr bis Winter im Bild fest. Doch jetzt begab sie sich auch auf die Spuren ihrer Vorgänger in Seehausen.

Seehausen l "Die Geschichte der Fotografie in Seehausen hat mich fasziniert, ich konnte erst gar nicht glauben, dass Seehausen sogar eher ein Fotogeschäft hatte als Magdeburg", erzählt Susanne Weisel vom Beginn ihrer Spurensuche. Die Spurensuche führte sie zu mehreren Generationen der Familie Thormeyer. Fein säuberlich hat sie mit Hilfe von Nachfahren der ersten Seehäuser Fotografen die Geschichte aufgearbeitet und dokumentiert.

"Alles begann in den 1840er-Jahren, als Glasermeister Gustav Carl Thormeyer den wichtigsten Trägerstoff, nämlich das Glas, zur Verfügung hatte und nebenbei mit dem Fotografieren begann", weiß Susanne Weisel nach der Recherche. Friedrich Richard Carl Thormeyer hätte es genauso gehandhabt wie sein Vater und sei Glasermeister und Fotograf gewesen, bevor sich Carl Friedrich Richard Thormeyer in der nächsten Generation die Fotografie vor die Glaserei gestellt habe. "Er hatte den Tick, sich auf zahlreichen seiner Fotos mitablichten zu lassen", hat sich Susanne Weisel informiert. Im Alter von gerade 14 Jahren habe dann Carl Friedrich Richard Thormeyers Tochter Ruth, die später Müller hieß, 1944 das Geschäft vom Vater übernommen und sich gänzlich der Fotografie gewidmet. Sie habe das Geschäft bis 1998 im Breiten Weg in Seehausen geführt.

Alte Technik weckt Lust, in die Geschichte einzutauchen

Als Susanne Weisel beim jüngsten Weihnachtsmarkt in Seehausen eine Ausstellung nicht nur mit ihren Fotografien gestaltete, sondern dank der Leihgaben mancher Seehäuser auch Altes und Neues gegenüberstellte, waren viele der Besucher interessiert. Auch alte Fototechnik, so eine alte Kamera aus dem Fotostudio von Thormeyers, und auch Literatur rund ums Fotografieren konnte sie zeigen. "Im Nachhinein haben mir noch einige ihre alten Fotoapparate gebracht, ist finde das richtig spannend", sagte Susanne Weisel, während sie zwei große Studio-Fotoapparate und sieben kleine Kameras, die alle schon mehrere Jahrzehnte erlebt haben, präsentierte. Den größten Apparat, den Susanne Weisel in ihre Wohnungsausstattung integriert hat, hält sie als Dauerleihgabe von Kathrin Müller, die eine direkte Nachfahrin der Thormeyers ist, in Ehren.

"Wir haben auch über das Internet alte Fotos gekauft, die Herr Thormeyer einst gemacht hat, und gefragt, wer eventuell die Leute kennt, die da fotografiert worden sind", erklärte die Hobbyfotografin, die selbst zur 1040-Jahr-Feier von Seehausen 2006 begonnen hat, das Treiben im Ort festzuhalten und sich intensiver der Fotografie zu widmen.

So hat sie auch vor drei Jahren ihren ersten Kalender gestaltet, der für einen guten Zweck verkauft wurde. Sie stellte damals ihre Fotos alten Seehäuser Ansichten von früher gegenüber. Im vergangenen Jahr betitelte sie den Kalender, der durch das Jahr 2011 geführt hat, mit "Wunderschöne Heimat" und zeigte so Ortsansichten, aber auch Eindrücke von kulturellen Höhepunkten in Seehausen wie dem Eisfest oder dem Maibaumaufstellen.

Adventskalender und Kalender finden reißenden Absatz

Für 2012 schöpfte sie erneut aus dem Fundus alter Aufnahmen und stellte ihre modernen Aufnahmen dazu, um den Wandel der Zeit zu dokumentieren. Den Seehäusern gefiel das, so dass Susanne Weisel und der Seehäuser Heimatverein insgesamt 163 Kalender verkaufen konnten, hinzu kamen erstmals auch 85 Adventskalender mit einem Seehäuser Motiv. Der Erlös soll erneut der 500 Jahre alten Laurentius-Kirche zugutekommen, zu der Susanne Weisel eine ganz besondere Beziehung hat. "Die Laurentius-Kirche ist mein Lieblingsmotiv, ich möchte auch, dass sie erhalten bleibt", erklärte sie. Aber auch andere Motive in Seehausen haben es ihr angetan. "Ich finde, man kann Seehausen zu jeder Jahreszeit fotografieren und es gibt immer wieder neue Sichtweisen", fügte sie hinzu.

Die Hobbyfotografin, die in diesem Jahr übrigens auch für ihr Engagement mit dem Seehäuser Kulturpreis gewürdigt worden ist, sucht immer wieder nach neuen Ideen, um ihr Hobby auch der Öffentlichkeit näher zu bringen und zu zeigen, wie schön Seehausen doch ist.