Die Verbandsgemeindebürgermeisterin Ines Becker blickt zurück auf ihr Jahr 2011 in der Westlichen Börde. Über unerwartetes Engagement, kulturelle Höhepunkte, aber auch Momente der Trauer sprach mit ihr Julia Angelov.

Ines Becker: Das Jahr hatte schon gut begonnen. Gleich am 15. Januar hat die Stadt Gröningen die neue Turnhalle feierlich den Sportlern übergeben. Außerdem konnten über das gesamte Jahr hinweg viele Projekte in den Mitgliedsgemeinden abgeschlossen werden.

Volksstimme: Welche baulichen Veränderungen lagen Ihnen darunter besonders am Herzen?

Ines Becker: Besonders wichtig war, dass die Fluchttreppe in der Hamersleber Grundschule abgenommen wurde und jetzt benutzt werden kann. Hier geht es um die Sicherheit unserer Grundschüler im Brandfall. Im Winkel und am Schmiedeberg in Ausleben haben wir die Straße grundhaft ausgebaut und abwasserseitig erschlossen. Abwasserleitungen wurden auch am Neuen Weg in Krottorf verlegt, und der Straßenbelag wurde ausgebessert. Dann konnte das Wohngebiet "Brockenblick" in Hamersleben erschlossen werden. Dort stehen übrigens jetzt acht Bauplätze zur Verfügung. Mit der Erschließung des Wohngebietes "Am Anger" in Großalsleben wurde begonnen. Dort entstehen im kommenden Jahr sechs kommunale Baugrundstücke. Gefreut hat mich auch, dass die Stauanlage am Schradergraben in Wulferstedt erneuert wurde.

Volksstimme: Gab es Momente, in denen es Ihnen die Sprache verschlagen hat?

Ines Becker: Überrascht hat mich wirklich das große Engagement der Bürger in Kloster Gröningen und Großalsleben. Sie haben die Jahrfeiern - in Kloster Gröningen waren es 1075 Jahre, in Großalsleben 1050 Jahre - in ihren Orten für alle Besucher zu einem unvergesslichen Ereignis werden lassen. Ihnen und allen Mitverantwortlichen noch einmal vielen Dank für diese bemerkenswerten Veranstaltungen. Da denke ich zum Beispiel auch an die Mitglieder des Sozial- und Kulturausschusses in Gröningen.

Volksstimme: Ohne ehrenamtliches Engagement wäre das kulturelle Leben in der Westlichen Börde sicherlich um einiges ärmer. Wer oder was hat Sie 2011 besonders beeindruckt?

Ines Becker: Der Einsatz der Interessenten der optischen Telegrafie für die Telegrafenstation in Neuwegersleben. Dort wurde am 15. Mai eine neue Ausstellung mit vielen Freunden aus nah und fern und Vertretern aus Politik und Wirtschaft eröffnet. Ein besonderer Dank gilt hier Peter Fuchs, der sich um die Exposition gekümmert hat. Leider ist er im Juli plötzlich verstorben. Seitdem kümmert sich Werner Neun um die Ausstellung in Neuwegersleben. Schön ist, dass wir für die Schiedsstelle in Gröningen zwei sehr engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gefunden haben. Die Stadt Oschersleben hat zwischen September 2010 und März 2011 mit ihrer Schiedsstelle ausgeholfen. Das war für uns eine große Hilfe.

Volksstimme: Vom Land gibt es immer weniger Zuweisungen für die Gemeinden. Es muss an vielen Stellen gespart werden. Gab es denn vielleicht auch so etwas wie einen unverhofften Geldsegen?

Ines Becker: Ja, den gab es. Anfang März haben wir Fördermittel für ein Löschfahrzeug für die Ortsfeuerwehr in Großalsleben bekommen. Das Feuerwehrauto wird momentan noch gebaut - die werden immer spezial angefertigt. Ende Mai soll es dann da sein. Da hatten wir schon fast nicht mehr dran geglaubt. Es geht aber auch auf anderem Wege voran. So war sehr erfreulich, dass wir einen privaten Investor gefunden haben, der am Ortseingang aus Richtung Magdeburg in Gröningen ein Mehrgenerationenhaus baut, in dem Bürger mit körperlichen Einschränkungen komfortabel leben können. Der Spatenstich für den Baustart war Mitte Juli, schon im Frühjahr wird es bezugsfertig sein.

Volksstimme: Sie hatten als Chefin der Verwaltung wahrscheinlich auch schwierige Momente, die Sie bewältigen mussten. Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Ines Becker: Sehr traurig und bestürzt waren wir, als im Juni Hannelore Tobisch verstarb. Sie war stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kultur- und Sozialausschusses der Gemeinde Am Großen Bruch, Verbandsgemeinderätin und hat im Schul- und Sozialausschuss mitgearbeitet. Ihr Tod war ein herber Verlust für die Verbandsgemeinde und ganz besonders für die Gemeinde Am Großen Bruch. Dann der Tod von Peter Fuchs im Juli, der so engagiert in der Telegrafenstation gearbeitet hatte. Im Frühjahr hatte auch Dietmar Hobohm seinen Rücktritt als Bürgermeister Am Großen Bruch zum 30. April bekannt gegeben. Wir haben das sehr bedauert, aber diesen Schritt aufgrund persönlicher Beweggründe auch vollkommen nachvollziehen können. In Eva Stroka wurde eine sehr gute Nachfolgerin gefunden. Ich bedauere auch, dass die Sekundarschule in Gröningen geschlossen werden musste und die Kinder und Jugendlichen nun nach Oschersleben fahren müssen. Da fehlt jetzt einfach etwas im Ort. Trotzdem bin ich froh, dass die Educado Campus GmbH Leipzig einen gewissen Ausgleich geschaffen hat und das Angebot der Beschulung im Sekundarbereich weiter in Gröningen besteht.

Volksstimme: Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?

Ines Becker: Es wäre schön, wenn sich für die erschlossenen Grundstücke noch Interessenten finden. Ich denke da zum Beispiel an Wulferstedt, Hamersleben und Großalsleben. Wenn sich vielleicht sogar ein paar junge Leute entscheiden würden, dort ihr Domizil zu bauen, würde ich mich sehr freuen. Dann brauchen wir dringend neue Mitglieder in der Wasserwehr, die bei Hochwasser helfen. Vom Land wünsche ich mir, dass die Gemeinden finanziell besser ausgestattet werden, damit wir das Bestehende erhalten und weiterentwickeln können. Ich wünsche mir auch, dass die Planung für den Prelatenberg in Gröningen durch den Landesbetrieb Bau endlich in Auftrag gegeben wird. Geplant war das eigentlich für dieses Jahr. Wir möchten 2013 mit dem Bau beginnen.

Volksstimme: Welche Bauarbeiten können denn im kommenden Jahr angeschoben werden?

Ines Becker: Über die Lokale Aktionsgruppe Börde haben wir Fördermittelbescheide für die Nebenanlagen der Neuen Reihe in Wulferstedt, für die Bergstraße in Kroppenstedt und den Abriss zweier Gebäude in Hamersleben erhalten. Das wird derzeit alles vorbereitet und noch 2012 umgesetzt.

Volksstimme: Seit Januar 2010 besteht die Verbandsgemeinde Westliche Börde. Wie sind die vier Mitgliedsgemeinden in den vergangenen zwei Jahren zusammengewachsen nach Ihrer Einschätzung?

Ines Becker: Der Verbandsgemeinderat arbeitet sehr kon-struktiv zusammen. Jeder einzelne nimmt die Aufgabe sehr ernst, etwas für den Verband zu erreichen. Natürlich gibt es das, dass jemand die Interessen der eigenen Mitgliedsgemeinde durchbringen möchte. Aber nach zwei Jahren ist wirklich ein Denken im Sinne der Gemeinschaft entstanden.

Volksstimme: Welche kulturellen Höhepunkte erwarten denn die Bürger 2012?

Ines Becker: Es stehen die 900-Jahrfeiern in Gunsleben, Neuwegersleben und Warsleben an. Hier wünsche ich den Bürgern und allen Initiatoren gutes Gelingen, viel Kraft, tolle Ideen und natürlich viele Besucher.