In den Orten Behrend, Gehrhof und Falkenberg brodelt es in Teilen der Bevölkerung. Noch immer herrscht Verärgerung darüber, dass ein Landwirtschaftsbetrieb in Gehrhof den Ortsverbindungsweg nach Falkenberg eigenmächtig gesperrt hatte.

Gehrhof l Mehrere Tage lang war der Weg zum Seehäuser Ortsteil Gehrhof eine Sackgasse - zumindest für alle Kraftfahrzeuge. Gestern wurde er auf Anweisung der Verwaltung per Verfügungsanordnung wieder befahrbar gemacht.

Sowohl aus Richtung Behrend als auch von Falkenberg aus war kein Durchkommen mehr durch das Örtchen Gehrhof. Denn der Bio-Landwirtschaftsbetrieb Mucheyer in Gehrhof hatte den direkt an seinem Hof verlaufenden Betonspur-Weg kurzerhand mit Absperrband und einer Mischung aus Holz und Stallmist abgesperrt. Wie Christiane Mucheyer gegenüber der Volksstimme ausführte, verläuft der genannte Weg über Privatflächen des Familienbetriebes. Die Nutzungspläne für die angrenzenden Flächen erlaubten nicht die weitere Benutzung des Weges für den Kraftverkehr. Fahrräder und Fußgänger sollten jedoch weiter passieren können. Aus Mucheyers Sicht habe die Stadt Seehausen es vor Jahren verpasst, den Grund und Boden zu übernehmen, auf dem der Weg entlangführt.

Die meisten Anwohner von Behrend und aus Gehrhof, aber auch betroffene Landwirte können es jedoch nicht fassen, dass die aus ihrer Sicht wichtige Straße plötzlich abgesperrt wurde. "Der Weg wurde mit öffentlichen Mitteln gebaut. Landwirte und viele Anwohner nutzen ihn seit vielen Jahren ungestört. Und nun macht ihn eine Familie, die sich in ihren Privatrechten eingeschränkt fühlt, einfach dicht!", ärgert sich Andreas Schulz aus Gehrhof. "Der Weg von und nach Falkenberg befindet sich in einem guten Zustand und wird umso mehr genutzt, seitdem der Behrendsche Weg eine einzige Katastrophe ist. Was passiert, wenn die Verbindungsstraße von Behrend zur B189 wieder einmal gesperrt wird? Dann sitzen wir richtig in der Falle."

"Wir haben doch auch ein Gewohnheitsrecht"

Andreas Schulz

Schulz kennt viele weitere Anwohner aus Behrend, Gehrhof und auch einen Landwirt aus Falkenberg, die auf die Sperrung der Straße ebenso erbost reagierten wie er selbst. "Wie kann es sein, dass ein Weg, der mit EU-Mitteln gebaut wurde, plötzlich von der Landkarte verschwindet? Wir alle haben doch auch ein Gewohnheitsrecht." Betroffene Anwohner und Nutzer des Weges beschwerten sich schnell bei der Stadt und Verbandsgemeinde. Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann suchte das Gespräch mit Familie Mucheyer, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Vorgestern fand ein Termin vor Ort statt. "Es war leider erfolglos. Frau Mucheyer war und ist nicht bereit, den öffentlichen Kraftverkehr passieren zu lassen, also die Absperrung wieder wegzunehmen. Aber die Verbandsgemeinde Seehausen und auch ich als Bürgermeister sind der Meinung, dass in diesem Fall das öffentliche Interesse schwerer wiegt als die Privatinteressen von Familie Mucheyer. Da sich keine gütliche Lösung fand, wurde die Räumung der Absperrung per Verfügungsanordnung in Auftrag gegeben", so Neumann gegenüber der Volksstimme.

Eine Firma hat die Absperrung noch gestern Nachmittag entfernt. Aus Sicht des Bürgermeisters gibt es verschiedene Argumente für diese Vorgehensweise. "Es besteht ein Gewohnheitsrecht für Anwohner, Landwirte und andere Flächennutzer in der Region. Darüber hinaus liegt es im öffentlichen Interesse, dass Feuerwehr und Rettungsdienst auch aus Richtung Falkenberg die Orte Gehrhof und Behrend erreichen können."

"Hoffe weiterhin auf vernünftige Lösung"

Detlef Neumann

Wie der Bürgermeister weiter ausführt, sei der Weg (inklusive der Alandbrücke) 1998/1999 ausgebaut worden - mit beträchtlichen öffentlichen Fördermitteln. Seinerzeit hatte sich das Grundstück, das heute Familie Mucheyer gehört, noch im Besitz der BVVG befunden. Wie es dazu kam, dass das Grundstück an privat verkauft wurde, ohne die Angelegenheit der Straßennutzung im Blick zu haben, sei noch zu klären. "Ich hoffe, dass es trotzdem noch zu einer vernünftigen Lösung kommt. Die Stadt Seehausen hat Interesse an einem Flächentausch oder am Erwerb der Wegefläche. Aber auch eine juristische Auseinandersetzung ist angesichts der derzeitigen Situation nicht auszuschließen", so Neumann abschließend.