Stendal/Havelberg. Die schwerwiegendste Entscheidung in der angespannten Hochwassersituation an der Elbe im äußersten Norden Sachsen-Anhalts bahnt sich in diesen Stunden an: Derzeit laufen alle Vorbereitungen und Abstimmungen, um am morgigen Sonntag die Havelpolder um Havelberg herum fluten zu können. Die letzte Entscheidung, ob das Wehr bei Werben gezogen wird, dürfte heute Nachmittag in enger Abstimmung mit Landwirtschafts- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) fallen.

Fünf der sechs Polder sollen dann geflutet werden – damit können bis zu 180 Millionen Kubikmeter Elbwasser abgeleitet werden, das entspricht fast dem doppelten Volumen der Rappbodetalsperre. Damit würde der Pegel der Elbe hinter Werben um bis zu 35 Zentimeter gesenkt werden. Da auf die Ziehung des dritten Polders, in dem die Ortschaften Vehlgast-Kümmernitz, Wendisch Kirchhof und Damerau liegen, verzichtet wird, werden bei dieser Aktion keine Wohnhäuser in Mitleidenschaft gezogen. Stendals Landrat Carsten Wulfänger appelliert an die Landwirte, im Laufe des Sonnabends ihre Tiere von den Poldern zu entfernen. Im Zuge der Flutung müssen einzelne Deiche weggeschoben werden. Damit wird bereits heute begonnen, heißt es aus dem Landratsamt. Eine Sprengung wie in 2002 schließt Wulfänger indes aus.

Die Flutung ist Zentimeterarbeit, denn der Abfluss der Elbe muss so reguliert werden, dass der Wasserpegel bei 26,40 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Andernfalls flutet das Wasser die Havelberger Stadtinsel. Mit Sandsäcken ist die Stadtinsel inzwischen weiter gesichert worden. Zudem werden im Sportforum Havelberg 500 Betten als Notunterkunft vorbereitet, weitere 750 Betten stehen nach Angaben von Wulfänger als Reserve bei einer "großflächigen Evakuierung" bereit.