Osterburg l Aufgewachsen in Groß Garz mit zwei Brüdern, besuchte Michaela Steinke nach der Grundschule im Heimatdorf das Gymnasium in Seehausen und legte 2002 ihr Abitur ab. In Rostock studierte sie Religion und Deutsch auf Lehramt und unterrichtete schon fleißig ohne Aussicht auf eine Referendariatsstelle. In Flensburg klappte es. "Alles war toll da: die Schule, die Schüler", erzählt sie mit diesem Ton, der verrät, da kommt noch was, und dann gibt sie zu: "Aber es war einfach zu weit weg. Ich hatte Heimweh."

Fast drei Jahre blieb die Groß Garzerin im Norden. Währenddessen telefonierte sie alle Schulen in der Altmark ab. Die wiederum melden Bedarf beim Land an, wenn sie jemanden brauchen, hieß es. Die Stelle, die Steinke jetzt hat, war nicht ausgeschrieben. Sie blieb dran. Beim dritten Anlauf flatterte die Zusage ins Haus. Im August! Und im September war Schulstart. "Sie kamen gar nicht mit den Verträgen hinterher", erinnert sich die Lehrerin. Zum Schuljahr 2013/14 war ihr jedenfalls eine geteilte Stelle sicher, pendelte sie zwischen Stendal, Seehausen, Stendal und Osterburg hin und her. Zwei Tage Stendal, zwei Tage Osterburg, freitags Osterburg und Seehausen. "Wanderprediger" nennt sie sich selber lächelnd und meint damit, dass sie hauptsächlich Religion unterrichtet. Ein Schuljahr zog sie das so durch, dann bekam sie in Osterburg ihre erste eigene Klasse am Gymnasium und unterrichtet in dieser 5. auch Deutsch. Hier kannte sie im übrigen ohnehin die Hälfte der Lehrer aus Seehausen. Bei der Schulleiterin Elke Hein hatte sie früher Deutschunterricht. Jahrgangssprecherin war sie außerdem noch.

Das Projekt "Schule ohne Rassismus" lernte Michaela Steinke im Referendariat kennen wie ihr Kollege Fabian Kröhnert, der 2013 wie sie zu den neuen Lehrern gehörte und sofort mit ins Boot stieg. Dann mussten sie nur noch die Schule mobilisieren. In einer Dienstversammlung im Oktober wurden die Weichen gestellt. Schüler, die mitmachen wollten, fanden sich gleich. Aus dem 10. Jahrgang fuhren zehn von ihnen zur Fortbildung nach Halle. Mit einem Projekttag rund um das Thema verdiente sich das Markgraf-Albrecht-Gymnasium am 9. September 2014 den Titel "Schule ohne Rassismus" (Volksstimme berichtete). In den unteren Klassen gab es gruppenstärkende Spiele, die Älteren besprachen mit Peter Ohlendorf dessen Dokumentarfilm "Blut muss fließen". Ihn konnten die Osterburger zudem als Paten gewinnen. Vor der Titelverleihung beteiligten sich auch die Lehrer an Workshops.

Um diesen Titel zu behalten, muss die Schule Projekte nachweisen. In diesem Schuljahr beschäftigten sich im Mai Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (AG) "Schule ohne Rassismus" in der 7. und 8. Klasse zum Beispiel in Form von Rollenspielen mit Cyber-Mobbing, also Mobbing über Medien, und Rechtsradikalismus. "Mobbing war unser Anfangsthema", erzählt die Lehrerin. Die rechten Tendenzen erlebt sie weniger durch "Stiefelnazis", eher als "Stammtischgedöns". Dennoch! Zum Training gehört, den Schülern beizubringen, wie sie unter anderem auf rechte Parolen reagieren.

Vor Schuljahresende stand für die AG ein weiteres Projekt auf dem Plan: im Juni die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Magdeburg unterstützte Plakat-Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen", durch die ihre Schüler zu führen lernen sollten. "Ich habe die Aktion angeleiert, um auch einen Beitrag für die Stadt zu leisten. Um das Thema für die Stadt zu öffnen", betont die Lehrerin. Eine Woche war die Ausstellung in der Aula zu sehen.

Was sie motiviert? "Ganz einfach: Ich bin ein Mensch mit großem Gerechtigkeitssinn. Diskriminierung stinkt mich an!" erwidert Michaela Steinke und fügt hinzu: "Ich möchte etwas weitergeben und dass man über den Tellerrand guckt."

"`Du wärst eine gute Lehrerin´ hat Frau Gottschalk zu mir in der 9. Klasse gesagt und mich eine Geschichtsstunde halten lassen. Das klappte, und ich wusste von da an, das ist was für mich. Dabei wollte ich eigentlich Schauspielerin werden, aber das ist ja so ähnlich", erzählt Michaela Steinke lachend und schiebt nach: "Lehrersein hat was mit Berufung zu tun. Ich finde, das muss man gern machen." Und sie macht es gern und an einer Schule in der Altmark, wie sie es sich gewünscht hat. Sie wusste von Anfang an, wenn sie mal zurückkommt, zieht sie nach Werben, wo so viele ihrer Freunde zu Hause sind. Seit einem Jahr ist auch Michaela Steinke dort angekommen. Sie pflegt ihren großen Garten, fotografiert gern und genießt die Treffen mit Freunden und Familie. Während ihr Bruder Mathias in die Metallbaubranche in Hamburg eingestiegen ist, zieht es ihren Bruder Johannes übrigens ebenfalls zum Lehrerberuf.

Im Sommer steht eins ihrer liebsten Hobbys an: Reisen. Nach Holland, Frankreich und Belgien ging es schon. Am aufregendsten war das Trampen mit einem Freund, "weil wir nie wussten, wo wir schlafen." Auch dieses Mal will Michaela Steinke sich treiben lassen. Einfach ins Auto und los. Die Altmärkerin ist eben gern unterwegs. In Bewegung. Einen Satz will sie noch loswerden, ehe sie den Blumenstrauß in die Hand nimmt: "Wenn wir etwas bewegen, ist es das doch wert."