Im Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasium waren im Rahmen eines Zeitzeugenprojektes Menschen zu Gast, die sich vor dem Mauerfall in der Oppositionsbewegung des damaligen Ostblockes engagierten. Sie erzählten aus ihrem Leben vor dem Mauerfall.

Osterburg l Wolfram Tschiche vom ostdeutschen Philosophieverein ¿Philosophio\' war im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung an die Schule gekommen. Seit 2008 organisiert der Freiberufler und studierte Theologe Zeitzeugenprojekte, speziell mit Menschen aus Osteuropa.

Im Mittelpunkt der Runde im Osterburger Gymnasium stand die Oppositionsbewegung im ehemaligen Ostblock. Tina Krone, studierte Lehrerin aus Berlin und Jan Sicha, Historiker, aus Nordböhmen in Tschechien waren als Oppositionsvertreter eingeladen worden und berichteten aus ihrem Leben vor dem Mauerfall.

Tina Krone hatte kurz nach dem Ende ihres Lehramtstudiums einen Protestbrief gegen das neue Wehrdienstgesetz von 1982 unterzeichnet, das vorsah, auch Frauen im Ernstfall zum Militär einzuziehen. Für ihre berufliche Karriere war das nicht förderlich. Sie wurde nach einer vierstündigen Unterredung, in der sie zur Aufgabe ihrer Position bewegt werden sollte, in den Hort versetzt.

Allein ihre Kontakte zu Westjournalisten, die weitere Repressalien publik gemacht hätten, bewahrte sie vor anderen Maßnahmen, wie einem Berufsverbot, so Krone. Dieser Protestbrief stellte den Anfang ihrer Oppositionstätigkeit dar. Später engagierte sie sich bei "Frauen für den Frieden", die gegen die steigende Militarisierung im Inneren protestierte. Mit Hilfe von Mitstreitern in Westberlin gelang es, verbotene Literatur im Selbstverlag zu veröffentlichen und zeitweise einen Piratenradiosender zu etablieren. Tina Krone beschrieb den Schülerinnen und Schülern, wie sie dabei die Abhörmethoden der Stasi mit Codes umgehen mussten. Heute ist Tina Krone in der Havemann-Gesellschaft tätig, die als Gegenpol zu den Akten der Staatssicherheit das "Archiv der DDR-Opposition" verwaltet.

Jan Sicha beschrieb den Schülerinnen und Schülern, wie er damals seine Schulzeit erlebte. Er betonte, dass es nicht möglich gewesen sei, mit jedem offen zu sprechen, sondern, dass er aufpassen musste, mit wem er Informationen teilte. Er besuchte und organisierte unabhängige Konzerte, die immer ein Wettlauf mit der Polizei gewesen seien, so Sicha. Dort habe es Prügeleien mit der Staatsmacht gegeben, die besonders langhaarige Männer im Blick hatte. "Lange Haare waren eine offensichtliche Provokation", sagte er.

"In ihrem Alter habe ich immer Angst gehabt, dass die mich verhaften", gab Sicha offen zu, der heute im tschechischen Außenministerium tätig ist. Als Jugendlicher habe er seine Gedichte und Texte von Heizern und Pförtnern redigieren lassen, die vor dem Prager Frühling bei elitären Zeitschriften gearbeitet hatten und später mit einem Berufsverbot belegt wurden.

Im Vergleich zum Geschichtsunterricht an der Schule stand bei diesem Zeitzeugenbericht der Alltag der Oppositionellen im Mittelpunkt und nicht die politischen Geschehnisse der Zeit. Die Schüler folgten den Ausführungen der Referenten aufmerksam und bekamen so einen neuen Blick auf die Ereignisse der Wendezeit.