Viel Konfliktpotenzial zwischen dem Landesbetrieb Bau und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gab es am Dienstag beim Erörterungstermin zur A14 in der Seehäuser Wischelandhalle.

Seehausen l "Die Positionen waren konträr, aber die Anhörung verlief fair", so das Resümee des Planfeststellungsreferenten des Landesverwaltungsamts (LVwA) Sachsen-Anhalt, Andreas Borschel, nach dem zweiten Erörterungstag im Rahmen des A-14-Planfestsstellungsverfahrens für den Abschnitt Seehausen-Geestgottberg. Für die Anhörung des BUND war ein kompletter Tag eingeplant worden. Und tatsächlich dauerte der Austausch der gegensätzlichen Positionen von 9.30 bis 17 Uhr.

Die Verkehrsprognose, so Borschel, war ein wichtiges und heftig umstrittenes Thema. Der BUND, vertreten unter anderem durch den Landesgeschäftsführer in Sachsen-Anhalt, Oliver Wendenkampf und einem Fachanwalt, zweifelt die der A-14-Planung zu Grunde liegende Verkehrsprognose an. Der Landesbetrieb Bau (LBB) stützt sich auf die Berechnungen des Ingenieurbüros IVV. Die Verkehrsexperten gehen von einer starken Zunahme des Straßenverkehrs aus und progostizieren, dass auf der Autobahn bis zum Jahr 2025 auf dem gesamten, komplett befahrbaren Abschnitt von Wolmirstedt bis Osterburg täglich 30000 Fahrzeuge verkehren werden. Der BUND gab bei der Fachagentur für Verkehrsplanung "RegioConsult" eine eigene Verkehrsprognose in Auftrag, die auf deutlich niedrigere Zahlen kommt. Sie geht von 19000 bis maximal 25000 Fahrzeugen pro Tag aus, wofür eine gut ausgebaute Bundesstraße ausreichen würde.

BUND: "Planungsfehler werden zu Verzögerungen führen"

Der BUND hat zudem seine Zweifel deutlich gemacht, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Wendenkampf: "Es ist sehr fraglich, ob es bis zu dem von Bundesverkehrsminister Ramsauer anvisierten Termin Februar 2012 neben dem Abschnitt Colbitz überhaupt einen weiteren Planfeststellungsbeschluss für die A14 geben wird." Es gebe eben schwerwiegende Fehler in der Planung, die der BUND ankreiden werde. Dadurch gerate der Zeitplan und somit auch die Finanzierung ins Wanken.

Beispiele für Fehler der Planungsbehörde seien laut Wendenkampf die sogannten Stummel, die für mehrere A-14-Abschnitte geplant wurden. Ein solcher rage zum Beispiel von der geplanten Autobahnauffahrt Seehausen in Richtung Osterburg, sozusagen "ins Leere", da die Planfeststellung für den sich südlich anschließenden Abschnitt noch in weiter Ferne liege. Laut einem Gerichtsurteil musste ein solcher Stummel für den Abschnitt Colbitz herausgenommen werden. Wie Borschel vom LVwA dazu ausführt, erwäge der Landesbetrieb Bau nun, den Stummel aus der Planung zu streichen.

Unterlagen überarbeiten für den Wachtelkönig

Auch der aus Sicht des Naturschutzes als sehr sensibel geltende Autobahnabschnitt Seehausen-Geestgottberg war Thema. Der LBB hat von sich aus das Thema Wachtelkönig angesprochen - ein seltener und unter Schutz stehender Rallenvogel, der in der Aland-Elbe-Niederung vorkommt. Borschel: "Die Planungsbehörde hat angekündigt, diesbezüglich noch einmal nachzuplanen. Das soll in das laufende Planfeststellungsverfahren eingearbeitet werden."

Unzureichende Naturschutzplanung sieht der BUND auch in anderen Bereichen. Wendenkampf: "Aus unserer Sicht sind die notwendigen Änderungen an der Planung so schwerwiegend, dass die Unterlagen noch einmal öffentlich ausgelegt werden müssen." Ob die Neuauslegung tatsächlich erfolgt, wird die Rechtsabteilung des LBB zu entscheiden haben. "Die Entscheidung muss mit Recht und Gesetz vereinbar sein", betont Christian Hundrieser, Referatsleiter für Planfeststellung beim LVwA.