Ein 21-Jähriger ist gestern vom Jugendschöffengericht zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Ihm wurde schwerer Diebstahl, Volksverhetzung und unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen.

Salzwedel/Klötze l Crossmotorräder, Kettensägen, Benzin, Geld - immer wieder hat ein 21-Jähriger aus dem Raum Klötze gestohlen. Auch wegen Volksverhetzung und unerlaubten Waffenbesitzes in Verbindung mit Bedrohung stand er gestern vor dem Salzwedeler Jugendschöffengericht. Und diesmal gab es für ihn keine Bewährungsstrafe. Selbst seine Verteidigerin räumte "höchstausnahmsweise" ein, dass sie mit der Staatsanwaltschaft einer Meinung sei und eine Bewährungsstrafe nicht in Frage komme. Das Jugendschöffengericht unter Leitung von Simone Schreiber verurteilte den 21-Jährigen zu einer zweijährigen Jugendstrafe, da half auch nicht, dass Mario D. (Name geändert) in Kürze Vater wird und er von seinem Kind etwas haben wolle, wie er gestern aussagte. Unter Tränen, die er nicht zurückhalten konnte, als er von seiner Freundin und dem Baby erzählt.

"Schmiere hab ich nicht gestanden."

Mario D.s Vorstrafenregister ist lang. Auch gestern kostete es Zeit, die Anklagepunkte zu verlesen. Gemeinsam mit einem Komplizen, der in einem gesonderten Verfahren bereits rechtskräftig verurteilt worden war, soll Mario D. im November 2011 in Brome in einen Geräteschuppen eingebrochen sein und zwei Crossmotorräder, Motorradstiefel und einen Motorradständer gestohlen haben - nicht nur einmal, sondern gleich zweimal hintereinander.

Wahrscheinlich durch eine Ausbildung in einem Hotel konnte Mario D. im November 2011 erwirken, dass eine vom Amtsgericht Gardelegen ausgesetzte Strafe für frühere Vergehen am Landgericht in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. Lebenswandel hin zur Straffreiheit? Nicht bei Mario D., der kurze Zeit später in eben jenen Ausbildungsbetrieb einbrach. Durch einen Lichtschacht seien er und ein Mittäter eingestiegen, ließen im Dezember 2011 die Tageseinnahmen und Alkohol mitgehen. Im Januar 2012 ein weiterer Einbruch dort. Das Diebesgut, etwa 1000Euro, teilten die Beteiligten untereinander auf. Mario D. sagte zunächst aus, beim zweiten Mal nur draußen gewartet zu haben. "Schmiere hab ich nicht gestanden." Doch Richterin Simone Schreiber erkannte schnell: "Nur Sie haben das notwendige Wissen gehabt." Schließlich gab Mario D. zu, auch beim zweiten Einbruch "mit drin" gewesen zu sein.

Weitere Diebstähle folgten im März 2012 in Klötze. Unter anderem stahlen Mario D. und ein weiterer Beteiligter einen Motorroller aus einer Garage, aus einer Gartenlaube ein Beil und eine Axt, aus einem unverschlossenen Gebäude Kettensägen, Kraftstoff und Kettenöl. Was mit dem Diebesgut geschehen sei, wollte Richterin Schreiber wissen. Das sei im Wald gelandet. Wieso? Nachdem Mario D. zunächst wieder Wissenslücken angab, berichtete er später, dass er und der Mittäter im Wald eine Schneise schlagen wollten, um Diebesgut zu verstecken.

"Hatten was getrunken, alles durcheinander."

Damit nicht genug. Im Juni des vergangenen Jahres beschimpfte Mario D. gemeinsam mit anderen einen dunkelhäutigen Mann, der in einem Bus saß. Die Heranwachsenden attackieren den Bus von außen so stark, dass es selbst der Fahrer mit der Angst zu tun bekam und sämtliche Türen verriegelte. Als Grund für sein Handeln gab Mario D. ein schlechtes Zeugnis an.

Im September 2012 schließlich bedrohte er eine 23-Jährige, die gestern als Zeugin vor Gericht aussagte, mit einem Luftdruckgewehr. Wieder wollte sich Mario D. an nichts erinnern können: "Wir hatten was getrunken, alles durcheinander, Bier, Schnaps", lautete seine Begründung.

Die Zeugin hingegen konnte sich sehr gut erinnern. Dreimal sei Mario D. auf sie und ihre Freunde zugekommen, wegen einer Mütze, die ihm angeblich weggenommen worden sei. Zunächst kehrte er mit einem Hund zurück, der aber nur Angst hatte und sich versteckte, dann mit dem Luftdruckgewehr. Er könne von Glück reden, "dass die Geschädigte in dieser Situation einen so kühlen Kopf bewahrt hat", sagte die Richterin.

Dass Mario D. eine wirkliche Mitschuld an seinen Taten einräumt, ist selten. Vielmehr sei er überredet worden, sagte er. "Es gibt Geständnisse und es gibt Geständnisse", machte Simone Schreiber im Verlauf der Verhandlung deutlich. Ihrer Ansicht nach "geben Sie nur das zu, was sich nicht vermeiden lässt".

Auch die mangelnde Anstrengung, die 1000Stunden gemeinnütziger Arbeit aus einem früheren Verfahren abzuarbeiten - bis gestern hatte Mario D. trotz Arbeitslosigkeit und Teilzeitbeschäftigungen nicht eine einzige abgearbeitet - sowie fehlende Bemühungen um Wiedergutmachung seiner Taten sprachen für das Gericht gegen die Bewährung.

Die Verteidigerin war sich in ihrem Plädoyer zumindest in einem sicher: "Durch die Schwangerschaft seiner Freundin hat ein Umdenken eingesetzt. Das haben die Emotionen gezeigt." Am Urteil des Gerichtes, das allerdings noch nicht rechtskräftig ergangen ist, änderte dieser Umstand zunächst nichts.