Bevor Heinz Billing Salzwedels Ehrenbürger wird, wollen die Stadträte wissen, was er im Dritten Reich gemacht hat. Seine Tochter gab darauf die Antwort.

Salzwedel/München l Professor Heinz Billing könnte Salzwedels Ehrenbürger werden. Aber, was hat der Computerpionier im Dritten Reich gemacht? Diese Frage hinderte den Kulturausschuss daran, für den Antrag der FDP zu stimmen.

Die Volksstimme hat einfach die Tochter Billings, Dorit Gronefeld, gebeten, ihn zu fragen. "Mein Vater ist nicht mehr der Allerjüngste, da braucht es ein bisschen bis alles rüberkommt", sagte sie. Heinz Billing ist am 7. April 1914 in Salzwedel geboren. Und auf die Frage der Stadträte hatte seine Tochter eine klare Antwort: "Nein, er war nicht in der NSDAP."

"Einem Besuch von Ihrer Oberbürgermeisterin und dem Stadtratsvorsitzenden (d. Red.: wie von dem Kulturausschuss gefordert) steht er offen gegenüber", teilte sie mit.

Allerdings ließen sich viele Fragen bereits vorab anhand seiner persönlichen und privaten Memoiren klären, die er im Alter von 75 Jahren verfasst habe. Dorit Gronefeld las am Telefon Auszügen über die Zeit 1939 bis 1945 vor.

Nachdem ihr Vater 1939 erst am Südrand von Hannover eingesetzt war, kam Billing nach Sylt. Dort sollten die Soldaten den Hindenburg-Damm schützen. Der Damm verbindet Sylt mit dem Festland. "Sylt war ein wichtiger Heimathafen für deutsche U-Boote", sagte sie. Häufig kamen britische Flugzeuge, die Soldaten hatten oft Nachtalarm. Doch die Deutschen hatten noch keine Flak. Sie mussten die britischen Jäger mit Scheinwerfern ausfindig machen. Und dies klappte, so schrieb ihr Vater, nur in den seltensten Fällen. Einmal habe ein britischer Pilot, sogar das Licht im Cockpit angeschaltet, damit die Deutschen ihn überhaupt sehen. "So harmlos und gemütlich fing dieser schreckliche Krieg an", schrieb er. Von Sylt aus ging es für Billing 1940 nach Hamburg. Dort habe er für den meteorologischen Dienst gearbeitet. Er habe Wetterdaten in eine Karte eingetragen - Temperatur, Niederschläge, Wind und Luftdruck. Die Infos wurden den Fliegern dann kurz vor dem Start mitgeteilt.

1941 wurde Billing nach Göttingen verlegt. Dort sollte er mit Mikrofonen von Nachtjägern aus mithelfen, feindliche Flugzeuge zu erfassen für die Flak. Denn ein Radar gab es noch nicht. Die Methode gestaltete sich doch als schwierig, weil die Nachtjäger selber sehr laut waren. "Das Projekt hatte den Tarnnamen Mimose", sagte Dorit Gronefeld. Bis Ende des Krieges sei ihr Vater dann in Göttingen geblieben, so Gronefeld.

Als sie ihn auf die mögliche Ehrenbürgerschaft angesprochen hat, habe er viele Fragen gestellt: Warum man ihm die Ehrenbürgerschaft geben möchte? Was eine Ehrenbürgerschaft in Salzwedel für ihn bedeutet? In welchem Rahmen so eine Ehrung stattfindet?

"Eine Anreise wäre für ihn zwar beschwerlich, aber mit Hilfe möglich", so Dorit Gronefeld. Sie müsste sich dann noch mit ihrem Bruder kurzschließen. Allerdings wäre ihr Vater dann auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Ratssaal würde als Ehrungsort also nicht infrage kommen.