Fünf Masterstudenten aus der Houston Baptist University in Texas (USA) leben und arbeiten derzeit im Haus des Künstlers Hans Molzberger in Hilmsen. Sie werden ihre Werke ab 16. Juni in der Alten Münze in Salzwedel präsentieren.

Hilmsen l Wundervoll sei es hier und voller Geschichte: Die Gäste, die Ende vergangener Woche ankamen, können sich an den Details gar nicht satt sehen, sind viel mit dem Fahrrad unterwegs. Denn sie wollen jede Stunde ihres Aufenthaltes intensiv nutzen.

Auf dem Hof von Hans Molzberger finden sie ideale Bedingungen fürs Kreativsein. Meredith Richey hat es sich im Atelier unterm Dach bequem gemacht. Auf den Zeichnungen sind Menschen zu erkennen, in Schwarz-Weiß. Ihre Motive gewinnt sie nämlich vorrangig von alten Familienfotos, die Erinnerungen bewahren. "Vielleicht hat jemand noch Vorlagen für mich?", denkt die 23-Jährige laut nach und hofft auf die Unterstützung durch die Westaltmärker. Sie möchte während ihres Deutschland-Aufenthaltes viel Kunst machen und auch über die Geschichte etwas lernen.

Schafherde liefert Anregung für mehrere Bilder

Gleich gegenüber hat sich Rachel Gardner ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Auf den Bildern blicken dem Betrachter Schafe entgegen. Aus der 25-Jährigen sprudelt es geradezu heraus, dass sie am Dienstag bei ihrer Radtour in eine Schafherde geraten sei. Die Malerin fragte den Schäfer, ob sie ein Foto machen könne. Kurz danach brachte sie das Erlebte zu Papier. Neugierig sei sie auch darauf, einen Fuchs zu sehen. Vielleicht könne jemand mit einem ausgestopften Exemplar helfen? Und sie wolle eine Widder-Skulptur gestalten, aus gefundenen Sachen, erzählt die junge Frau. Das Fell liefert übrigens der Hofhund Joe. "Sie bürstet ihm das Winterfell aus und sammelt dieses", merkt Gastgeber Hans Molzberger schmunzelnd an.

Die Dritte im Atelier im ersten Stock ist Kim Curent. Derzeit bringt sie eine Landschaft aus dem Süden von Texas aufs Papier. Dort gibt es sogenannte Shotgun-Häuser, die blitzschnell für Afroamerikaner gebaut wurden, billig und uniform. Die 26-Jährige mag die Kombination von Landschaft und Technologie wie in der Altmark, wo beim Blick über die Felder die Windräder in der Ferne blinken. "Es ist wunderbar, dieser riesige graue Himmel und das satte Grün des Grases", schwärmt die Studentin. Deshalb und wegen der Weite sei sie da.

Stacy Kuropata bereitet derweil den Ton für ihre Keramikarbeiten vor. Die 22-Jährige mag an diesem Werkstoff die starke Verbindung mit der Erde. Sie arbeite über Kulturen, die sich begegnen. "Auch wenn es viele verschiedene Rassen gibt, so möchte ich das Gemeinsame herausstellen", beschreibt sie. Am Wochenende habe sie bei einer Stippvisite im Pergamonmuseum in Berlin prähistorische Kultobjekte entdeckt, die sie beeindruckt hätten. "Hier ist es sehr friedlich. Ich kann mich richtig gut auf die Arbeit konzentrieren", beschreibt Stacy Kuropata ihren ersten Eindruck.

Carlos Canul hat eine Vorliebe fürs Zeichnen, die Malerei und das Drucken. Den Studienaufenthalt in Hilmsen sieht er als Möglichkeit, "um den Verstand runterzubringen", wie er erklärt. Dadurch habe er den Kopf frei, um die Landschaft und die Umgebung in sich aufzunehmen. "Meine Arbeit basiert auf der Natur. Die Bilder sind wie Träume", schildert der 36-Jährige. Dabei setze er auf den Surrealismus. Zudem habe ihn der abstrakte Impressionismus beeinflusst. Der Masterstudent erklärt, dass er Markierungen auf dem Papier festlege und sich von diesen aus voran arbeite. Auf diese Weise würde er auch große Wandbilder erschaffen.

Faszinierend: Gras, das der Wind wie Wellen bewegt

Betreut werden die fünf Amerikaner von ihren Lehrern Laura Kreft und Clint Stone. Der junge Professor, der Zeichnen unterrichtet, arbeitet in Hilmsen ebenfalls kreativ. Denn er liebt es, abstrakte Landschaften darzustellen. Angetan hat ihm vor allem der langsame Lichtwechsel vom Hellen ins Dunkle. Diese Stimmung hat Clint Stone mit Acryl und Tinte auf einige Holzbrettchen gebannt. "Die Landschaft hier hat mich sofort berührt, das hohe Gras an den Wegrändern, das der Wind wie Wellen bewegt", schwärmt er.

Die Gäste werden nicht nur in Hilmsen und der näheren Umgebung arbeiten. Morgen werden sie erst einmal gemeinsam mit Hans Molzberger nach Halle/Saale fahren. In der dortigen Zeitkunstgalerie endet die Ausstellung "Rubins Colors" des Hilmseners. Am Sonntag soll die Schau um 14.30 Uhr im Schloss Colditz eröffnet werden, in jener Stadt, in der Rubin Samelson und sein Bruder im April 1945 von US-Truppen befreit wurden. Der westaltmärkische Künstler hat mit dem mittlerweile verstorbenen Glaskünstler eine Installation erarbeitet, die Mahnung und Erinnerung zugleich sein soll. Die Kunststudenten werden zudem helfen, Schüler bei einem Workshop in Colditz zu betreuen. Dort sollen Schmetterlinge entstehen, die ein Symbol für die vom Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Kinder sind.

   

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