Nach dem Beschluss des Stadtrates, Heinz Billing zum Ehrenbürger zu ernennen, soll es eine zentrale Feier für den Computer-Pionier geben. Billing selbst möchte dazu noch einmal in seine Heimatstadt kommen - im Alter von 99 Jahren.

Salzwedel l Die Freude bei Heinz Billing ist groß. "Er ist stolz und fühlt sich sehr geehrt", berichtete Tochter Dorit Gronefeld, am Dienstag, nachdem sie ihrem Vater die Botschaft aus der alten Heimat überbracht hatte.

Es war die Nachricht darüber, dass der Stadtrat Salzwedels, jener Stadt, in der Heinz Billing vor mehr als 99 Jahren geboren wurde, ihn nun zu ihrem Ehrenbürger ernennen möchte.

Forschungsarbeit in Göttingen und Garching

Gründe dafür gibt es viele: Heinz Billing, der bis zu seinem Abitur im Jahr 1932 in Salzwedel lebte, gilt als einer der bedeutendsten Pioniere der Computer-Forschung in Deutschland. Er arbeitete an Max-Planck-Instituten in Göttingen und Garching bei München, forschte auch im Ausland. Dabei stand er im engen Austausch mit anderen Wissenschaftsgrößen wie dem Erfinder des ersten funktionsfähigen Computers, Konrad Zuse. Die Universität Erlangen verlieh Billing den Titel eines Ehrenprofessors. 1993 wurde außerdem ein Wissenschaftspreis nach ihm benannt.

Ehrungen ist Heinz Billing also gewohnt. Doch die Auszeichnung aus der Stadt seiner Kindheit scheint für den Forscher im Ruhestand von besonderem emotionalem Wert zu sein. "Er ist stolz, in Salzwedel geboren zu sein und möchte für die bevorstehende Ehrung noch einmal in seine Heimat fahren", erklärte Dorit Gronefeld. Eine Reise, die er ohne diesen Anlass wohl nicht noch einmal angetreten hätte.

Die Stadtverwaltung hat sich unterdessen bereits Gedanken über die Ehrung ihres großen Sohnes gemacht. "Wir wollen nichts übers Knie brechen und uns erst einmal mit der Familie abstimmen", sagte Stadt-Sprecher Olaf Meining. So gut wie fest stehe aber, dass Heinz Billing sich bei einer zentralen Feier in das Goldene Buch der Stadt eintragen und eine Urkunde erhalten soll. Um die Anreise zu meistern, ist der Forscher auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen. Denn wie Dorit Gronefeld berichtete, sitzt ihr Vater bereits im Rollstuhl.

Helga Weyhe freut sich auf ein Wiedersehen

Doch das soll am Ende kein Hinderungsgrund sein. "Wir kommen gern mit", erklärte Gronefeld. Schließlich verbinde auch sie viele positive Kindheitserinnerungen mit der Stadt.

Auf ein Wiedersehen mit Heinz Billing freut sich bereits eine alte Bekannte, die erst vor einem halben Jahr zur ersten Ehrenbürgerin Salzwedels ernannt wurde. Buchhändlerin Helga Weyhe sagte: "Es wurde Zeit, dass Heinz Billing diese Ehrung erhält." Denn die Verdienste, die er sich erworben habe, seien schon etwas ganz Besonderes. Weyhe kann aus diesem Grund auch die Diskussionen über das Wirken Billings während des Zweiten Weltkrieges nicht nachvollziehen. Dieser stamme aus einer sehr liberalen Familie, erzählte sie. Billings Vater habe sich einst geweigert in die NSDAP einzutreten und nach dem Krieg zu den Gründern der Liberal-Demokratischen Partei in der Stadt gehört.

Wenn Heinz Billing in Salzwedel geehrt wird, möchte Helga Weyhe in jedem Fall dabei sein. "Ich hoffe natürlich, dass ich eingeladen werde", sagte die 90-Jährige. Auch wenn für die Ehrung noch vieles zu planen ist - dem Wunsch Weyhes werde man gern nachkommen, versprach Olaf Meining auf Nachfrage der Volksstimme.