Kurz nach der Schule sah Michael Ziche seine berufliche Zukunft eigentlich in der Landwirtschaft. Doch dann verschlug es ihn in die Verwaltung. Seit seiner Wahl 2008 ist er als Landrat Chef der Kreisverwaltung. Heute wird Michael Ziche 50 Jahre alt.

Salzwedel. Ursprünglich wollte Michael Ziche ein Handwerk erlernen. Sein Vater war Installateur, seine beiden Brüder entschieden sich ebenfalls für einen handwerklichen Beruf. "Aber mein Vater sah da Ende der 1970er Jahre keine Perspektive. Daraufhin war ich erst einmal etwas orientierungslos", erinnert sich der gebürtige Salzwedeler. Einige seiner Freunde hatten sich für eine landwirtschaftliche Ausbildung entschieden. Als Michael Ziche feststellte, dass Technik in der Landwirtschaft eine große Rolle spielt, war er dabei. Sein Ziel: nach der Ausbildung zum Agrotechniker und Mechanisator ein Studium an der Ingenieurschule für Landtechnik in Friesack (heute Landkreis Havelland). Doch im Lehrlingswohnheim in Dähre lernte er seine heutige Frau Gudrun kennen. 1981 - Michael Ziche war 19 Jahre alt - heirateten die beiden. Die erste gemeinsame Wohnung erhielten sie in Klötze. "Aber da war kein so großer Bedarf in Sachen Landtechnik", erzählt Michael Ziche, "und so bin ich nach meiner Armeezeit in die Verwaltung geraten. Damals dachte ich, das würde höchstens ein halbes Jahr dauern." Ein Irrtum.

Die Wendezeit sei richtig aufregend gewesen. "Man musste erst einmal neue Haltepunkte finden." Zwischenzeitlich war Michael Ziche als Angestellter des Arbeitsamtes zuständig für Fragen des Zivildienstes. Dann, im März 1990, wurde jemand gesucht, der die Wahlen organisiert. Das war seine Rückkehr in die Kreisverwaltung. Er leitete das Hauptamt, war auch zuständig für die Kommunalaufsicht. Dann schied der damalige Kämmerer Karl-Heinz Drimalski aus. "Ich wollte nicht Kämmerer werden. Das ist wirklich ein unpopulärer Job", bekennt Michael Ziche. Nicht nur, dass ihm die Dozenten des Angestelltenlehrgangs an der Fachhochschule Braunschweig nach der mündlichen Prüfung im Fach Kommunalfinanzen empfahlen, diese Position besser nicht anzustreben. "Die Entwicklung, dass es immer weniger Geld aus der Landeskasse geben wird, war vorgezeichnet."

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert weiß Michael Ziche: "Verwaltung kann spannend sein. Hinter den Vorgängen verbergen sich schließlich Menschen." Gestaltungsspielräume gebe es schon, die allerdings wieder eingeengt werden durch knappes Geld und Regulierungswut.

2008 wurde Michael Ziche zum Landrat gewählt. Verfügt ein Landrat eigentlich über eine gewisse Macht? "Im Staatsgefüge ist ein Landrat eigentlich relativ machtlos. Seine Glaubwürdigkeit liegt darin, ob er Sachprobleme löst oder sich wenigstens darum kümmert", sagt Michael Ziche nach einem Augenblick des Nachdenkens. Augenblicke, in denen er weiß, dass sich Einsatz, beharrliches Nachfragen, viele Briefe und Mails gelohnt haben, gebe es durchaus: "Als wir den vorzeitigen Maßnahmebeginn für die Karl-Marx-Schule in Gardelegen bekommen haben", nennt er ein Beispiel.

Mit einem 12- bis 14-Stunden-Tag, dazu zahlreiche Termine sonnabends und sonntags, habe er häufig eine 80- bis 90-Stunden-Woche, schätzt er. Entspannung und Ausgleich zum Job müssen organisiert werden, "sind derzeit aber kaum möglich". Er schaffe selten, den "Focus" regelmäßig zu lesen. Daher hatte Michael Ziche kürzlich auch zehn Ausgaben im Urlaubsgepäck. Aber am gemeinsamen Hobby mit seiner Frau, dem regelmäßigen Tanzen im SV Lockstedt, hält der Vater von zwei erwachsenen Töchtern fest.

Zu Hause in Immekath sei er im Garten vorzugsweise "für das Grobe zuständig, also Hecken und Bäume schneiden. Und um den Teich muss ich mich noch kümmern."

Michael Ziche schätzt altmärkische Küche, lässt sich gern Zungenragout, Rouladen oder Frikassee schmecken. Er habe aber auch keine Scheu, neue oder mitunter abenteuerlich anmutende Kost zu probieren. "Muscheln, Schnecken oder Paella, na klar. In Brunau habe ich auch schon mal eine Heuschrecke probiert. Die schmeckte übrigens nach Hühnchen", verrät er.

Würde zum Geburtstag die vielzitierte gute Fee vorbeikommen und drei Wünsche gewähren, was stünde dann auf seiner Liste? "Ich würde mir wünschen, dass Sachprobleme auch sachlich und nicht personifiziert gelöst werden." Nur so sei ein stärkeres Miteinander möglich. Dass die Altmark Potenzial hat und sich entwickeln wird, ist für ihn Gewissheit, doch daraus resultiert sein Wunsch: "Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen und auch hierbleiben." Wunsch Nummer drei ist ein großer Dank an seine Frau Gudrun, die ein wohlbehütetes Familienleben ermöglicht.