Einen weiteren Mosaikstein in Salzwedels Stadtgeschichte haben Archäologen im Untergrund der Kramstraße gefunden. Dort traten bei den zurzeit laufenden Tiefbauarbeiten Überreste eines Stadttores zutage. Es stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Salzwedel l Wer zwischen 1150 und 1200 in den Bereich rund um die Marienkirche und die Propstei wollte, musste am Eingang zur heutigen Kramstraße ein Stadttor passieren. Überreste davon sind bei den Tiefbauarbeiten an der Kramstraße gefunden worden. Grabungsleiter Torsten Müller vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege und sein Helfer Reinhard Heller haben im Zuge der baubegleitenden Untersuchungen ein Backsteinmauerwerk freigelegt, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, um eins der nördlichen Tore einer Befestigungsanlage rund um dieses Areal handelt. Auf historischen Karten ist die Abgrenzung des Propsteibezirkes dokumentiert, berichtet Torsten Müller.

Besonders interessant ist für die Archäologen eine in einen Mauervorsprung eingearbeitete Lichtnische in Höhe des Lauf- oder Fahrhorizonts. "Darin stand vermutlich eine Öllampe", erklärt der Grabungsleiter. In einem Loch neben dem Tor lag ein großer Feldstein. Er sollte das Mauerwerk vor Beschädigungen durch Fuhrwerke schützen, berichtet Müller. Auch am heutigen Danneilmuseum gebe es solche Steine. Alle der verbauten Backsteine haben das sogenannte Klosterformat, was die Datierung ins späte 12. Jahrhundert untermauere. Aufschluss darüber sollen auch einige Stücke Eichenholz geben. Sie gehören zu einem Bohlenweg, der vor dem Tor etwa 40 Zentimeter tiefer im Erdreich entdeckt wurde. "Auf diese Art wurden damals die Straßen befestigt", sagt Müller. Hauptsächlich wurde dazu Weichholz genutzt. Die Eichenstücke seien eine Ausnahme.

Teile davon sollen zur Datierung dendrochronologisch untersucht werden. Der Grabungsleiter hofft: "Wenn alles gut geht, reichen die gefundenen Stücke dafür aus." Unter dem Bohlenweg befand sich die vermutlich älteste Befestigung der Kramstraße, ein sogenannter Knüppeldamm. Das davon gefundene Material reiche allerdings für eine genaue Datierung nicht aus.

Es sei davon auszugehen, dass es ein hölzernes Tor zum Verschließen des Eingangs gegeben hat. Denn 25 Zentimeter oberhalb des Feldsteins war an der Mauer eine Türangel angebracht.

Für die Archäologen bleibt es spannend. Bei Baggerarbeiten hat sich gestern der weitere Verlauf der Mauer in Richtung Marienkirche abgezeichnet. Rosemarie Leineweber, Gebietsreferentin beim Landesamt, sah sich gestern die Funde an und besprach das weitere Vorgehen.

Seit dem 6. Dezember ist das Grabungsteam vor Ort und begleitet die Bauarbeiten. "Wir möchten uns bei der Baufirma und bei der Stadt für das Verständnis und die gute Zusammenarbeit bedanken", betont der Grabungsleiter. Noch bis zum 23. Dezember werden die Archäologen vor Ort sein.