Mit der Lagendorfer Einrichtung muss zum Jahresende eine der derzeit 16 Kitas der Verbandsgemeinde schließen. Die Kinderzahl dort war auf acht gesunken, was wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist. Mit Eltern und Erziehern konnte ein Konsens gefunden werden.

Jübar/Lagendorf l Die Entscheidung fiel dem Beetzendorf-Diesdorfer Verbandsgemeinderat nicht leicht, und doch führte am Montagabend während der Sitzung in Jübar kein Weg an dem Beschluss vorbei: Die Lagendorfer Kindertagesstätte wird zum Jahresende geschlossen. Am 23. Dezember werden Kinder und Erzieher Abschied von ihrer Einrichtung nehmen.

"Wir müssten 45000 Euro zusätzlich für Personal ausgeben, ... ein riesiger Aufwand"

Grund für das Aus der ersten von 16 Kitas der Verbandsgemeinde ist die drastisch gesunkene Kinderzahl. Nur noch acht Mädchen und Jungen werden derzeit in Lagendorf von zwei teilzeitbeschäftigten Erzieherinnen betreut (Volksstimme berichtete). Ein viel zu hoher Personalschlüssel, der entsprechend der gesetzlichen Vorgaben eigentlich bei 0,47 Vollzeitkräften liegen müsste. Doch eine Halbtagskraft allein könnte eine Elf-Stunden-Betreuung nicht abdecken. "Wir müssten 45000Euro zusätzlich für Personal ausgeben, das wäre ein riesiger finanzieller Aufwand", erklärte Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Christiane Lüdemann.

Gemeinsam mit den Betroffenen hat die Verbandsgemeinde deshalb nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Eltern und Betreuer wurden dabei einbezogen. "Am Anfang stand noch die Idee einer Fünf-Stunden-Kita im Raum", berichtete die Bürgermeisterin. Die vier Halbtagskinder hätten dann in der Einrichtung bleiben können, die vier anderen wären mittags zur weiteren Betreuung in die benachbarte Boneser Kita gefahren worden. "Doch es ist deutlich geworden, dass das kein glücklicher Zustand ist, weder für die Kinder noch für die Erzieherinnen", sagte Lüdemann.

"Ein Vertreter des Jugendamtes hat Zustimmung signalisiert"

Während einer zweiten Elternversammlung am 6. Dezember sei dann die Idee einer Schließung der Kita diskutiert worden. Die Eltern sollten selbst entscheiden, wohin sie ihre Kinder künftig bringen wollen. "Sieben haben sich für Bonese entschieden und ein Elternpaar für Dähre", gab die Bürgermeisterin bekannt. Vertreter des Elternkuratoriums hätten vorher zudem die Boneser Einrichtung, die nur zwei Kilometer von Lagendorf entfernt ist, besichtigt.

Auch die Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel (PVGS) hat Unterstützung zugesichert. "Sie sind bereit, sich beim Transport der Kinder einzubringen und damit die Eltern zu entlasten", erklärte Lüdemann. Möglicherweise stünden dafür Restfinanzmittel aus dem Bundesmodellprojekt Kita-Mobil zur Verfügung, für das die Verbandsgemeinde den Zuschlag erhalten hat.

Doch können die acht Kinder überhaupt in den Nachbareinrichtungen aufgenommen werden? Diese sind schließlich voll belegt. Auch hier konnte Christiane Lüdemann Entwarnung geben. Ein zusätzliches Kind in Dähre wäre für das Jugendamt des Altmarkkreises kein Problem, und auch für Bonese deutet sich eine Ausnahmegenehmigung an. "Ein Vertreter des Jugendamtes hat sich die dortige Einrichtung angesehen und Zustimmung signalisiert", teilte die Bürgermeisterin mit. Voraussetzung sei allerdings, dass in einem der Räume ein Durchbruch geschaffen werde, um ein Doppelzimmer als Gruppen- und Schlafraum einzurichten.

Die Elternvertreter der beiden Kitas hätten keine Bedenken gegen die Aufnahme der Lagendorfer Kinder gehabt. Und auch die Gemeinde Dähre, die das dann leerstehende Kita-Gebäude zurückübertragen bekommt, sei einverstanden.

Günter Serien, Vorsitzender des Einrichtungs- und Sozialausschusses, bedauerte die Schließung der Kita. Allerdings sei diese wirtschaftlich notwendig. Dass die Entscheidung im Einvernehmen gelungen ist und die Kinder nur zwei Kilometer von ihrer jetzigen Kita entfernt betreut werden, sei eine positive Sache. "Damit können alle Seiten leben", so Serien.

Für die Diesdorferin Angelika Scholz ist das Aus für die Lagendorfer Einrichtung schade. "Es war eine schöne, kleine Kita. Aber die Fakten sind nun einmal so, wie sie sind. Wir müssen wirtschaftlich denken in Zeiten knapper Kassen", bedauerte sie. Zugleich ergebe sich eine gute Chance, die im Rahmen des Kita-Mobil-Projektes besprochenen Möglichkeiten bei der Kinderbeförderung auszuprobieren. Ziel müsse es sein, dass alle Kinder eine Betreuungseinrichtung besuchen. "Denn man merkt es immer wieder, dass Kinder, die nicht in die Kita gegangen sind, nicht so bereit für die Schule sind", meinte Scholz.

"Damit die Lagendorfer Kinder für die Anfangszeit eine bekannte Kontaktperson haben"

Die Nachfrage nach der Zukunft der beiden Lagendorfer Erzieherinnen konnte Christiane Lüdemann schnell beantworten. Beide hätten ihre Wünsche geäußert, die auch erfüllbar seien. So wolle eine Erzieherin in die Wall-stawer Kita wechseln, die andere in die Abbendorfer Einrichtung. Mit letzterer sei allerdings vereinbart worden, dass sie die ersten zwei Monate noch mit in die Boneser Kita kommt. "Damit die Lagendorfer Kinder für die Anfangszeit eine bekannte Kontaktperson haben", erklärte Lüdemann.

Der Verbandsgemeinderat stimmte dem Schließungsbeschluss bei einer Enthaltung von Angelika Scholz nach der Diskussion zu.