Beim Salzwedeler Wasserverband (VWKA) wird derzeit eine Millioneninvestition vorbereitet. Auf dem Klärwerksgelände soll in naher Zukunft Überschussschlamm aus den Belebungsbecken vererdet werden.

Salzwedel l Wohin mit dem Schlamm aus Belebungsbecken der Salzwedeler Kläranlage? Ihn teuer verbrennen lassen oder ihn wie bisher landwirtschaftlich verwerten? Letzteres ist günstiger. Die Fragen scheinen nunmehr geklärt zu sein.

Der anfallende Schlamm soll mit einem Verfahren, wie es bereits in den Kläranlagen Eilsleben/Börde, Gräfenhainichen und Bad Kösen angewendet wird, vererdet werden. Er soll in bepflanzten Bodenfiltern behandelt werden.

Ins Projekt der sogenannten Klärschlammvererdung kommt Bewegung. Die Mitglieder der Verbandsversammlung des VKWA haben Geschäftsführer Jens Schütte am Donnerstag grünes Licht gegeben, das Vorhaben ausschreibungsreif vorzubereiten. Offen ist derzeit noch, in welchem Jahr das Unterfangen in den Wirtschaftsplan der Klärwerks GmbH aufgenommen wird, sprich: wann der Bauantrag gestellt wird.

"Wir stehen unter Druck, die Technologie zu verändern"

Jens Schütte

Ausreichend Fläche gibt es auf dem Klärwerksgelände an der Bundesstraße 248 zwischen Salzwedel und Hoyersburg, stellte der als Gast geladene Ingenieur Denis Gödecke während der Verbandsversammlung am Donnerstag fest. Der Experte aus der Landeshauptstadt stand den Mitgliedern ausführlich Rede und Antwort zu Fragen der Technologie.

"Wir stehen unter Druck, die Technologie zu verändern für die Zukunft", betonte Verbandsgeschäftsführer Jens Schütte. Denn die Landwirtschaft dürfe in naher Zukunft keinen mit Poly-acrylamiden versetzten Schlamm aus Klärwerken auf den Flächen ausbringen. So will es die Düngemittelverordnung. 2014 oder 2017 - offen sei derzeit, wann die neue Gesetzmäßigkeit in Kraft tritt, erklärte Jens Schütte. Der VKWA hatte deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, in der Varianten der mechanischen Entwässerung und der Klärschlammvererdung verglichen wurden. Ergebnis: Die Schlammbehandlung mit bepflanzten Bodenfiltern ist das günstigste Verfahren. Auf diese Weise wird nicht nur das Volumen reduziert, das Endprodukt kann auch wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Rund 1,4 Millionen Euro, so erste vorsichtige Kostenschätzungen, die auch den demografischen Wandel berücksichtigen, soll der Bau in der Peripherie der Salzwedeler Anlage kosten. Sechs Becken sollen mit Folie ausgelegt werden. Darauf wird eine Kiesdränage aufgebracht. Auf diesem technischen Biotop, das 25 Jahre genutzt werden kann, wächst Schilf. Es dient der aktiven Belüftung.

"Verfahren ist so stabil wie Russentechnik"

Denis Gödecke

Über noch zu bauende Rohrleitungen soll der Überschussschlamm - er enthält 98 Prozent Wasser - aus den Belebungsbecken in die Folienbecken gepumpt werden. Diese werden über Kiesdränage entwässert. Ein Teil des Wassers soll in die Kläranlage zurückgeleitet werden, ein Teil verdunstet. Dort bleibt der Schlamm über Jahre. "Acht bis zehn Jahre ruhen die Becken. Dann werden sie bis auf ein paar Zentimeter ausgebaggert", sagte Denis Gödecke. Er sprach von einem Verfahren, das "so stabil wie Russentechnik" sei. In Dänemark etwa werden bereits 19 Prozent des Klärschlamms auf diese Art und Weise behandelt. Schadstoffe würden teilweise abgebaut. Seuchenhygienisch sei das Ganze unbedenklich. Die Kläranlage werde gering belastet.

"Was ist mit der Geruchsbelästigung?", wollte Gabriele Gruner, Salzwedeler Vertreterin in der Verbandsversammlung, wissen. Die sei nicht wahrnehmbar, versicherte der Experte. Ob man mit dem Substrat auch Geld verdienen kann, wie Karl-Heinz Schliekau sagte, bleibt abzuwarten. Wegen der zunehmenden nährstoffzehrenden Energiepflanzenproduktion sei einiges in Bewegung.