Von Christina Bendigs

Hanum l Mehrere Pferde sind in Hanum gequält worden und zu Tode gekommen. Dies bestätigte gestern der Leiter des Kreisveterinäramtes, Dr. Frieder Oßwald. Ein inzwischen ehemaliger Mitarbeiter des Tierhilfsdienstes Ahlum soll nach Informationen Oßwalds Pferde, die ihm zur Pflege überlassen worden waren, so stark vernachlässigt haben, dass sie zum Teil verendeten oder eingeschläfert werden mussten. Das Kreisveterinäramt habe am 7. Dezember auf Hinweise von betroffenen Tierhaltern reagiert und den Hanumer Hof unangemeldet besucht, berichtete Oßwald auf Nachfrage. "Nach unserer Ansicht lag ein massiver Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor", sagte der Amtsleiter. Die geretteten Tiere seien in die Obhut ihrer Besitzer gegeben worden oder würden anderweitig wieder aufgefüttert. Das Kreisveterinäramt erstattete bei der Staatsanwaltschaft zudem Anzeige gegen den Tierquäler. Laut Oßwald spielten bei diesem "psychische Probleme" eine Rolle.

Von einem "Bild des Grauens" sprach die Tierschutzorganisation PETA. Sie teilte gestern mit, dass eine Pferdehalterin ihre Tiere dem Mann zur Pflege anvertraut hatte. Als sie nach mehrmonatiger Abwesenheit Anfang Dezember zurückgekehrt war, habe sie mit Entsetzen festgestellt, dass er die Tiere verwahrlosen lassen hatte. Die Pferde seien bis aufs Skelett abgemagert gewesen, eines von ihnen musste wegen Unterernährung eingeschläfert werden, ein weiteres sei bereits tot gewesen. Drei weitere Pferde werden noch vermisst, schrieb PETA. Im Stall habe ein beißender Geruch nach Verwesung vorgeherrscht. "Es war ein Bild des Grauens, das sich der Pferdehalterin bot", berichtete PETA-Sprecher Bartek Langer.

Sprachlos war gestern auch die Leiterin des Ahlumer Tierheimes, Ursula Lohse. Sie sagte, mit dem Mitarbeiter "ist alles immer gut gelaufen, es gab bezüglich der Tiere keine Beanstandungen", bis sie am 7. Dezember gemeinsam mit einem Amtstierarzt den Hof aufsuchte, den der junge Mann mit seiner Lebensgefährtin gekauft habe. Vor etwa einem Jahr habe er angeboten, Pferde aufzunehmen, die beschlagnahmt worden waren und für die der Tierhilfsdienst Ahlum keine Kapazität gehabt habe.

Bis zum Sommer sei alles gut gelaufen, berichtete Ursula Lohse weiter. Bis dato hätten auch die Mitarbeiter des Tierheimes den jungen Mann unterstützt. Mit der Weidesaison habe er diese Unterstützung nicht mehr gewollt, sagte Ursula Lohse. Als die Weidesaison vorbei war, habe das Team des Tierhilfsdienstes ihm vertraut, so dass Ursula Lohse eine regelmäßige Kontrolle nicht mehr für notwendig erachtet habe.

Was sie besonders bedauert: "Auf dem Hof lagen 30 Ballen Heu, er hätte die Pferde nicht einmal füttern müssen. Es hätte gereicht, wenn er die Stalltüren offen gelassen hätte." Der Tierhilfsdienst habe jegliche Zusammenarbeit mit dem jungen Mann sofort versagt, "wir haben ihn fristlos rausgeschmissen", sagte Ursula Lohse.

Ihr und den Mitarbeitern tue es unendlich leid, was dort geschehen sei. Eine Konsequenz, die der Tierhilfsdienst zieht: "Wir werden nie wieder irgendwo Tiere privat unterstellen, wo wir keine Kontrolle haben, dann müssen wir eben auch Nein sagen", erklärte sie. Sie selbst mache sich Vorwürfe, stelle sich die Frage, was sie übersehen habe: "Was geschehen ist, ist jenseits aller Vorstellungsmöglichkeit", lautet die bittere Antwort.