Vor nicht ganz zehn Jahren kam Irina Roth mit ihrer Familie in die Hansestadt. Auf der Migrantenweihnachtsfeier der Diakonie erzählte sie von Schwierigkeiten und der Vermischung deutscher und russischer Traditionen.

Salzwedel l Zahlreiche Migranten, inbesondere aus Russland, Kasachstan und der Ukraine, waren am Mittwoch in den Gemeinderaum an der St.Georg-Kirche gekommen, um gemeinsam einen weihnachtlichen Nachmittag zu verleben. Viele von ihnen leben schon seit mehreren Jahren in Deutschland und haben sich auch den hiesigen Traditionen angeschlossen.

So auch Irina Rot. Die 74-jährige Russin kam im Jahr 2002 aus dem russischen Tula nach Salzwedel. "Als ich damals mit meinem Mann hergekommen bin, war erst einmal alles sehr schwierig. Wir konnten ja die Sprache nicht, und wussten auch nicht genau, was wir für Papiere brauchen oder welche Ämter wir aufsuchen mussten", erinnert sich Irina Rot.

"Ich bin sehr stolz auf meinen Enkel. Er besucht jetzt eine Universität"

Mittlerweile hat sie sich, auch mit Hilfe der Mitarbeiter der Aussiedlerberatungsstelle, sehr gut in der Hansestadt eingelebt. "Besonders schwierig war es, die deutsche Sprache zu lernen. Wir haben zwar mehrere Sprachkurse belegt, aber zu Hause wurde natürlich immer noch weiter Russisch gesprochen", berichtet die 74-Jährige. Es hätten anfangs einfach auch die sozialen Kontakte zu den Einheimischen gefehlt, meint Irina Rot.

Dass sich Irina Rots gesamte Familie mittlerweile in Deutschland zu Hause fühlt, ist am Beispiel ihres Enkels zu sehen. "Ich bin sehr stolz auf meinen Enkel. Nachdem er sein Abitur abgelegt hat, besucht er jetzt eine Universität", freut sich die Salzwedelerin. Lediglich für ihre Tochter, die ebenfalls in der Baumkuchenstadt lebt, sei das Leben nicht immer einfach, da sie keine Arbeit fände.

Irina Rot musste auch Schicksalsschläge verkraften. Besonders als ihr Mann schwer erkrankte und verstarb und sie ohne ihre große Liebe durchs Leben gehen musste - in einem ihr immer noch etwas fremden Land.

"Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich von meinen Freunden, meiner Familie, aber auch von der Aussiedlerberatungsstelle bekommen habe. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich nicht allein zurecht gekommen", erklärt die 74-Jährige.

"Russland ist immer noch meine Heimat und wird es auch immer bleiben"

Klar war für Irina Rot, dass sie auch deutsche Traditionen und Bräuche in ihren Lebensalltag einbinden würde. "Deutschland ist ja mein Zuhause. Da verschließe ich mich doch auch nicht den Dingen, die hier gelebt und gefeiert werden. Russland ist aber immer noch meine Heimat und wird es auch immer bleiben", sagt sie. Und so hat sie deutsche und russische Weihnachtsbräuche zusammengebracht, besucht Weihnachtsfeiern und -märkte, singt Adventslieder.

Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Enkel wird sie am 24. Dezember unter dem Weihnachtsbaum sitzen. Natürlich gibt es dann auch Geschenke. "Am 7. Januar treffen wir uns dann erneut und feiern wieder Weihnachten. Dann kommt in Russland nämlich Väterchen Frost", berichtet Irina Rot. Und so werden in ihrer Wohnung russische Weihnachtslieder erklingen und viele Geschichten erzählt. Besonders ihr Enkel freue sich darauf, denn er bekomme ja zwei Mal Weihnachtsgeschenke, erklärt die 74-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Auch ihre Freunde haben sich den hiesigen Weihnachtsbräuchen nicht verschlossen. Das zeigten sie auch auf der Migrantenweihnachtsfeier der Diakonie. Lieder wie "Wir sagen euch an den lieben Advent" oder "Macht hoch die Tür" wurden von allen Anwesenden gesungen. Angeleitet wurden sie dabei von Jörg Biber, Mitarbeiter des diakonischen Werkes, und seinem Chor der Aussiedlerberatungsstelle.

Diakon Joachim Thurn hielt eine kurze Predigt, und auch drei Mitglieder der Feenharfen-Gruppe der Kreismusikschule waren gekommen, um vier Lieder zu spielen. Irina Rot fand es indes schade, dass nicht auch Aussiedler aus anderen Kulturkreisen zu der Weihnachtsfeier kamen. Gern hätte sie etwas über andere Bräuche gelernt.