Jetzt kann Weihnachten kommen! Mit diesem Gefühl verließen die Besucher am Freitagabend die Mönchskirche. Die Salzwedeler "Zaunkönige" hatten sie zuvor mit einem eineinhalbstündigen Programm auf das Fest eingestimmt.

Salzwedel l Für viele Altmärker und ihre Gäste ist es ein Muss, das Konzert der "Zaunkönige" am Vorabend des 24. Dezember zu besuchen. Kein Wunder, dass die Mönchskirche wieder gut gefüllt ist. Plötzlich erlischt das Licht. Die "Zaunkönige" marschieren mit dem Stück "Procession" aus Benjamin Brittens Werk "A ceremony of carols" auf die Bühne. Brennende Kerzen erhellen ihnen den Weg. Dann stehen die Sängerinnen, später mit ihnen auch einige Sänger, sowie ihr Dirigent Hermann Horenburg im Rampenlicht.

Andrea Döge-Wotapek aus Winterfeld und Doreen Wellkisch aus Salzwedel führen gekonnt durchs Programm. Sie bieten nicht nur verbindende Worte, sondern auch manch ein Gedicht dar. Stefan Huth begleitet die meisten Stücke am Klavier, fast unauffällig, damit der Gesang richtig zum Tragen kommt. Aber auch A-cappella-Titel sind zu hören. Da erklingen nicht nur altbekannte Weisen zum Fest wie "Guten Abend, schön Abend", "O Jesulein zart" oder "Aba Heidschi bumbaidschi", sondern auch Lieder, die in die festliche Zeit gehören. Die Sänger erfreuen mit John Lennons und Paul Mc Carthneys "Norwegian Wood", mit "Into the west" von Fran Walsh und Udo Lindenbergs "Horizont". Für letzteres hatte Hermann Horenburg den Satz geschrieben, eine Fassung, die sehr anrührend daherkommt.

Der Leiter versteht es, seine Sänger zu motivieren, aus ihnen stimmlich das Bestmögliche herauszukitzeln. Da ist es eine fordernde Handbewegung, sich mehr zu trauen, dort die Aufforderung, sich etwas zurückzunehmen, an anderer Stelle ein Augenzwinkern als Lob oder der Fingerzeig, dem Dirigenten mehr Beachtung zu schenken. Alles mit vollem körperlichen Einsatz, aber auch mit der spürbaren Freude an der Arbeit.

Den "Zaunkönigen" braucht nicht bange zu werden vor der Zukunft. Vier talentierte Trompeter, Nils Wellkisch, Paul und Liesa Busse sowie Mio Sender-Thoms, stellen ihr Können unter Beweis. Linda Krüger beginnt den Titel "Vom Himmel hoch" mit einem Solo von der Empore aus. Und der Nachwuchs darf auf die Bühne, als über "Rudolph, das kleine Rentier" gesungen wird.

Und dann sind da auch noch die ehemaligen Mitglieder, die so kurz vorm Fest den Weg zurück in die Heimat finden und ganz gespannt sind, wie sich der Chor entwickelt hat. Sie dürfen ebenfalls ins Rampenlicht und beim Gesang mit dem Publikum unterstützen. "Kling, Glöckchen" und "Süßer die Glocken nie klingen" hat Hermann Horenburg dafür ausgewählt. Den Text für Unsichere gibt es auf dem Programmzettel. Dann erfüllen hunderte Stimmen die Mönchskirche mit diesen Weihnachtsweisen. "Das war schön. Ich kannte beide Lieder noch auswendig", freut sich unter anderem Karin Leppin nach dem Auftritt. Die einstige Benkendorferin ist heute in Österreich zu Hause.

Vorm Abschiednehmen gibt es herzliche Dankesworte, unter anderem für Stefan Huth, der zu einem "unverzichtbaren Bestandteil des Chores geworden ist", wie Andrea Döge-Wotapek sagt, aber auch für den engagierten Chorleiter Hermann Horenburg, der sich über Blumen und einen Baumkuchengruß freuen darf.

Wieder erlischt das Licht. Die Sängerinnen marschieren aus, erneut mit ihren brennenden Kerzen, diesmal mit dem Titel "Recession" aus Benjamin Brittens Werk "A ceremony of carols" auf den Lippen. Es gibt viel Applaus. Und so manches Lob wird ausgesprochen, für einen tollen Abend, der richtig gut auf die Heilige Nacht einstimmt.

   

Bilder