Matthias Böhlert ist ein begnadeter Orgelspieler. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Der Kirchenmusikdirektor aus Salzwedel gab in diesem Jahr Konzerte in Tokio und Wladiwostok. 2012 wird er in Melbourne zu erleben sein.

Salzwedel l Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Tokio/Yokohama hatte Matthias Böhlert eingeladen, damit er mit seinem Orgelspiel erfreut. Doch bevor er dort von Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto in Empfang genommen wurde, legte der Salzwedeler einen Zwischenstopp in Hiroshima ein. "Mein Hotel befand sich direkt gegenüber dem Friedensmuseum. Ich konnte es von meinem Zimmer im sechsten Stock sehen", erinnert er sich und fügt hinzu: "Mir war es wichtig, dort zu sein, weil ich als Kind des Kalten Krieges Angst habe, dass auch in Deutschland so etwas passiert." Er habe sich die Ausstellung angeschaut und sei erschüttert gewesen.

In Tokio seien nur wenig Leute zum Gottesdienst gekommen, weil "viele Deutsche nach dem Erdbeben abgezogen wurden", schildert Matthias Böhlert. In der Gemeinde habe er dennoch zwei Altmärker getroffen: eine Frau, die in Giesenslage bei Werben geboren sei und die seit 40 Jahren mit ihrem Mann in Tokio lebe sowie eine zweite Frau, die sich ehrenamtlich im Gemeindebüro der Kreuzkirche engagiert. Deren Familie stamme aus Salzwedel. "Der Opa war bis in die 1940er Jahre in der Jeetzestadt Arzt", erzählt er.

Während eines Gemeindefestes in der katholischen Gemeinde in St. Michael, wo eine neue Gemeindereferentin ins Amt eingeführt wurde, unterhielt der Deutsche eine halbe Stunde lang auf der neuen elektronischen Orgel. "Aufgefallen ist mir, dass Hiroshima grüner als Tokio ist. Zumindest in den Teilen, die ich gesehen habe", berichtet Matthias Böhlert. "Natur habe ich nur hinter der katholischen Kirche in Tokio in einem kleinen Garten gerochen", fügt er hinzu. Bemerkt habe er zudem, dass in dem asiatischen Land die Geschäfte, die zum Leben notwendig seien, rund um die Uhr geöffnet haben.

Die Reise führte ihn per Flieger weiter über Südkorea nach Wladiwostok. "Einen Direktflug gab es nicht. Wir haben einen großen Bogen gemacht", schildert der Altmärker.

In Wladiwostok habe er zum Gelingen der 15. Deutschen Kulturtage beigetragen, die unter dem Motto "Wie können wir Freunde sein?" gestanden haben. Der Organist spielte drei Konzerte mit verschiedenen Programmen.

"Diesmal war es kein Pfarrer, der mich vom Flughafen abholte wie in Tokio, sondern ein bestellter Taxifahrer", erinnert er sich an die Ankunft. Aufgefallen sei ihm, dass "abenteuerlich einfache Gerüste an vielen Häusern stehen". Alles werde getüncht. Denn die Stadt putze sich heraus, weil im September 2012 dort die Pazifik-Anrainer-Konferenz stattfinde. Das riesige Verkehrsproblem und der Geruch der Abgase würden sich bis dahin wohl kaum beseitigen lassen.

Der Salzwedeler spielte drei Konzerte in der Pauluskirche, unter anderem mit Werken von Bach, Liszt, Reger und Mendelssohn-Bartholdy. Und er half den Mitwirkenden des Brahms-Requiems. "Ein Bass-Solist hatte sich die deutschen Worte als Lautschrift aufgeschrieben. Ich konnte ihm helfen, an welcher Stelle es stimmt und wo nicht", merkt er augenzwinkernd an.

Die Konzertreise habe ihm viel Kraft für seine Arbeit in Deutschland gegeben. Und er freue sich schon auf die nächste Herausforderung. Denn im nächsten Jahr wird die evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitsgemeinde East Melbourne ein Bach-Fest organisieren. Um dies gut vorzubereiten, ist extra eine Bach-Gesellschaft in Australien gegründet worden. Einer der Organisten, die Werke des deutschen Komponisten zu Gehör bringen werden, wird Matthias Böhlert sein. Kirchenvorsteher Hans Schroeder hat ihn dazu eingeladen. "Diese Einladung habe ich Wladiwostok zu verdanken", sagt der Salzwedeler. Denn die Partnerin des Kirchenvorstehers stamme aus Wladiwostok.