Für Geschäftsführer Michael Meyer geht das erste Jahr in der Luftkurort Arendsee GmbH zu Ende. Helga Räßler sprach mit ihm für die Volksstimme über den schweren Anfang, unangenehme Überraschungen, Verluste und Pläne für 2012.

Volksstimme: Herr Meyer, wie haben Sie den Wechsel vom ehrenamtlichen Stadtratsvorsitzenden zum hauptamtlichen Geschäftsführer geschafft?

Michael Meyer: Mit eher gemischten Gefühlen, wenn ich ehrlich bin. Schließlich war ich ja von den Bürgern in den Stadtrat gewählt worden, um sie dort tatkräftig zu vertreten. Aber als Ortsbürgermeister von Ziemendorf kann ich trotzdem noch an den Sitzungen teilnehmen und mitdiskutieren, wenn ich auch nicht mehr mitentscheiden kann.

Volksstimme: Was war das Schwierigste an dem Wechsel?

Michael Meyer: Mich in das völlig neue Betriebssystem einzuarbeiten. Da ging es einerseits um den gesamten betrieblichen Ablauf, um die Leitung der Personalangelegenheiten und die Organisation von Veranstaltungen, andererseits auch um die Buchhaltung und das ganze Rechnungswesen. Mit letzterem hatte ich zwar beim Studium und als Diplomagraringenieur zu tun, aber das ist lange her. Deshalb war - und ist - für mich persönlich meine rechte Hand Sonja Nowak eine große Hilfe.

Volksstimme: Ihr Einstieg in die GmbH war überschattet vom Schneebruch und der Sperrung des Campingplatzes zu Jahresbeginn - oder war das vorher erledigt?

Michael Meyer: Passiert ist es vorher, mein offizieller Dienstbeginn war ja erst am 1. April. Aber ich war schon im März vor Ort. Und die Folgen haben die Firma das ganze Jahr über in Atem gehalten. Zunächst ging es am Anfang um die Beseitigung der akuten Gefahren. Aber auch später waren noch Holzeinschläge und das Absägen vom Absturz bedrohter Äste und Baumkronen nötig. Dafür mussten wir auch auswärtige Technik ordern. Das verursachte immense Zusatzkosten, die aber für die Sicherheit unserer Gäste notwendig waren.

Volksstimmer: In Ihrer ersten Saison gab\'s aber noch weitere böse Überraschungen wie den maroden Wasserspielgarten, die undichte Riesenrutsche, der ausgefallene Schiffsmotor - alles unvorhergesehene Zusatzausgaben. Gab es Widerstand im Stadtrat dagegen?

Michael Meyer: Kurz gesagt: Nein, die Ratsmitglieder haben die Dringlichkeit der Ausgaben verstanden. Es gab großes Verständnis, Unterstützung und eine gute Zusammenarbeit. Wenn ich auch selbst unangenehm überrascht war von den Schäden, von denen vorher nicht die Rede war. Das war darum nicht vorhersehbar.

Volksstimme: Auch in diesem Sommer waren keine Spitzenwerte bei den Besucherzahlen im Strandbad zu verzeichnen. Ist nur das Wetter schuld?

Michael Meyer: In erster Linie schon, denn das Baden und alles drumherum im Freien am Wasser sind nun mal vom Wetter abhängig. Sicher hat auch die kurzzeitige Warnungsaktion vor den Blaualgen zu Einbußen geführt. Und natürlich weiß ich auch, dass die gastronomische Versorgung fast ausschließlich über Imbissbuden für viele nicht optimal ist.

Volksstimme: Stichwort Strandgaststätte: Wie wäre es, wenn die GmbH sie kauft?

Michael Meyer: Das ist illusorisch bei unserer Finanzlage und steht momentan nicht zur Debatte. Aber ich wünsche mir, dass sich ein neuer Besitzer und Betreiber findet und unsere Gäste kontinuierlich und zu verlässlichen Öffnungszeiten versorgt. So, wie es auf dem Campingplatz seit diesem Jahr dank des neuen Pächters funktioniert.

Volksstimme: Noch ein Wort zu den Strandfesten, die traditionell ein Flop sind: Ist das zu ändern?

Michael Meyer: Strandfest und Regen und Wind - das ist seit Jahrzehnten eine unselige Koalition vor allem abends. Regen und Wind kann ich auch nicht abstellen. Aber wir wollen die Events für Familien auf den Tag verlegen, ich denke an Neptunfest und Beach-Ball Turniere. Ausbauen wollen wir die erfolgreiche Aktion "Stärkster Mann Deutschlands". Das war ein toller Besuchermagnet in diesem Jahr.

Volksstimme: Sie mussten den Bootsführerschein erwerben - war das eine große Herausforderung?

Michael Meyer: Über das Fahren selbst will ich keine Worte machen. Aber ich hätte es mir als junger Mensch nie träumen lassen, dass mir das Lernen in reiferen Jahren schwerer fällt. Ich musste intensiv die Verkehrsregeln auf See pauken und habe Antworten auf fast 500 Fragen gelernt. Aber jetzt kann ich sogar im Ernstfall das Rettungsboot über den Arendsee steuern.