Im Fall der illegalen Stapener Schweinehaltung verhärten sich die Fronten. Weil die Betreiberin des Hofes und der Verein Rüsselheim bis jetzt keine der festgesetzten Auflagen erfüllt haben, hat das Ordnungsamt ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Stapen l Zwar müssen die Schweine, die kurz vor dem Jahreswechsel von Tierschützern aus einem stillgelegten bayerischen Mastbetrieb auf einen Hof nach Stapen gebracht wurden (wir berichteten), bis 2. Februar wieder weggebracht werden. Doch bis dahin haben die Betreiberin des Hofes und der verantwortliche Verein Rüsselheim etliche behördliche Auflagen zu erfüllen. Der Volksstimme liegt ein Auszug der Anordnung des Altmarkkreises vor. Demnach ist "unverzüglich eine Blutuntersuchung auf klassische Schweinepest, Aujeszysche Krankheit und Brucellose durchzuführen". Zudem fordern die Behörden die Vorlage eines Bestandsregisters der Zu- und Abgänge nebst der dazugehörigen Ohrmarkennummer rückwirkend ab dem 1. Dezember 2012, das unverzügliche Anbringen von Schildern mit der Aufschrift "Schweinebestand - Betreten verboten", das Bestücken der Ein- und Ausgänge mit Desinfektionsmatten für das Schuhwerk, eine "effektive Schadnagerbekämpfung" und Entfernung jeglichen Unrats vom Grundstück. Auch müsse sichergestellt werden, dass kein Schwein aus der Anlage entweichen kann und das Betreten nur mit Schutzkleidung erfolgt.

Um die Erfüllung der Auflagen zu überwachen, kündigte der Altmarkkreis unverzügliche Kontrollen durch das Veterinäramt an. Die erste fand bereits am Montagnachmittag statt, wie Kreisordnungsamtsleiter Hans Thiele der Volksstimme bestätigte. Ergebnis der Stippvisite: Keine einzige der Auflagen wurde erfüllt. "Es wurde so gut wie nichts getan. Auch die Futtertröge für die Schweine fehlen nach wie vor", berichtete Thiele.

Der Altmarkkreis ist nach den Worten des Ordnungsamtsleiters jetzt mit seiner Geduld am Ende. "Wir haben ein erstes Bußgeldverfahren eingeleitet. Und für jede Maßnahme, die nicht erfüllt wird, werden wir Zwangsgelder verhängen", kündigte Thiele an.

Währenddessen wurde bekannt, dass fünf der Schweine am Wochenende vermittelt wurden. Und das ohne das Ergebnis des angeordneten Bluttests abzuwarten. Nach Auskunft des Altmarkkreises sollen die Tiere zu einer Halterin im Landkreis Stendal gebracht worden sein. "Es liegen uns Hinweise vor, dass auch dort keinerlei Genehmigungen für eine Haltung von Schweinen beziehungsweise für einen Schweine-Gnadenhof existieren", teilte der Altmarkkreis der Volksstimme mit. Das zuständige Veterinäramt sei bereits informiert worden. Zudem dürfen bis zum Vorliegen der Ergebnisse der angeordneten Untersuchungen keine weiteren Schweine aus Stapen vermittelt werden.

Derzeit befinden sich noch 131 Schweine auf dem Gelände des Stapener Hofes. Der größte Teil von ihnen ist in einer ehemaligen Reithalle untergebracht. 30 der Tiere wurden bereits Ende November 2012 vom Verein Rüsselheim in die Altmark gebracht. Die Stapenerin Sabine Schmutzler hatte sich zur Aufnahme auf ihrem Hof bereiterklärt. Schon damals schaltete sich das Veterinäramt ein. Sowohl die Tierhalterin als auch der Verein Rüsselheim seien darüber informiert worden, "dass für einen Gnadenhof eine Erlaubnis seitens des Veterinäramtes notwendig ist und dass die Voraussetzungen für die Erteilung einer solchen Erlaubnis bei der Tierhalterin in Stapen nicht gegeben sind", so der Altmarkkreis gegenüber der Volksstimme.

Doch warum sind die Behörden nicht gleich eingeschritten? Aus dem Salzwedeler Landratsamt heißt es dazu: "Das erschien zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig, da die Schweine in den auf dem Hof befindlichen Ställen sicher untergebracht waren und eine akute Gefahr nicht ersichtlich war." Dass die ehemalige Reithalle für die Aufnahme weiterer 110 Schweine ausgebaut werden sollte, habe man damals nicht gewusst.

Fakt ist laut Altmarkkreis: "Eine Genehmigung der Schweinehaltung in Stapen wurde durch das Veterinäramt zu keinem Zeitpunkt erteilt." Die Behörden widersprachen damit anderslautenden Aussagen einiger an der Aktion beteiligter Tierschützer. Die Stapener Tierhalterin habe von der Amtstierärztin lediglich telefonisch Auskunft über alle einzuhaltenden Anforderungen nach Tierseuchen- und Tierschutzrecht erhalten. Die Haltung der 30 bereits vor Ort befindlichen Schweine sollte Anfang Januar überprüft und eine schnellstmögliche anderweitige Unterbringung erreicht werden.

Verein kaufte mit Spenden dem Landwirt die Tiere ab

Doch die Ereignisse überschlugen sich. Weil der Mastbetrieb im bayerischen Buttenwiesen, den der Verein Rüsselheim zu einem Gnadenhof umbauen wollte, kurzfristig zum 31. Dezember geschlossen wurde, drohte den Tieren dort die Schlachtung. Rüsselheim reagierte, sammelte Spenden und Privatdarlehen und kaufte dem Landwirt die restlichen Schweine für 22500 Euro ab.

Am 28. Dezember rollte der Transport in Stapen an, wo die Tiere auf dem Hof von Sabine Schmutzler vorläufig untergebracht werden sollten. Doch hier war man auf eine solche Anzahl Neuankömmlinge überhaupt nicht vorbereitet. Notdürftig wurden mit Hilfe von Tierschützern Boxen eingerichtet und diese so gut wie möglich ausgestattet.

Die Behörden konnten durch den spontanen Einsatz allerdings nicht überzeugt werden. Sie schlugen die Hände über den Kopf zusammen, als sie am 2. Januar den Stall inspizierten. Keine Futtertröge, kein Gülleabfluss, Wasserversorgung über Gartenschlauch, kaputte Zäune, fehlende Desinfektionsmatten - die Liste der aufgezeigten Mängel war lang. Ergebnis: Die Haltung wurde ausdrücklich untersagt und eine Frist bis zum 2. Februar eingeräumt, die Schweine wegzuschaffen. Anderenfalls droht der Kreis mit Ersatzvornahme und den Tieren die sofortige Schlachtung.

Drei der Schweine wurden mit Verletzungen, die sie sich offenbar durch den Transport zugezogen hatten, in die Tierklinik nach Hannover gebracht und dort schließlich eingeschläfert. Ein weiteres Tier verstarb vor Ort.

Sabine Schmutzler versicherte derweil über Facebook, dass sie Rüsselheim zunächst lediglich Hilfe für 20 bis 30 Tiere angeboten habe. Diese stünden auch "vorschriftsmäßig mit Gülleabfluss im Stall". Dass sie sich dann alle Schweine aus Buttenwiesen habe "aufs Auge drücken lassen", sei möglicherweise ein voreiliger Entschluss gewesen. "Die dafür vorhandene Zeit war mehr als zu kurz, um auch nur im Mindesten etwas vorschriftsmäßig machen zu können", erklärte sie. Rüsselheim habe vor Baubeginn Halle und Scheune besichtigt. Stallbekleidung, Desinfektionswannen und andere Dinge seien angefordert worden.

"Wir haben Wochen vorher und damit rechtzeitig mitgeteilt, dass ein Vorlauf nötig ist, um die Umbauten für die im Ursprung geplanten 24 Tiere vornehmen zu können", so Schmutzler weiter. Später, als die Tiere schließlich aus dem bayerischen Mastbetrieb weg mussten, sei von maximal 70 Schweinen die Rede gewesen. "Auch am Morgen des Transports konnte keine verbindliche Auskunft über die Anzahl der Tiere gegeben werden", reichte die Stapenerin den Schwarzen Peter an den Verein Rüsselheim weiter. Zugleich betonte sie, dass es den Schweinen gut gehe und sie sauber untergebracht seien. Sie stünden keineswegs "bis zum Kopf im Dreck", wie es böswillig in einigen Internet-Foren behauptet worden sei.