Wie bürgerfreundlich sind unsere Ortsbürgermeister, wie gut sind sie zu erreichen? Diesen Fragen möchten wir in loser Folge in den kommenden Monaten auf den Grund gehen. Heute: Pömmelte.

Pömmelte l "Dich wollte ich sprechen. Ich habe mal folgendes Problem ...", spricht ein Rentner Ortsbürgermeister Thomas Warnecke an. Für den 54-Jährigen eine "normale Sache", da er oft zu Fuß oder mit dem Fahrrad in Pömmelte unterwegs ist. Danach werden die kleinen und größeren Probleme auf dem "kurzen Dienstweg" aus der Welt geschafft. Warnecke (Freie Wähler) ist auch Stadtrat in der Einheitsgemeinde, kann den Anliegen seiner Bürger dort Gehör verschaffen. Wer es nicht dem Zufall überlassen möchte, nutzt die "offiziellen Sprechtage". Am Gemeindebüro Neue Schule informiert ein Schild darüber: Jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 17 Uhr. "Meist bin ich aber schon eine Stunde eher da", gesteht Thomas Warnecke. "Aber viel genutzt wird dieses Angebot nicht."

Unkonventioneller Kontakt

Mit dieser Erkenntnis ist Warnecke in guter Gesellschaft mit den meisten anderen Ortsbürgermeistern der Einheitsgemeinde Barby. Auf dem Land ist man eher pragmatisch und sucht den "unkonventionellen" Kontakt auf der Straße.

Der erste Mann des Ortes wird auch gerne von den Damen der Volkssolidarität angesprochen, wenn er deren Handarbeitszirkel besucht. Was dann so klingt: "Thomas, horche mal! Auf dem Friedhof ist eine Stolperstelle." Als er tags darauf das "Problem" inspizierte, war es im direkten wie übertragenen Sinne ziemlich klein. "Naja, was wir überhaupt nicht wahrnehmen, kann für ältere Bürger heftiger sein", sinniert Warnecke.

Richtig gut ist Pömmelte in Sachen Internet aufgestellt. Auf der Seite werden neue Erdenbürger begrüßt, Termine mitgeteilt, von Festen berichtet oder vor Spitzbuben gewarnt. So heißt es: "Haben Sie in letzter Zeit Post von der GEZ bekommen? Die Polizei warnt vor einem gefälschtem Schreiben, bei dem zur Zahlung auf ein Berliner Konto aufgefordert wird." Das gescannte Corpus Delicti ist abgebildet.

Auch zu Arbeitseinsätzen wird hier aufgerufen. So ist am kommenden Sonnabend Frühjahrsputz.

Zum weiteren Service gehören die Pegelstände an Elbe und Saale, aktuelle Neuigkeiten oder Immobilienangebote. Schließlich schlägt auch die Demografie in Pömmelte zu, das derzeit 623 Einwohner hat. Deswegen ist die Homepage für Bauinteressenten so wichtig, die kein erschlossenes Grundstück finden. Ein Link verweist auf das Wohngebiet "Steinhöfen", das angenehm liegt und noch viel Platz bietet. Dessen Besonderheit ist aber eine andere: Wer hier baut, wird gefördert. Denn Pömmelte verfügt über ein gemeindeeigenes Wohnungsbauförderungsprogramm aus den seligen Tagen der kommunalen Selbstverwaltung. Dementsprechend können Bauherren für den Erwerb eines Grundstückes einen Zuschuss von 1000 Euro und für jedes im Haushalt lebende Kind 500 Euro erhalten.

Die Internet-Seite wird von Thomas Warnecke gepflegt. Nicht selten trifft man ihn mit der Kamera. Ein Hobby, das er von seinem Vater geerbt hat, der seit Jahrzehnten als Ortschronist das Geschehen festhält. So sind gegenwärtig Fotos von einer Schrottsammelaktion der Angler zu sehen. Richtig sensationell sind die Fotos aller in Pömmelte eingeschulten Kinder von 1950 bis 1982. Dafür zeichnet Heinz Warnecke (91) verantwortlich.

Wer ein bisschen tiefer in das Dorfgeschehen eindringen möchte, zum Beispiel sehen will, welcher Rentner wann Geburtstag hat, muss sich als Benutzer registrieren lassen. Was laut Warnecke kostenlos ist und zu nichts verpflichtet. Nur das Passwort sollte man sich merken.

Fazit: Besonders die Web-Seite ist für aktuelle und ehemalige Pömmelter eine feine Sache. Sie dient nicht nur der Information, sondern auch der Kommunikation. Und so soll es sein.

www.gemeinde-pömmelte

 

Bilder