Calbe l Ganze vier Monate sind seit der Wahl von Uwe Scholz zum Verbandsgeschäftsführer des AZV "Saalemündung" vergangen. Doch erst jetzt wird der bisherige OEWA-Kundendienstchef sein Amt antreten können. Denn nach der Wahl hatte einer der Unterlegenen, Norbert Arbanowski aus Blankenburg, Klage gegen die Abstimmung in der Verbandsversammlung eingereicht. Seiner Ansicht nach sei er als AZV-Chef in Qualifizierung und Berufserfahrung geeigneter.

Das Arbeitsgericht in Magdeburg hat aber am 7. März die Klage Arbanowskis zurückgewiesen (Volksstimme berichtete). Die Begründung kam Tage später. Der Richter bestätigte, dass die Verbandsversammlung hinsichtlich der Bewertung von Eignungen der Kandidaten anhand aufgestellter Kriterien Spielraum habe. Zwar habe Arbanwoski einen Universitätsabschluss, Uwe Scholz dagegen einen Fachhochschulabschluss - dennoch habe der Blankenburger in den vergangenen zehn Jahren nicht gearbeitet und somit auch keine Erfahrungen sammeln können.

Norbert Arbanowski akzeptiere die Begründung des Arbeitsgerichtes, sagt er gestern im Volksstimme-Gespräch. Er wolle nicht weiter klagen und sich vor Gerichten "rumdrücken". Enttäuscht ist er aber allemal: "Ich hätte gern noch etwas gemacht. Ich habe einen großen Erfahrungsschatz und bin gut ausgebildet, ich hätte mich gefreut, wenn der noch gebraucht werden würde." Doch in Sachsen-Anhalt würde er in seinem Alter nicht mehr Fuß fassen, sagt der 63-Jährige. Er wolle versuchen, in seiner Heimat noch beratend tätig zu sein, oder sich auf die Rente vorzubereiten.

Weniger auskunftsfreudig zeigte sich gestern Uwe Scholz. Befragt von der Volksstimme zu seinen Zielen und Vorhaben, sagte er: "Lassen Sie mich erstmal in das Amt kommen und einen Überblick über die Dinge verschaffen."

Dass Scholz sich lange Startzeiten wirklich einberaumen kann, sehen einige Mitglieder der Verbandsversammlung nicht so. "Ich erwarte von dem neuen Geschäftsführer, dass er seine Tätigkeit wie geplant zum 1. Juni aufnimmt", sagt Sven Hause, der für die Stadt Calbe im Gremium sitzt. Einen entsprechenden Beschluss will die Verbandsversammlung am kommenden Dienstag während ihrer Sitzung fassen. Damit soll nicht die Wahl bestätigt werden, das ist alles rechtens. Es geht um die Korrektur des Dienstbeginns für den neuen AZV-Chef, der eigentlich schon im Februar loslegen sollte. Durch die Konkurrentenschutzklage ist es aber zu Verzögerungen gekommen.

Nicht nur deshalb, so Sven Hause, dränge jetzt die Zeit. Das Stadtratsmitglied aus Calbe sagt, dass man den Wirtschaftsplan mit Investionen über rund 6,5 Millionen Euro angehen und begleiten müsse. Außerdem werde es darum gehen, die Aufklärungsarbeit im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den entlassenen Geschäftsführer Michael Tecklenburg und seinen Vertreter Thomas Thamm voranzutreiben. Sie hatten ohne Zustimmung der Verbandsversammlung das Projekt "Wege zur alternativen Klärschlammverwertung" angeschoben und finanziert, unter anderem auch Beraterhonorare gezahlt. So ist dem AZV möglicherweise ein Schaden im sechstelligen Eurobereich entstanden. Sven Hause zufolge müsse deshalb jetzt geklärt werden, wie es weiter gehe, damit nicht die Mitgliedskommunen auf den Kosten sitzenbleiben. Auf die Gebührenschuldner werde das Geld nicht umgelegt, sagt er aber deutlich. Beim allem ist der Calbenser der Auffassung: "Es kann keine Anlaufphase geben. Der neue Geschäftsführer muss sich sofort in seiner Tätigkeit etabliert haben."