Seit mehr als einer Woche sitzen viele Barbyer im Wasser. Das Drängwasser hat ganze Straßenzüge erobert und weicht nicht. Langsam liegen die Nerven bei den Bürgern blank. In der Stadtverwaltung hofft Bürgermeister Jens Strube, dass das Mäuserinnensiel heute die Entlastung bringt.

Barby l Mit Wathosen sind die Bürger inzwischen in vielen überfluteten Straßen in Barby ausgerüstet. Als das Wasser vor einer Woche lautlos viele Straßen in der Kleinstadt überflutete, ahnten die Bürger noch nicht, wie lange der Ausnahmezustand anhalten würde.

Eine Woche schauen die Anwohner nun schon auf die Wassermassen und warten darauf, dass sich die Fluten endlich zurückziehen. Das Drängwasser hat die Stadt vollkommen im Griff, sagt der Barbyer Ortswehrleiter Eberhard Pesch. Nur mit Wathosen gehen er und seine Kameraden noch durch die überfluteten Straßen.

Der Strom in den betroffenen Gebieten ist abgestellt. Nichts funktioniert mehr. Aus einigen Häusern recken sich Schläuche auf die Straße. Wasser wird dort aus den Kellern gepumpt, um die teuren Heizungen zu schützen. Mit Notstromaggregaten erzeugen die Hausbesitzer hier selbst Strom. In der August-Bebel-Straße schüttelt Margrit Ehreberg den Kopf. "Ich wohne seit 1977 hier. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt sie. Der Keller sei überflutet, die teure Heizung sei wahrscheinlich zerstört, sagt sie von der Terrasse. "Ich musste die Feuerwehr holen, weil die Öltanks aufschwammen", schildert sie. Zweimal am Tag muss sie die Wathose anziehen, um den Hund an Land zu bringen.

Nur einige Meter weiter ist Wolfgang Wendt ungeduldig. Er müsse wieder zur Arbeit, sagt er. Wie das gehen soll, wenn die ganze Straße unter Wasser stehe. "Ich habe mehrmals im Rathaus angerufen und Fragen gestellt und nie eine Antwort bekommen", schimpft er auf die Stadtverwaltung. Beim letzten Hochwasser habe die Stadt viel größere Pumpen eingesetzt, erklärt er. Diesmal sei der Wasserstand unvorstellbar hoch und es passiere nichts, schimpft er.

Zwar pumpen die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk seit Tagen große Wassermassen über den Deich am Gewerbegebiet. Aber die Wassermengen sind offenbar kleiner, als der tägliche Zulauf, vermutet Bürgermeister Jens Strube. Er versucht seit Tagen die Bürger zu beruhigen. "Ich kann verstehen, wenn die Bürger mit den Nerven am Ende sind", sagt er. Entscheidend für eine Änderung der Situation sei die Höhe des Elbpegels, schildert er mittags der FDP-Landeschefin Cornelia Pieper. Die Politikerin will sich selbst ein Bild von der Lage machen und fragt gezielt, wo die Politik der Stadt in Zukunft helfen könne. "Wenn das Mäuserinnensiel gezogen werden kann, entspannt sich die Situation", erläutert der Bürgermeister. Er rechne in den kommenden 25 Stunden, also irgendwann am Mittwoch mit der Ziehung des Wehres.

Über den Graben zum Mäuserinnensiel werde das Wasser aus der Stadt geleitet. Innerhalb eines Tages könnte die Stadt so das Drängwasserproblem erstmal los sein, hofft er.

Mittelfristig stehen dann aber weitere Fragen auf der Tagesordnung, kündigt er an. Der hohe Grundwasserspiegel sei wesentlich mit verantwortlich für das Drängwasserproblem. Jahreslang beschäftigt die Kleinstadt das Problem bereits. Aber getan wurde bislang noch nichts, gesteht der Rathaus-Chef ein. Gutachten wurden angefertigt und diskutiert. Ein Graben bei Schönebeck soll Entlastung bringen, schildert er der Politikerin weiter. Zwei Jahre, so Strube weiter, wurden bislang verschenkt.

Unbedingt müsse etwas getan werden, entgegnet Cornelia Pieper. Die Leute müssten jetzt sehen, dass etwas gemacht werde, damit sich die Situation nicht wiederhole. Wenn der Graben bei Schönebeck die Situation entschärfe, sollte schnell mit dem Bau begonnen werden, spricht sie sich aus. Anschließend besichtigt sie mit dem Bürgermeister die überfluteten Straßen und spricht mit den betroffenen Bürgern. Das sei kaum vorstellbar, sagt sie bei der Rundfahrt in dem 40 Jahre alten LO der Feuerwehr.

Wenn das Wasser wieder weiche, sei vor allem wichtig, dass die Häuser schnell mit Energie versorgt werden, sagt Wolfgang Wendt, als er den Bürgermeister sieht. Die Stadt müsse mehr über den Notstand in den Straßen berichten, fordert er auf. "Die Arbeitgeber glauben uns nicht, dass wir hier abgesoffen sind, wenn es in den Nachrichten immer heißt, die Pegel fallen", erklärt er. Die Stadt müsse besser informieren, fordert er den Bürgermeister auf. Der wehrt sich, dass er die Haushalte nicht alle erreichen könne. Aber die Feuerwehr, die täglich ihre Runden durch die Straßen drehe, solle informieren.

   

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