Dieter Kohle wird heute 65 Jahre alt. Zeit, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Aber auch Zeit, auf ein Leben zurückzublicken, das vor allem aus Ehrenämtern mit Verantwortung bestand.

Pömmelte l Dieter Kohle hat Urlaub. Der letzte in seinem Berufsleben. Gelegenheit, die Bücher, die er vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht hatte, wieder an ihren Platz zu stellen. Doch wenn er Bücher in den Händen hält, bleibt er nicht selten an einem hängen. So auch beim Keltischen Baumkalender. Nach diesem ist er eine Kiefer. Es heißt, Menschen, die in diesem Baumzeichen geboren sind, seien genügsam, bescheiden und rational denkend.

Wer Dieter Kohle kennt, weiß - das passt. Das sind Eigenschaften, die ihn ausmachen und die seine Mitmenschen an ihm schätzen. Herausforderungen hat er, wenn sie an ihn herangetragen wurden, gern angenommen. Ob Wehrleiter oder Bürgermeister - Dieter Kohle ist mit Leib und Seele für seinen Ort und deren Bürger da gewesen. Ob Bibliothek, Mühlenverein, Gemeindekirchenrat oder Jagdgenossenschaft - der gebürtige Pömmelter engagiert sich gern ehrenamtlich. Zu den meisten Ämtern ist er wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde gekommen. Sein Lebensmotto: Man wächst mit seinen Aufgaben.

Ein Ehrenamt, das aus seiner Leidenschaft - dem Lesen - hervorgegangen ist, übt er seit 35 Jahren aus: Er führt die Bibliothek in Pömmelte. "Ich bin seit der zweiten Klasse als Leser gemeldet", erinnert sich Dieter Kohle. "Der Zuspruch ist immer sehr rege gewesen. Doch mit der Wende kam der große Knacks." Dennoch lässt er sich nicht entmutigen, öffnet Woche für Woche mittwochs von 17 bis 18 Uhr die Tür zum Lektüreparadies. Damit dies auch in Zukunft möglich ist, gehört er dem hiesigen Bibliotheksleihverein an. Er sei es auch gewesen, erzählt Erika Richter, der sie einst zum Verein mitgenommen und für die Arbeit begeistert hat. Nun ist sie Vorsitzende und er ihr Stellvertreter. "Dieter Kohle ist ruhig und überlegt. Wenn ich Probleme habe, kann ich immer zu ihm kommen. Es ist wirklich eine gute Zusammenarbeit mit ihm", sagt sie. Sie ist sich sicher, dass er als Ruheständler nun viel öfter den Austauschtag der Bibliotheken im Verein in Biere nutzen wird.

"Als man mich gefragt hat, habe ich mich entsprechend qualifiziert"

Dazu kam die Feuerwehr. Von 1979 bis 2001 führte er die schnelle Truppe von Pömmelte an. "Vom operativen Brandschutz hatte ich anfangs überhaupt keine Ahnung", gibt Dieter Kohle unumwunden zu, "aber als man mich gefragt hat, habe ich es gemacht und mich entsprechend qualifiziert." Was ihm zugute kam: In Schwedt - dorthin ist er als junger Chemie-Ingenieur gegangen - hat er als Brandschutzinspektor gearbeitet, war für den vorbeugenden Brandschutz zuständig. Dann, als es ihn wieder mit der Familie in die Heimat zog, war er im Sprengstoffwerk Schönebeck als Sicherheitsinspekteur tätig.

"Er war mein erster Wehrleiter", erzählt Mario Mutschall, der nun Wehrleiter ist und ist sich sicher: "Er hat den Grundstock gelegt für das, was jetzt ist, für die heutigen Einsatzkräfte." Dieter Kohle habe Wert darauf gelegt, dass Mitglieder, die aktiv sein wollten, auch regelmäßig zu den Diensten kommen.

Die deutlichsten Spuren hat Dieter Kohle wohl aber durch ein Amt hinterlassen, das er 1991/92 hauptamtlich, dann ehrenamtlich ausgefüllt hat: Er war Bürgermeister von Pömmelte. Wieder kam der Vorschlag, er könnte das doch machen, von außen, wieder hat er diese Aufgabe gemeistert. Und er räumt ein: "Mir war bewusst, dass es eine schwere Zeit werden wird. Ich habe aber gleich gesagt: Ich werde mein Bestes geben, kann aber nichts garantieren." Seine erste Amtshandlung war das Erschließen von Trink- und Abwasser im Ort, seine letzte der Bau einer neuen Trauerhalle. Eine aufregende Zeit, kann er rückblickend sagen: "Ich habe immer sehr gut mit dem Rat zusammengearbeitet. Und bei all den Vorhaben, die wir umgesetzt haben: Wir waren nie verschuldet, hatten immer Geld."

Nach elf Jahren gab es dieses Ehrenamt ab. Da er in Barby Leiter des Ordnungsamtes wurde, durfte er nicht zeitgleich Bürgermeister sein. Sein Nachfolger ist Thomas Warnecke. Er sagt über Dieter Kohle: "Er hat die Gemeinde durch die wilden Nachwendejahre geführt, sie gut hindurchmanövriert." In dieser Zeit habe der Ort zudem einen vorderen Platz beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" belegt.

"Eine Grundeigenschaft von mir ist: Mich interessiert fast alles"

Doch damit nicht genug. Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass es in Pömmelte den Mühlenverein gibt, sich der Spiel- und Sportverein neu gegründet hat. Bei all den Aufgaben ist er immer bestrebt gewesen, sich geschichtlich zu bilden und bei seinem Steckenpferd - der Chemie - auf dem neuesten Stand zu bleiben. Schmunzelnd gibt er zu: "Eine Grundeigenschaft von mir ist: Mich interessiert fast alles."

Das wird sich auch nicht ändern, wenn er ab 1. September nicht mehr zur Arbeit in die Verwaltung der Stadt Barby fährt. Dieter Kohle freut sich, dann anderen Dingen mehr Zeit zu widmen. Denn "lebenslanges Lernen, das macht ja Spaß". Neue Herausforderungen können also kommen.