Schönebeck l Es dauerte nur eine Minute, da hatte der Bundesverkehrsminister die Herzen der Schönebecker Gäste erobert. Als Peter Ramsauer auf der Schönebecker Elbauenbrücke stand und zu seiner Rede ansetzte, freute er sich, dass Schönebeck (fast) in der Mitte zwischen seinem Heimatort am Chiemsee und seinem Arbeitsort Berlin liege. "Sie merken schon, ich will touristische Werbung für meine Heimat machen, aber ich kann Ihnen sagen, auch Sachsen-Anhalt hat schöne Orte - Schönebeck sowieso."

Bundesverkehrsminister Ramsauer war nun innerhalb von vier Tagen zum zweiten Mal zu einer Brückeneröffnung eingeladen. Am Sonnabend stand er noch auf der Waldschlösschenbrücke in Dresden und schnippelte das Band durch, am Dienstag tat er selbiges in Schönebeck. Damit wurde am späten Nachmittag ein Millionenprojekt beendet, das in der Elbestadt seit Wende seinesgleichen sucht: Die drei Bauabschnitte der Ortsumfahrung, die insgesamt 14 Kilometer lang ist, kosteten 70 Millionen Euro. Spatenstich war im Jahr 2004.

Von der Bedeutung der Ortsumgehung wusste auch Ramsauer im fernen Berlin: "Diese neue Straße um Schönebeck hat nicht nur eine überregionale Verkehrsbedeutung, sondern ist auch für die Stadt Schönebeck selbst sehr wichtig", so der Minister. Bis gestern nämlich quälte sich der komplette Durchgangsverkehr durch die Innenstadt. Mit der Freigabe nun ist das Geschichte: Jetzt ist der Weg für die Stadtplaner frei, um Markt und Altstadt gemeinsam mit den Bürgern umzugestalten.

Trotz der immensen Kosten von 70 Millionen Euro sagte Ramsauer, dass das Geld gut angelegt sei. Gerade in der Infrastruktur der neuen Bundesländer gab es nach der Wende dringenden Sanierungsbedarf.

Raumsauer aber auch Landesbauminister Thomas Webel dankten im besonderen der "Bürgerinitiative Ortsumgehung 246a", die vor 20 Jahren den Startschuss für den Kampf des Projektes gesetzt hat. Im Übrigen fast zur gleichen Zeit, als das erste Elbe-Saale-Camp gegen den Saale-Seitenkanal stattfand. Dieses Projekt ist entgegengesetzt gelagert und steht derzeit wegen fehlender finanzieller Mittel des Bundes auf der Kippe, so Ramsauer im Gespräch mit der Volksstimme (siehe Interview links).

Die neue Schönebecker Elbauenbrücke kann nicht nur die Verkehrsströme neu lenken, sondern hat auch das Zeug für einen Architekturpreis, das machte Landesbauminister Webel deutlich. Er werde den Neubau im nächsten Jahr bei einem Projekt in Dresden einreichen. "Und ich gehe fest davon aus, dass wir damit einen Preis, wenn nicht sogar den 1. erreichen werden", so Thomas Webel.

Dass es auf der Brücke nie Unfälle geben soll und auch die Hochwasserkatastrophen spurlos an dem Bauwerk vorüber ziehen mögen, dafür spendeten zwei Pfarrer ihren Segen: Johannes Beyer und Dr. Thomas Thorak. Mit einer Rede von Georg Plenikowski (Bürgerinitiative), Dixieland-Musik ("Down By The Riverside"), der Trachtengruppe Schönebecks und vielen Oldtimern aus der Region wurde die Brücke anschließend freigegeben. Ab sofort kann sie von den Autofahrern genutzt werden.

   

Bilder

 

Schönebecker Elbauenbrücke freigegeben

Die Schönebecker Elbauenbrücke wurde jetzt offiziell für den Verkehr freigegeben. Nach zehn Jahren Bauzeit hat die Stadt nun eine durchgängig funktionierende Ortsumfahrung, die 14 Kilometer lang ist und 70 Millionen Euro kostete. Fotos: Olaf Koch

Besichtigung der Elbauenbrücke

Zu einem "Tag der offenen Brücke" lud das Land Sachsen-Anhalt ein. Im Mittelpunkt stand die Besichtung der neuen Schönebecker Elbauenbrücke. Fotos: Olaf Koch