Am 2. Juli ab 16.30 Uhr wird in der Pension Anni, Wilhelm-Hellge-Str. 129 in Schönebeck, das zweite Treffen stattfinden. Betroffene sind dazu eingeladen, an dem Treffen teilzunehmen und sich der Selbsthilfegruppe anzuschließen. Bei Fragen steht Renate Enkelmann von der Selbsthilfekontaktstelle des Salzlandkreis unter 0 34 96/4 16 99 84 oder renkelmann@paritaet-lsa.de zur Verfügung.

Schönebeck l "Der ganze Körper ist von dem Schmerz betroffen. Man kann ihn nicht lokalisieren. Hinzu kommt, dass jeder Betroffene unterschiedliche Symptome hat", erklärt Renate Enkelmann von der Selbsthilfekontaktstelle des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands und Gründerin der Selbsthilfegruppe. Zu den häufigsten Symptomen gehören Gelenk-, Rücken- und Nackenschmerzen, Morgensteifigkeit aber auch Depressivität und Erschöpfungszustände.

Rund drei Millionen Deutsche sind von dem Faser-Muskelschmerz betroffen. Da man die Symptome als Außenstehender nicht sehen kann, ist eine Selbsthilfegruppe unter Gleichgesinnten von großer Bedeutung. "Der andere weiß, wovon man spricht, kann die Schmerzen nachvollziehen", sagt Enkelmann. "Sie können sich über Reha-Aufenthalte, eigene Erfahrungen mit Medikamenten und Therapien unterhalten."

Eine der Betroffenen ist Illona Schulz. Bei der 58-Jährigen wurde 2007 Fibromyalgie diagnostiziert. Die Ursache der Krankheit ist bis heute unbekannt. "Ich vermute, es hat etwas mit den Wechseljahren zu tun, mit Stress und schweren Schicksalen", sagt die gebürtige Schönebeckerin. 2003 hat sich die 5-fache Mutter selbstständig gemacht, 2007, im Jahr der Diagnose, ist ihr Vater verstorben. "Es war wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", sagt Schulz heute.

Da Fibromyalgie als unheilbar gilt, können Betroffene nur die Symptome bekämpfen. "Ich habe es mit Schmerztabletten versucht. Aber nach einem halben Jahr haben sie nicht mehr gewirkt", erzählt Schulz. Nicht wenige Erkrankte werden auf diese Weise tablettenabhängig. Ein Mitglied der Selbsthilfegruppe musste entgiftet werden, weil es den Medikamenten zu sehr vertraut hat. Alternativ versprechen Physiotherapien, Wärmekuren und ausreichend Bewegung eine Schmerzlinderung. "Ich gehe zwei Mal die Woche zur Physiotherapie, mache wöchentlich Step-Aerobic. Das hilft mir persönlich am meisten", verrät Schulz. Doch auch psychische Entspannung und soziale Unterstützung kann bei der Krankheit helfen. "Mein Mann hilft mir sehr", sagt Schulz. "Wir feierten vor kurzem Silberhochzeit, führen eine glückliche Ehe. Er unterstützt mich, spricht mit mir darüber." Dennoch wollte sich Schulz noch der Selbsthilfegruppe anschließen. "Es ist dann doch nochmal etwas anderes mit Menschen zu sprechen, die die gleichen Leiden haben. Alleine das Gespräch untereinander hilft schon", weiß Schulz.

Neben dem kommunikativen Austausch will die Selbsthilfegruppe auch gemeinsame Unternehmungen starten, die dem Krankheitsbild förderlich sind. Dazu gehören entspannende Spaziergänge, gelenkschonende Wassergymnastik, Wellness oder Radtouren. "Viele verkriechen sich, wenn sie krank sind", sagt Enkelmann, die für 24 Selbsthilfegruppen in Schönebeck verantwortlich ist. "Die Gesellschaft in einer Selbsthilfegruppe holt einen aus der Isolation heraus." Die Erkrankten haben in der Gruppe nicht nur die Möglichkeit, sich gegenseitig Ratschläge einzuholen, sondern auch, auf andere Gedanken zu kommen. "Sie können zusammen was schönes erleben, die Seele baumeln lassen, auch mal zusammen ins Theater gehen", schlägt Enkelmann vor.