Pömmelte l Nein, die Bezeichnung "Stonehenge für Arme" will Ministerpräsident Reiner Haseloff so nicht stehen lassen. Und Harald Meller, oberster Landesarchäologe aus Halle, schon gar nicht. Schließlich sei Sachsen-Anhalt reich. Zumindest reich an Kultur.

Haseloff in seinem Grußwort: "In den vergangenen Jahren haben Archäologen in Sachsen-Anhalt beeindruckende Spuren der Vergangenheit ausgegraben. Der Boden birgt offensichtlich immer wieder Überraschungen. Mit der Kreisgrabenanlage von Pömmelte wurde eine deutsche Variante von Stonehenge entdeckt." Er hoffe, dass damit dem Tourismus neue Potenziale erschlossen und wichtige Impulse geben werden.

Mit Blick auf den Salzlandkreis betonte Reiner Haseloff: "Solche regionalen Besonderheiten sind eine große Chance, das eigene Profil zu stärken und weiterzuentwickeln." Landrat Markus Bauer machte deutlich, dass die Investition zur nachhaltigen Nutzung verpflichte und benannte das Ziel.

"Gäste im Salzlandkreis sollen Lust bekommen, hier zu verweilen". "Das Projekt wird zum Bindeglied für Lebensgefühl, Bildung und Wirtschaftsförderung im Salzlandkreis".

Bis zur feierlichen Eröffnung und offiziellen Angliederung an die Tourismusroute "Himmelswege" im Sommer 2016 wird der Ort in den kommenden Monaten durch den Bau eines Aussichtsturmes, der Zufahrt, eines Parkplatzes, der Beschilderung und einem Informationssystem für die Besucher infrastrukturell erschlossen. Die Anbindung an den Elberadweg soll ebenfalls baulich realisiert werden.

Neben dem Erlebniszentrum Arche Nebra am Fundort der Himmelsscheibe, dem Sonnenobservatorium von Goseck, der Dolmengöttin von Langeneichstädt und dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle wird die rekonstruierte Kreisgrabenanlage von Pömmelte als fünfter Standort in die Tourismusroute "Himmelswege" aufgenommen.

Die Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage habe - verglichen mit dem rund 2500 Jahre älteren ebenfalls rekonstruierten Sonnenobservatorium von Goseck - einen deutlich interpretativen Charakter. Dies gelte vor allem für die farbenfroh gestalteten und geschnitzten Verzierungen zahlreicher Pfosten und Stelen. Harald Meller, Chef des Landesmuseums in Halle, verweist auf nachweisbare Vorbilder aus vorgeschichtlicher Zeit, die Muster tragen und "mit Sicherheit bemalt waren".

Vorgeschichte war bunter
Anders als in der 2005 eröffneten Kreisgrabenanlage von Goseck sind in Zackmünde ein Großteil der Palisaden bunt verziert. Harald Meller sieht darin auch eine Veränderung bisher zurückhaltender wissenschaftlicher Haltungen.

"Wir haben uns dabei von Mustern der späten Glockenbecherkultur leiten lassen, die auf Gefäßen gefunden wurden", erklärt Dr. André Spatzier, der 2008 die Anlage ausgrub. Diese Epoche gilt als Übergang von der Jungstein- zur Bronzezeit. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch die Zackmünder Holzkreise farblich gefasst waren. Nachzuweisen sei das allerdings nicht, weil Holz aus jener Zeit längst verrottet ist.

"Die Vorgeschichte war sehr viel bunter, als wir es uns heute vorstellen können", ist André Spatzier sicher. Der Archäologe spricht bei der Zackmünder Kultstätte von einem "heiligen Ort mit einer hohen Dichte von Opfergaben". Neben der großen und kleineren Kreisgrabenanlage wurden auch Spuren menschlicher Siedlungen, menschliche Skelette sowie interessante Stein- und Keramikobjekte gefunden.

Zackmünde sei mindestens so wichtig wie Stonehenge, Hier habe man jeden einzelnen Pfostenstandort feststellen können, unterstreicht Harald Meller.

Zur Sommersonnenwende 2016 soll die Anlage der Öffentlichkeit mit Aussichtsturm und ordentlicher Zuwegung übergeben werden. So verspricht es Landtagsabgeordneter Gunnar Schellenberger (CDU), der das Projekt auf dem Weg brachte. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit dem Salzlandmuseum, wo bei Zackmünde gefundene Artefakte ausgestellt werden sollen.

Ein Problem mit den Folgekosten sieht Gunnar Schellenberger nicht. Dabei setzt er auf den Museumsförderverein, mit dem "gemeinsam eine Lösung gefunden werden soll".

   

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