In Plötzky hängt der Haussegen schief. Im Ort beschuldigen sich mehrere Gruppen gegenseitig, das jährliche Dorffest zu verhindern. Seit zwei Jahren herrscht Partystille. Und wird keine Lösung gefunden, ist auch 2012 Schluss mit lustig.

Plötzky l Die Partylaune ist den Plötzkyern inzwischen vergangen. Wieder sind Frühling, Sommer und der Frühherbst ins Land gegangen, ohne dass in der ostelbischen Kommune das so beliebte Heimatfest stattgefunden hat. Schon im Jahr 2010 war das Fest ins Wasser gefallen, nun in diesem Jahr erneut.

Bei der Suche nach Ursachen kocht die Plötzkyer Volksseele. Die einen werfen Ortsbürgermeister Untätigkeit vor, der wiederum bemängelt, dass finanzielle Mittel zu spät von der Stadtverwaltung freigegeben werden. Diese wiederum macht auf die Bundesimmissionsschutzverordnung aufmerksam, wonach ein gewisses Maß an Ruhe herrschen muss, wenn die Sonne untergegangen ist.

Doch was ist nun richtig? Zwei Bürger des Dorfes wandten sich in den vergangenen 14 Tagen an die Volksstimme und baten um Unterstützung. "Seit Jahren werden wir von unserem Bürgermeister Herrn Schmeißer hinsichtlich eines Dorffestes hingehalten", schreibt ein Leser in einer privaten Mail, die nicht veröffentlicht werden soll.

Schausteller schon früh vertraglich binden

"Ich halte hier niemanden hin", verteidigt sich Ortsbürgermeister Herbert Schmeißer im Gespräch mit der Volksstimme. Aus seiner Sicht sind es mehrere Gründe, warum in den vergangenen zwei Jahren keine Heimatfeste stattgefunden haben. So ist der Haushalt der Stadt Schönebeck immer so spät bestätigt worden, dass es unmöglich war, im Spätsommer noch Schausteller und Schankbetriebe zu finden. "Die muss man früher vertraglich binden. Aber ohne sicheren Haushalt können wir das nicht machen", erläutert Schmeißer.

Außerdem machten in der vergangenen Zeit andere Termine dem Heimatfest immer wieder einen Strich durch die Rechnung. So sollte die dorfeigene Kindertanzgruppe auftreten, die dann verhindert war. Ähnlich verhielt es sich mit dem Heimatverein, der just zum Zeitpunkt des Plötzkyer Heimatfestes einen Auftritt in einer anderen Rolandstadt hatte. "So ist das immer wieder ins Trudeln geraten", wirbt Schmeißer im Verständnis.

Das ist sicherlich richtig, aber nur die eine Seite der Medaille. Da sich die Plötzkyer mitten im Ort ihr Bürgerhaus hergerichtet und den davor befindlichen Platz zum Festplatz ausgebaut haben, ist das eigentlich ein idealer Ort - nur nicht, um bis mitten in die Nacht hinein Party zu machen.

Von dieser Gradwanderung kann Waldemar Liedicke, Ordnungsamtsleiter der Stadt Schönebeck, ein Lied singen. "Wir haben keine Wahl, die Zwänge sind uns vorgegeben", sagte er gestern zur Volksstimme. So stehen sich in Plötzky das in Deutschland hoch anzurechnende Individualrecht sowie das Engagement der Dorfgemeinschaft gegenüber.

Im Grunde geht es um Musik, welche die andere Seite als Lärm bezeichnet. Diese unterschiedliche Auffassung trifft auf dem Dorfplatz in Plötzky aufeinander. "Veranstaltungslärm wird in der Regel als störender wahrgenommen als beispielsweise Verkehrslärm", erläutert Waldemar Liedicke. Und da es nicht nach Gefühl geht, gilt in diesem Fall die Bundesimmissionsschutzverordnung. Diese schreibt genau vor, zu welchen Zeiten welche Dezibelzahlen an Lärm zugelassen sind.

Vorschlag: Sportplatz oder Wiese am Umflutkanal

Die Folge: Eine ausgelassene Party bis in die Nacht hinein mitten im Dorf ist fast unmöglich. "Das ist Recht der Anlieger, was wir beachten müssen", so Waldemar Liedicke. Er schlägt den Plötzkyern zwei andere Möglichkeiten vor: Nutzung des Sportplatzes mit Beschallungsrichtung Wald oder die Wiesen des Überflutkanals an der Salzer Straße. Doch der Ortsbürgermeister winkt ab: "Nicht machbar, kein Strom, keine Toiletten." So liegen die finanziellen Mittel für das Heimatfest von 2010 in Höhe von 2000 Euro und von diesem Jahr in gleicher Höhe weiter unberührt auf dem Stadtkonto.