Die Zustimmung ist groß. Knapp 77 Prozent der am 19. Oktober befragten 200 Schönebecker befürworten die freie KFZ-Kennzeichen-Wahl und wünschen sich das SBK für ihr Gefährt zurück. Die Ergebnisse der Umfrage sind gestern im Rathaus vorgestellt worden.

Von Ulrich Meinhard

Schönebeck l "Sehen Sie hier, das typische Lächeln." Professor Ralf Bochert hat im Kleinen Sitzungssaal des Schönebecker Rathauses den Beamer angeworfen und präsentiert die Ergebnisse seiner deutschlandweit vorgenommenen Umfragen. Es geht um die Wiedereinführung auslaufender KFZ-Kennzeichen wie etwa SBK für Schönebeck. Auf dem Foto ist eine Frau zu sehen, die mit glücklichem Gesichtsausdruck ein Auto-Kennzeichen betrachtet, dessen Buchstaben für ihren Heimatort stehen.

Bochert, der an der Hochschule Heilbronn Volkswirtschaftslehre und Tourismusmanagement lehrt, hat sein Forschungsprojekt "Heilbronnner Initiative Kennzeichenliberalisierung" genannt. Seine Studenten und er haben bis heute in 144 deutschen Städten Umfragen zum Thema durchgeführt (siehe heutige Titelseite).

In Schönebeck liegt die Zustimmung bei exakt 76,8 Prozent, das ist punktgenau das Sachsen-Anhalt-weite Ergebnis. Nur sieben Prozent stimmten mit Nein, 16,2 Prozent hatten keine Meinung. "Das sind oft Frauen, die alles, was mit dem Auto zu tun hat, ihrem Mann überlassen", erläuterte der Professor. Differenziert nach den Geschlechtern liegt der Zuspruch bei den Männern mit 79,7 Prozent etwas über den der Frauen mit 77,7 Prozent.

Zwar spiegele die Zahl von 200 Befragten keinen repräsentativen Querschnitt wider, sondern nur ein Stimmungsbild. "Ich lege aber meine Hand dafür ins Feuer, dass eine Mehrheit der Schönebecker für eine Kennzeichenliberalisierung ist", hob Bochert hervor. Fest macht er seine Überzeugung anhand der anderen Umfragewerte sowohl in Deutschland als auch im Salzlandkreis. 30000 Personen hat die Forschungsgruppe bis zum heutigen Tag mit ihrer Meinung dokumentiert, eine klare Mehrheit votiert mit Ja.

Beim Betrachten der Altersgruppen wird deutlich, dass das Thema - anders als erwartet - kein rein nostalgisches ist. So stimmten von den befragten 16- bis 30-Jährigen 81,3 Prozent pro SBK, bei den 31- bis 45-Jährigen liegt die Zustimmung nur bei 71 Prozent. "In dieser Altersgruppe sind viele Personen, die uns fragen, ob wir denn keine anderen Probleme haben, die abwinken mit dem Hinweis, sie müssten jetzt schnell ihr Kind vom Kindergarten abholen", berichtete Bochert von seinen Straßenerlebnissen.

Bei den Bewohnern des Altkreises Schönebeck liegt die Zustimmung bei immerhin noch 70 Prozent.

Anwesend waren gestern bei der Auswertung im Rathaus neben Pressesprecher Hans-Peter Wannewitz auch der Chef der CDU-Fraktion im Schönebecker Stadtrat, Torsten Pillat sowie Sven Ellert von der Wirtschaftsförderung. Beide Herren unterstützen die Initiative. Warum? "Weil SBK eine Identifikation mit der eigenen Stadt ermöglicht. Die drei Buchstaben sind eine Botschaft nach außen, dass man zu seiner Stadt steht", so Torsten Pillat.

Sven Ellert sieht die Angelegenheit mit den Augen eines Marketing-Mannes: "Eine interessante Herangehensweise, um allein mit dem Auto andere Menschen auf die eigene Region aufmerksam zu machen", ist er überzeugt.

Wie geht es nun weiter?

"Schönebeck kann es nicht allein entscheiden. Ich bin mir aber sicher, dass es eine Bundesratsmehrheit für die Liberalisierung gibt. Auch Versicherer und Kraftfahrtbundesamt sehen keine Probleme. Meines Wissens sollen die Länder am 1. April dem Bund vorlegen, was gewünscht ist", erklärte Bochert. Eine Entscheidung könnte nach seiner Schätzung im Herbst 2012 fallen. Er betonte, dass es dem Autofahrer nicht ans Portmonee gehe. Wer sein Fahrzeug neu zulasse, könne sich für SBK oder SLK entscheiden. (eigene Stimmabgabe: www.volksstimme.de/Kennzeichen)