Zu einer Abschlussveranstaltung des Bundesprogramms "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" für das Jahr 2011 hatte gestern die Gesellschaft BQI in das IGZ Inno-Life eingeladen. Zu den Gästen gehörte Landesinnenminister Holger Stahlknecht.

BadSalzelmen l "Klavier spielen kann ich ja, aber mit dem Trommeln habe ich es noch nicht versucht", sprach Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) und probierte sich kurz aus mit den Sticks in der Hand. Die hatten ihm die Kinder vom "Green Bike" e.V. kurzerhand ausgeliehen. Der Minister und der Trommlernachwuchs waren gestern Teil der Abschlussveranstaltung "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" im Schönebecker IGZ Inno-Life. Dabei handelt es sich um ein Bundesprogramm mit dem Ziel, junge Menschen über die Spielregeln in einer demokratischen und rechtsstaatlichen Grundordnung zu informieren und sie möglichst dafür zu begeistern. Kurz gesagt, soll der Wert der Menschenwürde vermittelt werden. Das Projekt ist Nachfolger des im Raum Schönebeck von 2007 bis 2010 gelaufenen Projektes "Vielfalt tut gut" und ist 2011 auch auf die Altkreise Bernburg und Aschersleben-Staßfurt ausgedehnt worden.

Träger des Projektes im Bereich Schönebeck ist die Beschäftigungsgesellschaft BQI, die auch zur Abschlussveranstaltung eingeladen hatte. Allerdings waren die Stuhlreihen größtenteils leer.

Zahlreiche Projekte sind unter den Überschriften "Vielfalt tut gut" und "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" in den vergangenen vier Jahren gelaufen. Minister Holger Stahlknecht zeigte sich besonders fasziniert vom "Weg des Grauens", einer diesjährigen Aktion der Sekundarschule Am Lerchenfeld zum Thema Deportation von Schönebecker Juden. "Das lässt Geschichte lebendig werden", lobte Stahlknecht die Idee und bekannte: "Mich hat das sehr beeindruckt." Projekte wie dieses bräuchte die Gesellschaft auch in Zukunft, "um Zukunft gestalten zu können". Leider gebe es nach wie vor dumpfe Extremisten, die nicht begreifen, was die Nationalsozialisten mit ihrer menschenverachtenden Ideologie dem deutschen Volk angetan haben. Mit Blick auf die leeren Stuhlreihen sagte Stahlknecht: "Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Gäste zu einer solchen Abschlussveranstaltung kommen." Heute will der Politiker im Landtag eine Regierungserklärung zum Thema Freiheit und Demokratie verlesen.

Die Mitarbeiterin des Jugendamtes im Salzlandkreis Kerstin Horn ließ das bisherige Geschehen der beiden Bundesprojekte Revue passieren. Sie ist auch die Leiterin der Koordinierungsstelle, unter deren Federführung die verschiedenen Aktionen vernetzt werden. "Wir können eine positive Bilanz ziehen" sagte Kerstin Horn. Rückblickend allein auf den Altkreis Schönebeck verwies sie von 2007 bis 2010 auf 41 Projekte mit rund 14000 Teilnehmern, veranstaltet von 13 Projektträgern. Als Beispiele nannte sie unter anderem das Projekt des Schönebecker Sportclubs (SSC) unter dem Motto "Come in - Wir bleiben am Ball", mit Infoveranstaltungen und Weiterbildungen für Übungsgruppenleiter zum Demokratieverständnis, mit Sport und Familienfesten.

Der Marktplatz der Vielfalt des Trägers Rückenwind e.V. sei inzwischen zur guten Tradition geworden.

Das Projekt der Deutschen Angestellten Akademie "Igel" (interkulturelle Erziehung in Kindergärten) soll künftig auch in Bernburg und Aschersleben-Staßfurt fortgesetzt werden.

Es sei in der Region Schönebeck gelungen, ein funktionales und einsatzfähiges Netzwerk zwischen den Kooperationspartnern zu etablieren. Mit den jährlich vom Bund zur Verfügung gestellten 100000 Euro konnten die Vorhaben umgesetzt werden.

Ab 2011 hatte sich mit dem Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" die Möglichkeit geboten, auch die Bereiche Bernburg und Aschersleben-Staßfurt ins Boot zu holen, wobei die Region Schönebeck quasi als Vorbild fungierte und zugleich mit im Programm berücksichtigt wurde. Für die Region Schönebeck waren ursprünglich 40000 Euro an Fördergeldern vorgesehen, auf Antrag sind aber noch einmal 25000 Euro bewilligt worden. Zu den in diesem Jahr realisierten Projekten gehört der "Kinderstadtplan Schönebeck, "Kids of play beim SSC" und der Stammtisch der Vielfalt (BQI). Wie geht es nun weiter?

Auf jeden Fall läuft das Bundesprojekt noch zwei weitere Jahre im Salzlandkreis. Allerdings sinken die Fördergelder deutlich: auf 30000 Euro in 2012 (für die Region Schönebeck) und 20000 im Jahr 2013. Prinzipiell bleibt die geschaffene Struktur erhalten, das heißt: Koordinierungsstelle plus Begleitausschuss. Zum letztgenannten Gremium gehören etwa die dort ehrenamtlich arbeitenden Sabine Blitz (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schönebeck), Martina Plathe (Integrationsbeauftragte des Salzlandkreises) und Frank Wedekind (Vorsitzender des SSC).

Auf die engagierte Arbeit des Begleitausschusses verwies Linda Dutschko vom Schönebecker Verein Rückenwind. "Diese Menschen geben uns die Kraft, als Träger weiter zu arbeiten", sagte sie.

Auch Ermute Köppe von der Schönebecker Stadtverwaltung gehört zu dieser Gruppe. Sie ließ gegenüber der Volksstimme keinen Zweifel: "Das war, was das Bundesprojekt betrifft, ein sehr erfolgreiches Jahr."