Vor einem Jahr startete der Verkehrsverbund Magdeburg und Region. Zehn Verkehrsunternehmen unterbreiten seitdem ein gemeinsames Angebot. Karl-Heinz Kaiser sprach mit marego-Geschäftsführer Bernd Adelmeyer über das erste Jahr und Perspektiven.

Volksstimme: Wenn Sie dem bisherigen Verlauf eine Note geben würden - würde sich die in der Skala im oberen, mittleren oder unteren Bereich befinden?

Bernd Adelmeyer: Unsere Bilanz hat eine positive Tendenz.

Volksstimme: Das ist nicht viel und eine Behauptung. Können Sie das an Zahlen, etwa an Fahrgastzahlen, festmachen?

Adelmeyer: Die liegen nur erst bis September vor. Alles vor Abschluss des gesamten Jahres würde ein falsches Bild vermitteln.

Volksstimme: Das sieht wie ein Ausweichen aus.

Adelmeyer: Das gesamte vierte Quartal kann noch nicht ins Kalkül gezogen werden, weil es noch nicht beendet ist. Man muss abwarten, gerade im Herbst/Winter nutzen viel mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber die bisherigen Erkenntnisse lassen meine vorherige Aussage zu - positiv.

Volksstimme: Den Start haben Sie mit einheitlichen Tickets und Tarifen vollzogen. Das hört sich sehr gut an. Wenn es nicht mit einer Verteuerung zusammenhängen würde ...

Adelmeyer: Sinkende Zuschüsse, höhere Aufwendungen wegen allgemeiner Kostensteigerungen erfordern leider auch unpopuläre Maßnahmen. Es war weitestgehend eine moderate Erhöhung, von Ausreißern abgesehen. Aber die besseren Angebote dafür sind doch aus unserer Sicht ein akzeptabler Gegenwert.

Volksstimme: Nennen Sie die noch mal!

Adelmeyer: Es handelt sich bei marego um einen Zusammenschluss von zehn Verkehrsunternehmen aus den Landkreisen Börde, Jerichower Land, Salzlandkreis sowie Magdeburg. Erschlossen werden 570 Quadratkilometer und 721118 Einwohner.

Volksstimme: Wie gut funktioniert die Abstimmung zwischen den Unternehmen?

Adelmeyer: Mit Start von marego wurde im ersten Schritt ein gemeinsamer Tarif eingeführt. Zukünftig soll es auch eine bessere Abstimmung zum Beispiel beim Fahrplanangebot und der Haltestellenbedienung geben.

Volksstimme: In Magdeburg fahren die Regionalbusse an wichtigen Haltestellen vorbei, warum?

Adelmeyer: Hierbei muss man die Interessen der Fahrgäste berücksichtigen, die aus der Region schnell in die Landeshauptstadt gelangen wollen. Würden die Regionalbusse überall halten, würde dies eine längere Fahrtzeit bedeuten. Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Auto würde abnehmen.

Volksstimme: Also führt kein Weg zu Veränderungen? Einmal eingetaktet, für immer festgeschrieben?

Adelmeyer: Das will ich damit nicht gesagt haben. Wir haben, das betone ich ausdrücklich, am 12. Dezember 2010 ein Startangebot vorgelegt. Wir sind inhaltlich damit nicht am Ende. Wir reagieren auf Vorschläge und Hinweise. Nur muss auch die Gesamtheit aller Verkehrsunternehmen berücksichtigt werden.

Volksstimme: Erforschen Sie die Stimmung unter den Fahrgästen?

Adelmeyer: Natürlich. Wir haben zum Beispiel im Herbst eine Telefonumfrage gestartet. Jeden Hinweis nehmen wir ernst. Und wir suchen dabei immer das persönliche Gespräch. Vieles klärt sich dabei. Wir schalten nicht auf stur.

Volksstimme: Was haben Sie denn schon verändert?

Adelmeyer: Wir offerieren seit kurzer Zeit für Jobticket- und Abo-Zeitkarteninhaber ein günstiges Carsharing-Angebot zusammen mit teilAuto Mitteldeutschland.

Volksstimme: Entscheiden Sie allein?

Adelmeyer: Nein. Entscheidungen werden von den beteiligten Verkehrsunternehmen getroffen. Darüber hinaus sind bei bestimmten Beschlüssen auch die Aufgabenträger - also die Landkreise und Magdeburg - einbezogen.

Volksstimme: Gibt es einen Fahrgastbeirat?

Adelmeyer: Nein. Aber wir werten alle Kundeneingaben aus und geben sie zur Diskussion in die Verbundgremien.

Volksstimme: Kritisiert wurde, dass bei der Abo-Monatskarte der Vermerk "übertragbar" entfallen ist. Der ist immer noch nicht wieder drauf. Warum nicht?

Adelmeyer: Wir haben reagiert, haben die Adresse weggenommen. Schwieriger ist es, den Satz "Lieber Finder, bitte Karte an mich zurücksenden. Sie ist nur auf meinen Namen gültig" zu streichen. Der ist auf dem Ticketrohling aufgebracht, so dass er aus Kostengründen kurzfristig nicht entfernt werden kann. Eine Abschaffung der Übertragbarkeit war nie im Gespräch.

Volksstimme: Was ist 2012 Neues von marego zu erwarten?

Adelmeyer: Grundsätzlich hat sich das Tarifsortiment bewährt. Mit größeren Änderungen wird nicht zu rechnen sein.

Volksstimme: Steht eine Preiserhöhung ins Haus?

Adelmeyer: Die Fahrpreise sind nun ein Jahr stabil geblieben, trotz stark gestiegener Kosten bei den beteiligten Unternehmen. Insofern kann ich derzeit nur sagen, dass sich kurzfristig bei den Fahrpreisen keine Änderung ergeben wird.