"Vorspiel" ist der Titel eines DEFA-Films, der 1987 in Schönebeck gedreht wurde. Was damals in der Elbestadt für Aufsehen sorgte, soll jetzt bei vier Vorführungen wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Dabei setzen die Macher auf Nostalgie pur.

Schönebeck l Eine riesen Disco im Kreiskulturhaus, "Kreml" genannt, oder auf Mopeds verkehrt durch die Einbahnstraße des Bahnbrückentals fahrende Jugendliche - Doris Rünzel und René Leue von der Weltrad manufactur haben ganz eigene Erinnerungen an das Jahr 1987. Damals drehte Regisseur Peter Kahane in Schönebeck den Film "Vorspiel", ein Streifen, in dem es um die erste Liebe geht. Die Elbestadt, im Film bleibt sie namenlos, bildet die Kulisse: die Macher bannten eine Milieustudie über junge Leute in der Provinz auf Zelluloid. Die Arbeiten zu der Produktion sorgten für Aufsehen in der Stadt. Immer wieder sah man das Team, Straßenzüge blieben gesperrt, Häuser und Schaufenster wurden aufgemöbelt. In den Schulen begab sich die Crew auf Statistensuche. René Leue war mit 14 Jahren noch zu jung. 16 Jahre waren für die Komparsen mindestens vorgeschrieben. Doris Rünzel hatte gerade angefangen zu arbeiten. Gemeinsam mit ihrer Freundin hatte sie sich beworben. "Ich hatte meine neuen pinken Schuhe am Drehtag an und eine großgeblümte Jacke", erinnert sich Doris Rünzel. Auffallen um jeden Preis war das Motto. "Vielleicht kommt man ja doch irgendwie im Film raus." Doch die Szene fiel dem Schnitt zum Opfer. Doris Rünzels Freundin ist allerdings zu sehen.

Die Erinnerung an die Drehzeit und der Stolz, so etwas in Schönebeck erlebt zu haben, motivierten Doris Rünzel, den Film für eine Wiederaufführung zu beschaffen. Als Veranstaltungsmanagerin bei Weltrad fand sie in der Firma und den Stadtwerken gute Partner für ihre Idee. Nachdem "Vorspiel" vor 15 Jahren schon einmal im Dr.-Tolberg-Saal gezeigt wurde, gibt es im Februar 2012 gleich vier Vorstellungen. Nach wie vor mit Seltenheitswert. Denn der Streifen ist nicht auf DVD zu haben, der Progress Filmverleih hat den Schönebecker "Vorspiel"-Vorführern exklusive Aufführungsrechte eingeräumt. "Sicherlich ist die Vorführung spannend für alle, die sehen wollen, was sich in schönebeck verändert hat", sagt Doris Rünzel. Man würde einen Schreck bekommen, wie die Stadt noch kurz vor der Wende ausgesehen habe. Auf der anderen Seite spielen viele Orte eine Rolle, das heutige Café Elbblick, die Scholl-Straße, Kreismuseum oder Elbufer. "Die Stadt in der wir heute leben, ist Bühne für den Film." Und viele Schönebecker waren Statisten. "Vielleicht nehmen Eltern ihre Kinder, Großeltern ihre Enkel mit zu einer Vorstellung, um ihnen die eigene ¿Schauspielkunyst\' zu präsentieren", lädt Doris Rünzel ein - eine Einladung, die sich aber auch an alle anderen richtet.