Warmherzigkeit hat in der Frohser St.-Laurentii-Kirche am Sonnabend geherrscht. Zahlreiche Gäste verfolgten in dem Gotteshaus das Krippenspiel "Die Wirtin von Bethlehem", das zehn Kinder und zwei Erwachsene aufführten.

Frohse l Jesus ist auf den Elbwiesen geboren. Eine Vorstellung, die erst einmal recht abwägig klingt. Am Sonnabend ist genau diese Neuigkeit in der Frohser St.-Laurentii-Kirche verkündet worden. Doch so überraschend diese Nachricht für das Publikum auch klang, so abweisend waren letztlich die Antworten für den berichtenden Weihnachtsengel. Keine Zeit und Sorgen wurden von den Gästen als Gründe genannt, die Jesu-Geburt nicht zu feiern. Der Weihnachtsengel war bereits traurig über diese Ignoranz, als sich schließlich zwei Frauen bereit erklärten, das zauberhafte Wesen zu begleiten.

"Dieses Anspiel ist ungewöhnlich", sagte dann Pfarrer Johannes Schulz i.R., als sich die heilige Kirchentür wieder geschlossen hatte. Er wollte damit den Bogen schließen zwischen dem historischen Ereignis und dem Heute. Dass er so den Geschmack seiner zahlreich erschienenen Gäste getroffen hat, zeigten allein schon die fröhlichen Gesichter. "Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen diese Nachricht tatsächlich verkündet würde", fragte er rhetorisch in die Runde. Eine Antwort wurde wohlweislich nicht abgewartet. Dafür begann das Krippenspiel mit dem Titel "Die Wirtin von Bethlehem". Ein Stück, das der Pfarrer i.R. extra für diesen Abend umgeschrieben hat.

"Wir zeigen jedes Jahr ein anderes", erklärt Johannes Schulz, der von 1991 bis 2008 als Pfarrer in Schönebeck tätig gewesen ist. Trotz Ruhestand organisiert er weiterhin den Heilig Abend in St. Laurentii. "Es gibt unzählige Krippenspiele, doch ich passe diese immer auf unsere Kirche und Kinder an", berichtet der Geistliche. Demnach sollen die Textpassagen zum auswendig Lernen für die jungen Darsteller nicht zu lang sein. "Außerdem haben wir in unserer Kirche nicht so viel Platz zum Agieren", nennt er einen weiteren Grund. Zum Nachteil gereichen diese Dinge dem Frohser Krippenspiel in jedem Fall nicht.

Die zehn Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 15 Jahren spielten ihre Rollen vorzüglich. Hingucker und der Lacher des Nachmittags war jedoch die Wirtin, gespielt von Yvette Meyer. "Ich habe die Hauptrolle und den Sprecher gezielt mit zwei Erwachsenen besetzt", erklärt Johannes Schulz. Und so war es die Wirtin, deren Gasthaus "Zum kleinen Lamm" voll ausgebucht ist und die sich endlich einmal vom Arbeitsalltag erholen will. Doch daraus wird in dieser Heiligen Nacht nichts.

Erst klopfen Josef und Maria an der Tür und werden in die Scheune verwiesen. Kaum hat sich die ruppige Frau hingelegt, stehen Hirten vor der Tür, wenige Minuten später sind es die drei Heiligen Könige, die der Dame den Schlaf rauben. Weil sie erst nur an sich und die erhoffte Ruhe denkt, bemerkt sie gar nicht, warum der hohe Besuch bei ihr vorbeischaut. Dass es dabei nicht lange bleibt, ist selbstverständlich. Am Ende bemerkt auch die barsche Frau, was sich in ihrer Scheune abspielt und sie beweist Herzenswärme.

Warmherzigkeit herrschte jedoch nicht nur auf der Bühne. Auch im voll besetzten Kirchenraum war dieses Gefühl fast greifbar. "Die Frohser Gemeinde zählt derzeit 80 Mitglieder", sagt Johannes Schulz. Wie auch in anderen Kirchen wird St. Laurentii an Weihnachten ebenso von Nicht-Gemeindemitgliedern aufgesucht. "Unsere Gemeinde ist eine verschworene kleine Schar, aber ich finde es schön, dass auch andere Frohsianer zu uns kommen", sagt Johannes Schulz, der am Heilig Abend in über 200 Gesichter blicken konnte.