Schönebeck l Weihnachten ist im ursprünglichen Sinn das Fest der Liebe. Doch in vielen Familien sorgen hohe Erwartungen an die besinnliche Zeit für Unstimmigkeiten, Stress und Streit. Nicht umsonst werden deutlich mehr Scheidungen nach den Weihnachtsfeiertagen eingereicht. Das kann Rechtsanwalt Olaf Droste bestätigen. Der Schönebecker Fachanwalt für Familienrecht verzeichnet zum Jahreswechsel deutlich mehr Scheidungsanträge als zu jeder anderen Zeit.

"Das ganze Jahr über werden die Beziehungsprobleme vor sich hergeschoben, bis es dann zum großen Krach und Streit kommt", erzählt Olaf Droste, was er aus seiner Tätigkeit seit 1998 in der Elbestadt erfahren hat. Sowohl das Wetter, bei dem man meist nicht so viel raus geht, als auch das umgangssprachlich bekannte Aufeinanderhocken würden seiner Meinung nach dazu führen, dass vor allem nach dem Weihnachtsfest statistisch gesehen die meisten Ehen beendet werden.

Grundsätzlich, so der Schönebecker, gebe es bei den Scheidungen die Tendenz dazu, dass diese nach Feiertagen eingereicht werden. "Komischerweise ist aber vor allem Weihnachten sozusagen der Spitzenreiter in dieser Liste", sagt der Rechtsanwalt, der seit 2007 zudem den Titel Fachanwalt für Familienrecht trägt.

"Das Schlussmachen an sich ist ein langer Prozess", sagt Droste. Im Wesentlichen staue sich vieles an, bis der Wunsch nach einem Neuanfang so groß sei, "dass der erste Schritt dafür die Scheidung ist". Deshalb komme dann ein Partner zu ihm und erhält die Vorberatung. Wie lange sich eine Scheidung letztlich hinzieht, hängt von den einzelnen Faktoren ab. "Grundsätzlich muss erst einmal das obligatorische Trennungsjahr absolviert werden", informiert Olaf Droste. Und dann gehe es um die Fragen der Vermögensteilung oder sind Kinder involviert? "Viel spielt hierbei auch mit rein, dass jeder Partner Recht behalten möchte", berichtet der Rechtsanwalt.

Eine sozusagen schnelle Scheidung könne innerhalb von drei Monaten erfolgen. "Gibt es aber rechtliche Probleme, zum Beispiel beim Thema Grundstück, so kann sich eine Scheidung über Jahre hinziehen", berichtet der Fachanwalt. Die Geldfrage sei eben meist ein wesentliches Thema. "Beide Seiten müssen sich im Klaren sein, dass sie finanzielle Folgen tragen müssen", klärt er auf. Unterhalt, Wohnung, Konto - im Fall einer Scheidung müssen sich die Partner nicht nur über alle Belange Gedanken machen, sondern auch miteinander übereinkommen.

Olaf Droste verhandelt im Jahr zwischen 50 und 100 Scheidungen. Das Einzugsgebiet, so der Schönebecker, erstrecke sich dabei auf ganz Sachsen-Anhalt. Als Gründe zählt er Gewalt und Alkohol, Eifersucht sowie Streit um Geld auf. Belastend für die Ehe sei zudem der Jobverlust und dass dadurch der Partner die finanzielle Hauptlast trage. "Da kann sich schnell ein Teufelskreis draus entwickeln", schätzt Droste ein, der seine Tätigkeit als lösungsorientiert benennt. Dass jetzt nach Weihnachten bei ihm vermutlich wieder mehr Scheidungen eingereicht werden, freut ihn im Übrigen nicht wirklich.

"Das wäre ja Schadenfreude", sagt er klar. Aus seiner langjährigen Tätigkeit kann er schließlich nur einen Tipp geben: "Oft herrscht bei den Paaren Sprachlosigkeit, sie sollten versuchen, miteinander zu reden und sich nicht nur Vorwürfe machen." Und wenn man noch an der Ehe und Beziehung hängt, so der Fachmann, sollten die Paare nicht davor zurückschrecken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn auch das gibt es: "Selten, aber es kommt vor, raufen sich die Paare nach einem ersten Vorgespräch bei mir wieder zusammen."