Seit gestern sind wieder die Sternsinger unterwegs. Die Mädchen und Jungen, die in Schönebeck den Segen Gottes bringen und Spenden sammeln, gehören zur hiesigen St. Mariengemeinde. Das bundesweite Motto lautet dieses Mal "Klopft an die Tür und pocht auf Rechte".

Schönebeck l Es glitzert ordentlich im Gemeinderaum der katholischen St. Mariengemeinde. Die Sternsinger haben an diesem Mittwochmorgen ihre Kostüme angelegt und ihre Kronen aufgesetzt. "Na, passt doch", sagt Christel Fleckenstein zu einem jungen Sternsinger, der noch eben frisch gewandet den Raum betritt. Jetzt warten alle auf die Dinge, die da - rein zeremoniell - noch kommen. Die Einsegnung durch Gemeindepfarrer Dr. Thomas Thorak gehört dazu. Schließlich soll die gesamte Aktion, die sogleich ein Nehmen und Geben beinhaltet, unter einem guten, unter einem gesegneten Stern stehen.

Außerdem müssen die Erwachsenen die Gruppenlisten erstellen. Wer geht mit wem? Welche Strecken zuerst? Die großen und die kleinen Sternsinger sollen sich mischen. Das ist gar nicht so leicht umzusetzen. Die verschiedenen Altersgruppen möchten ganz gern zusammen losziehen.

Christel Fleckenstein verteilt Liedzettel. Die Texte kennen die meisten der Mädchen und Jungen aber längst. Später, auf der Straße, wollen sie mit ihrem Gesang den Menschen so manche milde Gabe entlocken und ihre Zuhörer natürlich auch erfreuen.

"Wie die Apostel sind wir Gottes Friedensboten", klingt es aus vielfachem Mund. In dem Lied heißt es auch: "Hilfe werden wir für viele Kinder bringen, dass sie unsre Welt in einem neuen Lichte sehen". "Das klingt sehr gut", lobt Christel Fleckenstein, die heute für die verhinderte Gemeinde- referentin Maria Scherbaum eingesprungen ist, um die Kinder und Jugendlichen in Empfang zu nehmen und einzukleiden.

Pfarrer Thorak betritt den Raum und begrüßt jeden Einzelnen mit Handschlag. Gegenüber der Volksstimme erklärt er, unter welchem Motto die Sternsingeraktion steht. "Klopft an Türen und pocht auf Rechte", nennt er das Motto. Das mittelamerikanische Nicaragua, sagt Thorak, sei in diesem Jahr Beispielland. Er hebt hervor, dass seine Sternsinger jeweils mit einem Erwachsenen unterwegs sind. Die Begleitperson trage einen Ausweis der Pfarrei bei sich. Wer da eventuell sonst noch singe, tue das allenfalls für sich selbst.

Schließlich zieht die Sternsinger-Schar hinüber in die helle, wunderschön sanierte Marienkirche. Zur Einsegnung gehört ein Gottesdienst. "Wir feiern heute das Fest der unschuldigen Kinder", sagt Pfarrer Thorak an die Jüngsten seiner Gemeinde gewandt. Es soll an den Mord von hunderten Kindern erinnern, die laut Neuem Testament auf Befehl des Königs Herodes vor 2000 Jahren umgebracht worden sind.

"Die Mächtigen", sagt der Geistliche, "haben Angst. Sie haben Angst vor einem Kind." In dem Fall hat das dem grausamen Herodes-Befehl entkommene Kind die ganze Welt verändert. Thorak schlägt vor: "Ihr müsst das mal beobachten, wenn Erwachsene in einen Kinderwagen schauen. Sie können dann gar nicht mehr böse sein. Sie können sich vor diesem Kind ganz klein machen. Sie knien sich sogar hin."

Zur Motivation der Schönebecker Sternsinger hat er folgenden Vergleich parat: "Ihr seid zu Weihnachten beschenkt worden. Jetzt geht ihr los und bittet für Kinder in der armen Welt. Das ist Euer Geschenk an sie." Und wenn mal jemand nichts geben mag oder sogar abweisend reagiere, dann sollten es die Sternsinger nicht persönlich nehmen.

Dann hebt der Pfarrer segnend die Hände und entlässt seine Schützlinge in die Welt außerhalb der Kirche. Die Straßen Schönebecks gehören nun bis zum 6. Januar den Sternsingern.

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