Während schon einige Bördeländer mit hoher Geschwindigkeit durch das Internet surfen können, warten andere noch immer auf ihren neuen Anschluss. Dieter Pietschker aus Biere hat nun obendrein keinen Festnetzanschluss mehr.

Biere l Schon im September 2010 informierten Vertreter der Mitteldeutschen Gesellschaft für Kommunikation (MDDSL), die im Rahmen der Breitbandinitiative des Landes in Bördeland den Zuschlag erhielt, in Bürgerversammlungen in Biere über ihr Vorhaben. Dabei sollten unterversorgte Bereiche, die noch nicht über eine Geschwindigkeit von 2000 Kbit pro Sekunde verfügen, an das Breitbandnetz angeschlossen werden. "Dabei wurde angekündigt, dass die ersten Anschlüsse für September, spätestens Oktober 2011 geschaltet werden können", sagt Dieter Pietschker, der vor einigen Jahren von Magdeburg nach Biere zog und viel im Internet unterwegs ist. "Ich war vorher schon bei vielen Anbietern, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt."

Rückblick: Da damals von MDDSL angeraten wurde, den bestehenden Anschluss wegen der eventuell gewünschten Nummernportierung (Nummernmitnahme) auf keinen Fall selbst zu kündigen, ließ er sich in froher Hoffnung auf schnelles Internet auf die Firmenliste setzen. Am 30. August 2011 erhielt er schließlich Post von MDDSL. Daraufhin wurde der verbindliche Vertrag abgeschlossen. "Da mein Altvertrag bei der Telekom zum 28. November ablief, nahm ich nach Kommunikationsstille mit MDDSL mehrfach telefonisch Kontakt auf", sagt Pietschker. Dabei sehr er ständig vertröstet worden, Geschäftsführer Andreas Riedel sei grundsätzlich nie zu erreichen gewesen. Der Bierer machte sich 25. Oktober selbst auf den Weg, da die Zeit wegen des auslaufenden Anschlusses drängte.

Beim Gespräch in den Magdeburger Geschäftsräumen sei ihm zugesichert worden, dass sein Anschluss bis zum 28. November realisiert werden könne. "Allerdings müsste ich aus Zeitgründen die Kündigung nun doch selbst durchführen und auf die Nummernmitnahme verzichten", erinnert sich Pietschker. Bis heute hat er keinen neuen Anschluss und damit kein Internet und Telefon. In diversen Handytelefonaten mit MDDSL konnte er keine befriedigende Auskunft bekommen.

"Derzeit liegen bei uns 3500 Anträge vor. In allen neuen Gebieten von der Oberen Aller bis Burg und von Barleben bis Staßfurt haben wir in den vergangenen sechs Wochen 450 Kunden an das neue Netz angeschlossen", sagt MDDSL-Geschäftsführer Andreas Riedel.

"Wir würden uns natürlich auch freuen, wenn schneller angeschlossen würde, schließlich ist es ja auch unser Geld, doch wir sind von der Deutschen Telekom AG abhängig. Sie gibt uns die Anschlusstermine." Täglich würden über 30 Anträge an die Telekom gesandt zur Bestellung einer sogenannten Teilnehmeranschlussleitung, quasi dem "letzten Meter" bis zur Steckdose des Kunden.

"Aufgrund von Urlaubszeit und Überlastung haben wir teilweise einen Rückstau von mehr als sechs Wochen", erklärt Riedel. Die Portierungstermine (Telefonnummer mitnehmen) hängen vom derzeitigen Provider ab und sind von MDDSL nicht beeinflussbar. Wann genau Dieter Pietschker und weitere verärgerte Bierer den Zugang zum schnellen Internet erhalten, könne er nicht sagen. "Die Zeit drängt. Im Januar fängt meine Frau einen neuen Job an, bei dem sie das Internet zu Hause unbedingt braucht", sagt Dieter Pietschker.