Heute ist Silvester und in Schönebeck wird an allen Ecken gefeiert. Doch es gibt auch Menschen, die arbeiten müssen. Die Volksstimme fragte nach, wie Polizisten, Kranken- und Altenpfleger, Tankstellenwarte und Taxifahrer Silvester verbringen.

Schönebeck l "An Silvester ist die Hölle los." Jens Goerke ist Taxifahrer in Schönebeck. Für seine Zunft ist der Jahreswechsel wohl einer der härtesten Arbeitstage. "Wir fangen um 18 Uhr an. Da wollen die Leute zu den Feiern gebracht werden. Dann ist ab 21 Uhr eine Ruhephase und kurz nach 0 Uhr geht es dann wieder los", erklärt Goerke die ihm bevorstehende Schicht. "An Neujahr fahren die Kollegen noch bis in die Mittagsstunden." Dies kann der Schönebecker so gut abschätzen, da fast alle Silvesterfahrten vorbestellt sind. "Ich erhalte immer noch Anfragen wegen Reservierungen, aber da muss ich enttäuschen: Die sollte man Ende November machen. Wir sind völlig ausgebucht," sagt der Taxifahrer. Fahrgäste müssten in der Silvesternacht auf gut Glück anrufen. Vielleicht würde es gerade passen und man könne sie dazwischen schieben.

Den ersten Tag im neuen Jahr verbringen die Taxifahrer dann meist schlafend, meint Goerke. Wird also gar nicht gefeiert? "Doch, in der Ruhephase treffe ich mich mit meinen Kollegen auf einen Kaffee. So stoßen wir dann an - natürlich, sofern keine Fahrt reinkommt."

Polizeibeamter Lutz Maser hat in diesem Jahr zwar keinen Silvesterdienst. Aber nach mehr als 25 Jahren Berufserfahrung kann er einiges darüber berichten. "Wir versüßen uns diese Schicht meist mit Heringssalat oder Kartoffelsalat und Würstchen", erzählt der Kontaktbeamte im Revierkommissariat Schönebeck. "Den bringen entweder die Frauen mit, die Dienst haben, oder unsere Ehefrauen." Nach der Einweisung zum Schichtbeginn um 18 Uhr setzen sich die Kollegen kurz zum Schlemmen zusammen, bevor die ersten ausschwärmen - natürlich nur, wenn noch kein Einsatz ansteht.

Geschmückt wird das Revier übrigens nicht. "Wir sind schließlich nicht im Dienst, um mit Konfetti herumzuschmeißen, sondern um zu arbeiten", sagt Maser und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Außerdem denken wir da auch an unsere Putzfrauen." Ob es ihm überhaupt etwas ausmacht, an Silvester zu arbeiten? "Familiär gesehen ist diese Schicht natürlich nicht so toll. Aber sie ist notwendig", sagt Maser. "Außerdem arbeitet meine Frau als OP-Schwester im Krankenhaus. Da hat sie manchmal auch an Silvester Dienst." Und mit leckerem Heringssalat macht es doch gleich noch mehr Spaß.

Und woran merken die Krankenschwestern im Schönebecker Klinikum, dass heute Silvester ist? "Wir merken das gar nicht. Auch dieser Tag ist Routine für uns", winkt Schwester Sibylle ab. An Wochen- und an Feiertagen ändere sich praktisch nichts an den Abläufen auf der Station. Da sei schon ein Unterschied zu früheren Jahren erkennbar. Locker-flockig mit Hütchen auf dem Kopf sei nicht mehr drin. Was hat sich geändert? "Der Arbeitsaufwand hat deutlich zugenommen", erklärt die Schwester. Die Patienten, führt sie aus, seien anspruchsvoller geworden. "Dem wollen wir natürlich gerecht werden." Die Patienten auf der Station würden schon eher merken, dass Silvester ist. Jeder, der heute auf Station sei, bekomme ein Glas Sekt zum Jahreswechsel. Und die Schwestern stoßen dann mit den Patienten an? "Für uns ist Alkohol tabu. Das wäre ein Abmahnungsgrund. Wir gönnen uns eine Tasse Kaffee."

Natürlich wird Silvester im Altenpflegeheim Burghof der Diakonie ebenfalls alkoholfrei verbracht. Im Haus Elisabeth arbeiten Heike Müller und Karin Schultz. "Die Nachtschicht geht von 22 bis 6 Uhr früh. Die haben wir beide dieses Jahr nicht", berichten die Altenpflegerinnen. "Aber ich rufe die arbeitenden Kolleginnen um 0 Uhr an. Wir denken immer aneinander", sagt Heike Müller. Gefeiert wird im Pflegeheim nicht. Dafür sind die Gewohnheiten der Bewohner zu unterschiedlich. Die einen schlafen, die anderen gucken Musiksendungen und wieder anderen sei nicht bewusst, dass Silvester ist. Karin Schmitz erzählt: "Bei einigen Bewohnern wissen wir genau, dass sie um 0 Uhr anstoßen wollen. Dann gibt es auch mal alkoholfreien Sekt." Und die Pfleger? Heike Müller berichtet aus Erfahrung: "Das Team trifft sich meist im Gemeinschaftsraum und isst gemeinsam - jeder bringt etwas mit, so ist es ein nettes Zusammensein. Manchmal gehen wir auch um Mitternacht zum Feuerwerk gucken auf den Balkon. Dabei achten wir allerdings immer auf die Bewohner - falls jemand klingelt."

Vom Feuerwerk an Silvester bekommen die Mitarbeiter der Tankstelle Greenline nur wenig mit. "Im Bereich der Tankstelle ist es generell verboten Feuerwerkskörper zu zünden. Das wissen die Leute aber", sagt Edyta Daniel. Sie arbeitet seit vier Jahren an der Tankstelle. An diesem Wochenende hat sie die Frühschicht an Neujahr. Das bedeutet um sechs Uhr anfangen. Ob sie daher privat überhaupt feiert? "Aber natürlich! Das muss sein. Wenig Schlaf und noch weniger Alkohol. Dann geht das", meint Edyta Daniel lächelnd. Und wie sieht es zum Jahreswechsel in der Tankstelle aus? "Die Kollegen sind nicht allein, sondern immer zu zweit, an Wochenenden und Feiertagen sowieso." Der Verkaufsraum sei zu Silvester gut besucht. Zwischen 22 und 1 Uhr können die Mitarbeiter ein bißchen Luft holen. "Aber morgens in der Frühschicht geht es hier zu wie beim Bäcker", weiß Edyta Daniel. Na dann, guten Rutsch!

   

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