Mitten im Umbau befindet sich das Salzlandmuseum. Noch in diesem Jahr könnte der Vorderbau fertiggestellt werden. Dann können Besucher in die Welt des Salzes und Kurwesen eintauchen.

Schönebeck l Neugierig wie kleine Kinder schauen Sven Schumann und Rüdiger Radicke in eine mannsgroße Holzwanne. Darin baden wollen beide nicht. Davon einmal abgesehen, dass dieses historische Badeutensil, das aus dem 19. Jahrhundert stammt, vermutlich das eingelassene Wasser auf direktem Wege wieder durch seine undichten Stellen herauslässt. "Diese Wanne haben wir vom Solepark bekommen", sagt Rüdiger Radicke, Leiter des Salzlandmuseums. Auch wenn die Wanne praktisch nicht zu verwenden ist, so hat sie für den Historiker Radicke trotzdem einen großen Wert. So groß, dass das Planschbecken einen Platz in der Dauerausstellung des Salzlandmuseums sicher hat. Vorerst wird die Wanne jedoch an seinem unliebsamen Ort im Flur bleiben müssen. Denn seit fast einem Jahr befindet sich die Kreis-Bildungseinrichtung im Umbau. Das Salzlandmuseum wird komplett umgekrempelt, und das während der normalen Öffnungszeiten.

"Baulärm gehört im Salzlandmuseum inzwischen zum Tagesgeschäft", sagt Sven Schumann, Vorsitzender des Fördervereins. Gemeinsam mit dem Museumsleiter führt er die Volksstimme durch die kreiseigene Einrichtung. Schnell zeigt sich, das sich schon einiges getan hat. "Als erstes werden unsere Gäste durch die Salzglocke kommen", beginnt Radicke den Rundgang. Im Maßstab eins zu zwei ist dieses Reha-Instrument, das in Schönebeck bis in die 1970er Jahre angeboten wurde, nachgebaut. Durch den 9,15 Meter hohen Raum gelangen die Museumsbesucher in einen langen Flur, der das Kurwesen darstellt.

"Wir hatten in Bernburg, Aschersleben und auch Staßfurt das Kurwesen", begründet Rüdiger Radicke. Der Flur, dessen Wände mit riesigen Bildern vom Salzturm, Lindenbad und Kurhaus gestaltet wird, beinhaltet außerdem eine Allee mit "täuschend echten Bäumen", informiert Sven Schumann. Darin werden digitale Bilderrahmen hängen, die einen Vergleich mit früher ermöglichen. "Ein Apothekerschrank wird zudem in diesem Bereich ein Erlebnis zum Anfassen bieten", sagt der Vereinsvorsitzende und ergänzt, dass auch der Kreisgrabenanlage bei Pömmelte ein Raum gewidmet wird.

Derweil noch fest verschlossen ist die Tür zum Multi-Media-Raum, den die Salzlandsparkasse sponsert. Offiziell eingeweiht wird er im März.

Mehr zu sehen gibt es da in der oberen Etage. Während im Elbia-Zimmer, der einstigen Bauernstube, gerade neues Parkett verlegt wird, zeigt Rüdiger Radicke, wo bald die Salzgeschichte ab dem Mittelalter zu sehen sein wird. "Hier werden wir ein Siedehaus andeuten", kündigt er an. Insgesamt sollen Museumsbesucher hier die Salzförderung und -siedung kennenlernen. Ebenfalls werden die Pfänner einen gebührenden Platz bekommen genauso wie die Gewerke, die in unmittelbarer Verbindung zum Salz stehen, wie zum Beispiel die Korbflechter und Munitionshersteller.

Schaut man Rüdiger Radicke beim Rundgang genau ins Gesicht, so ist das Strahlen in seinen Augen zu erkennen. Er ist mitten in seinem Metier. "Die Preußische Saline, die 1702 gegründet wurde, werden wir auch in Form eines Gradierwerkes zeigen", sagt er und zählt außerdem ein Modell vom Schacht auf genauso wie er sich schon jetzt auf ein Gemälde von 1770 freut, dass die Saline in Schönebeck darstellt.

"Also die Texte und Gegenstände stehen schon fest", fasst Radicke den Stand der Dinge zusammen. Geplant ist, dass das Vorderhaus noch in diesem Jahr fertig umgebaut wird. Obwohl es nach dem Willen des Fördervereins schneller vorwärts gehen könnte. Das Problem ist - wie sollte es auch anders sein - das Geld. "Wir beantragen Fördergelder aus verschiedenen Töpfen, doch wir erhalten nicht die Menge, die tatsächlich notwendig ist", versucht Sven Schumann es diplomatisch auszudrücken. "Dadurch müssen wir improvisieren und dadurch passieren eben auch mal Fehler", erklärt der Vereinsvorsitzende. Entmutigen lassen sich die rund 100 Ehrenamtlichen jedoch nicht.

Stattdessen konzentrieren sich auf ihr Vorhaben. Das beinhaltet nämlich auch, dass der hintere Museumsbau in ein Schiffsdeck verwandelt wird. "Das wird raffiniert gestaltet sein", verrät Radicke nicht viel. Nur eines steht fest: "Wir wollen das Museum interessant machen, damit auch die Schönebecker selbst wieder hier her finden", sagt Sven Schumann.

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