Die Geschichte erlebbar und die Institution Museum nahbar machen - das sind die Anliegen der Museumsnächte im Salzlandmuseum. In diesem Jahr mit einer Premiere: Der neue Multimediaraum lässt einfach nichts mehr "unbegreiflich" sein.

Schönebeck l Besucher stehen auf einer Markierung am Boden vor einer riesigen, leicht gebogenen Wand. Mit der Hand greifen sie ins Leere - und erreichen doch viel. Denn sie können so im neuen Multimediaangebot von einem Menüpunkt zum nächsten springen: Der Nutzer steuert die Inhalte, völlig berührungslos. Es gibt Informationen über das Museum, über den Kreis, über die Geschichte seiner vier großen Städte, über das Salz, über Typisches, Schulen, Tourismus, Wirtschaft und Kultur. Mehr als vier Stunden Material könnten sich die Museumsbesucher am Stück ansehen.

"Die Museumsnacht will den Aha-Effekt, nicht den erhobenen Zeigefinger"

Nicole Lüdecke, Förderverein des Salzlandmuseums

Doch fertig ist die multimediale Präsentation längst nicht. "Wir verstehen die Eröffnung des Raums als Startpunkt", sagt Nicole Lüdecke vom Förderverein des Kreismuseums. Dessen rund 25 Mitglieder um den Vorsitzenden Sven Schumann richten die jährliche Museumsnacht aus. Zusammen mit einem kleinen Redaktionsteam hat Nicole Lüdecke die Präsentation inhaltlich vorbereitet. Der IT-Spezialist Ray Behringer übernahm die Programmierung und technische Einrichtung. Ein Dreivierteljahr habe das alles gedauert, sagt Nicole Lüdecke.

Die Herausforderung sei die Systematisierung gewesen. "Wir haben relativ schnell bemerkt, dass wir Kategorien benötigen, um die Inhalte zu ordnen." Und der Zustand soll weiter wachsen. "Wir wollen Interessierten die Möglichkeit gegen, sich einzubringen und in der Präsentation darzustellen."

Echt interaktiv also. Diejenigen, die sich das Museum gern ansehen, sich mit dem Haus verbunden fühlen, sollen ein Teil davon werden.

Als echt interaktiv kann so auch die Museumsnacht bezeichnet werden. Die Hemmschwelle Museumstür, die gibt es für den Verein nicht. "Das Konzept war von Anfang an, Kultur mit Unterhaltung zu verbinden - das Museum und ein Gläschen Wein dazu", sagt Nicole Lüdecke und schmunzelt. Museum und Bildung solle nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und belehrend erfahrbar sein, sondern der Verein ziele mit den Nächten an historischer Stätte auf den Aha-Effekt. "Räume und Gänge, alles steht offen, dazu erleben die Leute ein Programm. Sie sollen sich wohlfühlen und gern wiederkommen." Die Erfahrung zeige, dass viele sich nach einem solchen Abend angesprochen fühlen, die Mitarbeit oder gar die Mitgliedschaft im Förderverein suchen würden.

Außerdem fänden sich, so Nicole Lüdecke, immer viele Partner für das Programm. Eine echte Bereicherung sei der Trachtenverein, dessen Mitglieder in historischen Kostümen bei den Besuchern Aufsehen erregen. In diesem Jahr waren es auch Ingo Hetsch und Wolfgang Strasburg mit einem Programm jiddischer Kunst, die Kinder aus der christlichen Schule Gnadau mit Schwarzlichttheater, eine Band oder ein Feuerkünstler aus Bernburg.

"Der Multimediaraum ist das Ergebnis guter Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Ehrenamt"

Sven Schumann, Förderverein des Salzlandmuseums

Und wie nebenbei könne der Förderverein während der Museumsnacht auf seine Arbeit und seine Erfolge hinweisen. Seien es renovierte Flure, neue Fenster, das fertige Ratsherrenzimmer als Ausstellungsraum oder der moderne Multimediaraum. Dessen Einrichtung hat in großen Teilen die Salzlandsparkasse bezahlt. Doch die Planungen laufen seit zwei Jahren. Der Museumsförderverein hat den Raum baulich hergerichtet. Dafür musste, wie Fördervereinschef Sven Schumann berichtet, der Mammutstoßzahn umziehen. Sicherlich auch ein bisschen Symbol dafür, dass Museumspädagogik heute mehr ist, und dass das Haus nach dem Willen des Verwaltung in Bernburg ein Ort der kulturellen Bildung im Salzlandkreis sein soll.

Sven Schumann zumindest ist froh, dass die große Etappe Multimediaraum vollbracht ist. "Die Einweihung ist das Ergebnis guter Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Ehrenamt. Alle haben ihren Anteil geleistet, der Kreis, die Stadt, Sponsoringunternehmen und der Förderverein."

Als nächstes plant der Förderverein am 5. Mai das Pfännerfest im Salzlandmuseum. Mehr Bilder von der Museumsnacht unter www.volksstimme.de/schoenebeck.

 

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