Mitten in der Restauration befindet sich die St.-Lukas-Kirche in Ranies. Die Deckenbemalung ist fast gerettet. Noch in diesem Jahr soll der zweite Bauabschnitt mit Empore, Wand, Fußboden und Fenster beginnen. Es fehlen nur noch die nötigen Spenden für die Eigenmittel.

Ranies l Seit einem Jahr nun schon wird die Ranieser St.-Lukas-Kirche saniert. Es hat sich einiges getan. Von außen ist davon nichts zu erkennen. Umso mehr aber im Inneren. Hier stehen Gerüste, die Bänke sind längst raus, die Wände sind freigelegt. "Den ersten Bauabschnitt werden wir in diesem Jahr noch abschließen", sagt Pfarrer Andreas Holtz. Er ist zufrieden mit dem Fortschritt, bedenkt man, dass Gemeinde und Ehrenamtliche gemeinsam mit dem Pfarrer das Projekt nebenbei schultern.

"Etwas zurückgeworfen hat uns die Überraschung mit der Nordwand", erklärt Holtz. Zusätzlich zum bereits eng gestrickten Programm war der Abfang der Wand hinzugekommen. "Die Mauerarbeiten müssen erst austrocknen, bevor wir dann weiter machen können", sagt der Pfarrer.

Derweil wird an anderer Stelle derzeit viel gearbeitet. Nämlich an der Decke. Seit März sind hier die freiberuflichen Restaurateure Susanne Gerlach und Eckhard Lemke aktiv. Über Kopf zeichnen sie Pinselstrich für Pinselstrich die Bilder der einmaligen Deckenbemalung nach. Ihre Aufgabe: das Konservieren.

Die Sankt-Lukas-Kirche ist zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges erbaut worden. Aus dieser Ära stammt auch die Deckenbemalung, sind sich die Ranieser sicher. "Man muss schon Mut haben, in dieser Zeit der Angst und des Kampfes ein solches Bildwerk zu schaffen", schwärmt Holtz. Um so wichtiger ist es, dass dieses Kunstwerk erhalten wird.

Deshalb sind Susanne Gerlach und Eckhard Lemke täglich in der Lukas-Kirche. Da die einzelnen Bilder direkt an die Decke gemalt sind, müssen sie wohl oder übel über Kopf arbeiten. Mit einer kleinen Farbpalette und einem zarten Pinsel sitzen sie auf dem Gerüst und arbeiten sich langsam von einem Bild zum anderen.

"Man sieht auf den ersten Blick nicht, dass wir schon die Hälfte der Decke restauriert haben", sagt Eckhard Lemke. Das liegt aber nicht etwa an schlechter Arbeit. Im Gegenteil. Das ist ein Zeichen, das für die heutige Qualität spricht. "Früher hat man die Bilder versucht, mit der gleichen Farbe nachzumalen", erklärt er. Dabei entstehen aber mitunter neue Bilder. Deshalb sei man in der Moderne von dieser Technik abgekommen.

"Wir bewahren, statt zu retuschieren", verdeutlicht der Restaurateur. Demnach arbeiten die beiden nur mit einer kleinen Farbpalette. "Das Gemalte gleichen wir optisch vom Helligkeitswert an", erläutert er und fügt hinzu: "Wir tönen die Bilder mit Schmutzfarbe an."

Früher, so Lemke, habe man die Farben direkt nachgemischt. Die Folge? "Man sieht trotzdem den Unterschied." Daraus habe man in Fachkreisen gelernt. Deshalb werden die Bilder versucht, so zu erhalten wie sie sind. Droht etwas abzublättern, wird es wieder mit einem Kleber befestigt. Ansonsten gelangt keine neue Farbe, kein neuer Pinselstrich an das jahrhundertealte Kunstwerk.

"Eine gute Restaurierung sieht man nicht", betont Lemke deshalb. Und das stimmt auch. Sieht man an die Decke, so ist für den Laien kein Unterschied zu vorher erkennbar. Nur der direkte Vergleich macht es möglich. Doch der ist nicht mehr lange möglich, denn in den kommenden Tagen werden die beiden Restaurateure die Deckenbemalung abgeschlossen haben.

"Man sieht schon, dass die Decke in einem besonders weichen Licht wieder sichtbar ist", schätzt Pfarrer Andreas Holtz ein. "Das erfreut mich." Spannend für ihn ist außerdem, dass erst mit der Restaurierung zwei Kennzeichnungen ans Tageslicht gelangt sind. "Wir wussten vorher schon, dass die Zahl 1629, als die Decke ausgemalt wurde, hier hinterlegt ist", erklärt er. Aber jetzt habe man entdeckt, dass sie sogar insgesamt dreimal in der Kirche vorhanden ist. Zweimal in römischen und einmal in arabischen Zahlen. Damit ist aber eine Frage immer noch nicht geklärt, mit der sich Andreas Holtz auseinandersetzt. "War der Inhalt des Auftragswerkes vorgegeben?"

Hauptaugenmerk liegt jetzt aber nicht auf diesem theoretischen Problem. Wichtiger ist für den Pfarrer momentan, die Finanzierung des zweiten Bauabschnittes zu stemmen, damit direkt im Anschluss an den ersten nun die Empore, Wände, Fußboden und Fenster saniert werden können.

Rund 80000 Euro sind es, die insgesamt für den zweiten Abschnitt nötig sind. Während der Kirchenkreis Elbe-Fläming seine Unterstützung zugesagt habe und die Fördermittel, deren Bestätigung noch aussteht, bereits eingerechnet sind, fehlen des Weiteren noch rund 10000 Euro Spendengelder. "Die benötigen wir für unseren Eigenanteil in Höhe von 50000 Euro", rechnet der Pfarrer vor. Für den ersten Bauabschnitt seien viele Einzel- und Großspenden eingegangen. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt er. Gerade viele Ranieser, so der Pfarrer, hätten in den vergangenen Monaten viel gespendet. Jedoch sei eine ähnliche Unterstützung nun erneut nötig.

Er verdeutlicht, dass alle bereits gespendeten Gelder, auch wenn die Quittung auf Kirchspiel St. Thomas Pretzien lautet, fließen in die Rekonstruktion der Ranieser Kirche. Spenden sind möglich auf das Konto: 511002645 bei der Sparkasse Jerichower Land (Bankleitzahl 81054000), Verwendungszweck "Lukas-Kirche Ranies".

Bis Mai 2013 soll die Kirche fertig restauriert sein. Denn dann hat sich Pfarrer Holtz ein großes Ziel gesetzt. "Wir wollen 2013 die Konfirmation des Pfarrbereiches in Ranies, in der St.-Lukas-Kirche feiern", kündigt er an. Das passe insofern gut, da zwei Mädchen aus dem ostelbischen Ortsteil konfirmiert werden. "Ich hoffe, dass die Kirche sich dann in einem sanierten Grundzustand befindet", sagt Pfarrer Andreas Holtz zuversichtlich.