Die Ära Schönebecks als Standort der Traktorenproduktion scheint wieder ein Ende zu haben. Zum 1. Juni musste die Mali Spezialfahrzeugbau GmbH Insolvenz anmelden. Sie hatte seit 2003 die einstige Geschichte der Elbestadt wieder aufleben lassen.

Schönebeck l So schön sie 2003 begonnen hat, die Geschichte der Mali Spezialfahrzeugbau GmbH in Schönebeck, so traurig ist sie in diesem Jahr wieder zu Ende gegangen. Zum 1. Juni hat Geschäftsführer Thomas Richter für den Traktorenhersteller Insolvenz anmelden müssen. Der Betrieb ist eingestellt, alle 15 Mitarbeiter mussten ihren Arbeitsplatz räumen und ein Insolvenzverwalter wurde eingesetzt.

"Wir führen derzeit aussichtsreiche Gespräche", sagt Nancy Wolter von der als Insolvenzverwalter beauftragten Kanzlei "Flöther Wissing Rechtsanwälte". In acht Wochen könnte man mit einer Lösung rechnen, informiert sie auf Volksstimme-Nachfrage. Der mögliche Investor, so Nancy Wolter, stamme aus der Region. Mehr könne sie aber noch nicht preisgeben, da die Verhandlungen noch laufen.

Derweil ruht die Produktion im Glinder Weg weiter. "Wir waren gezwungen, den Betrieb einzustellen und in Folge dessen die Mitarbeiter zu entlassen", erklärt die Wirtschaftsjuristin aus Magdeburg. Einige der insgesamt 15 Mitarbeiter hatten sogar selbst um einen Aufhebungsvertrag gebeten, weil sie eine neue Anstellung gefunden hatten, als die unsichere Zeit für die Mali Spezialfahrzeugbau GmbH begann.

Hintergrund der Insolvenz ist, dass der Eigentümer - der Unternehmer Markus Liebherr, der sich Ende der 1990er Jahre um die Übernahme der Landtechnik Schönebeck bemüht hatte - verstorben ist. Daraufhin hat der Konzern hinter Liebherr, eine Schweizer Holding, weitere Zahlungen eingestellt. "Die Gewinnschwelle in dieser Branche ist noch nicht so hoch, dass es sich lohnt aus Sicht der Schweizer", informiert Nancy Wolter.

Mali war nicht kräftig genug

Der Spezialfahrzeugbauer aus Schönebeck hatte sich offenbar noch nicht etabliert. "Die Mali GmbH war nicht kräftig genug, um den Betrieb allein zu stemmen", schlussfolgert die Juristin.

Doch die Insolvenz soll nicht das endgültige Aus der Traktorenherstellung in Schönebeck sein. "Wir wollen den Standort in der Elbestadt erhalten", sagt Wolter. Deshalb sehe sie zuversichtlich auf die derzeit laufenden Gespräche mit einem Investor "Die Tür ist noch offen", nennt sie eine Metapher in diesem Zusammenhang und stellt die Richtung klar, die die Kanzlei als Insolvenzverwalter anstrebt: "Der Traktorenbau soll sich in Schönebeck etablieren."

Wünschenswert ist die Umsetzung dieses Ansinnens allemal. Schließlich sind die Geschichte der Elbestadt und des Traktorenbaus eng mitein-ander verbunden. Traktoren aus Schönebeck sind seit Mitte der 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der halben Welt herumgefahren. Das TWS, das Traktorenwerk, war eines der wirtschaftlichen Aushängeschilder der Elbestadt und herausragender Arbeitgeber.

Neue Halle 2009 eingeweiht

Deshalb bedeutete der allmähliche Produktionsabbau nach der Wende neben dem Arbeitsplatzverlust auch einen massiven Einbruch im Selbstverständnis der Stadt. Das Ende der Ära schien 2004 mit der Insolvenz des Traktorenwerk-Nachfolgers Doppstadt Schönebeck erreicht.

Doch mit der Schönebecker Mali Spezialfahrzeugbau GmbH lebte die Tradition seit 2003 weiter. Es wurden wieder Traktoren konzipiert und hergestellt. 2009 wurde am Standort Glinder Straße, nur einen Steinwurf weit vom einstigen Gelände des Traktorenwerkes II entfernt, die neue Produktionshalle der Mali GmbH eingeweiht.