Staßfurt. Als Max Bär aus der letzten Geschichte vorgelesen hat und damit der Wettbewerb des Dr.-Frank-Gymnasiums nach etwa anderthalb Stunden beendet ist, vernehmen Jurymitglieder und Lehrer verblüfft ein "Wir haben Hunger!" von Max‘ Mitstreitern. "Ja, das ist immer so", erklärt Tim Witte. "Wenn ich aufgeregt bin, kann ich nichts essen", ergänzt Josefin Krone. Den Grund für die große Anspannung unter den jeweils zwei besten Vorlesern der fünf 6. Klassen kennt die Fachbereichsleiterin Deutsch, Ute Börstler: "Für den ersten Teil des Lesewettbewerbs legt die Jury einen den Teilnehmern unbekannten Text vor."

Während die Schüler hier allein vor der Jury lesen, wird es im zweiten Teil schon etwas lockerer. Da bestimmen die Jungen und Mädchen selbst, womit sie die Anwesenden erfreuen. Meistens aus ihrer Lieblingslektüre natürlich. Und die sieht bei den heutigen, etwa elfjährigen Leseratten so aus: Harry Potter, Eragon, Spook – Das Geheimnis der Geisterjäger. Fantasiegeschichten also. Aber auch Ronja Räubertochter befindet sich unter den frei gewählten Werken.

"Fabelhaftes, Lustiges, Tierisches haben wir heute gehört", sagt Heidi König, die als ehemalige Deutschlehrerin zur Jury gehört. "Es macht mich sehr froh, dass die Kinder so viel Unterschiedliches lesen", erklärt die Deutschlehrerin im Ruhestand, bevor sie mit Buchhändlerin Heike Kamrath und der ehemaligen Theaterleiterin Annemarie Stoya die Punkte der Teilnehmer zusammenzählt.

Mit der Vielseitigkeit erfüllte sich auch in diesem Jahr wieder ein Ziel des Vorlesewettbewerbs im Dr.-Frank-Gymnasium, der seit 1959 bundesweit vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgelobt wird.

Zwei Kriterien bewertet die Jury – einmal die Lesetechnik, wie fehlerfrei und fließend gelesen wurde und schließlich achten die drei Frauen auf die klassische Betonung und das wirkungsvolle Lesen.

Johanna Simon gelang das besonders gut. Sie wurde Dritte. Frederike Nagelschmidt und Josefin Krone waren noch etwas besser. Beide setzte die Jury auf den zweiten Platz. Alle erhielten je ein Buch samt Urkunde.

Am stärksten beeindruckte allerdings Louis Glootz. Der Elfjährige überzeugte neben der vorgegebenen Geschichte mit Passagen aus Andreas Steinhöfels "Rico, Oskar und der Tieferschatten", einem Jugendbuch, das von einer Freundschaft zweier ungleich begabter Jungen erzählt. "Ich lese täglich etwa eine halbe Stunde, zurzeit ein Buch aus der Tintenblut-Reihe", verriet der Rathmannsdorfer, der seine Freizeit außerdem mit Musizieren und Volley- ball verbringt. Das Lesen be- trachtet Louis jedenfalls als sehr wichtig. "Es bildet und macht Riesenspaß", bekennt der Lesesieger. "Manchmal muss ich dabei sogar laut lachen."