Ob Proteste gegen Klinikschließungen, Seniorenbeirat oder Frauenarbeitsgemeinschaft - Brigitte Köplin stand immer ganz vorn, wenn es darum ging, sich aktiv einzubringen. Im Interview mit Volksstimme-Volontärin Franziska Richter erklärt sie ihre Beweggründe.

Volksstimme: Sie wurden zur Salzlandfrau gekürt. Herzlichen Glückwunsch!

Köplin: Die Auszeichnung war für mich eine Überraschung. Während der Veranstaltung habe ich plötzlich gemerkt, dass es bei der Rede um mich geht. Ich habe mich wirklich sehr gefreut. Mein Dank geht an den Bürgermeister, dass er so gute Worte gefunden hat, um meine ehrenamtliche Tätigkeit zu würdigen.

Volksstimme: Sie sind ja schon lange politisch aktiv. Wann und warum haben Sie angefangen, sich einzumischen?

Brigitte Köplin: Das ist eine Frage der Mentalität. Ich nehme nicht alles hin, sondern hinterfrage gern, will mithelfen und mich einbringen. Ich will nicht drauflos schlagen, sondern mich nur dort einmischen, wo es notwendig ist.

Volksstimme: Was sind Ihre Beweggründe gewesen, sich zu engagieren? Ich meine, es gibt ja eine ganze Reihe Menschen, die sagen würden: Ach, ich kann ja eh nichts ändern.

Köplin: Ja, wer denn sonst? Wenn das jeder sagt, dann kann sich auch nichts ändern. Wenn ich der Meinung bin, da müsste etwas getan werden, dann muss ich mich schon selbst einbringen. Man kann nicht nur verlangen, sondern muss etwas dazu beitragen.

Volksstimme: Wo hat sich gezeigt, dass man als Bürger etwas ändern kann? Was war ein Höhepunkt Ihres Schaffens?

Köplin: Natürlich das Krankenhaus. Wir haben mit den Menschen gesprochen. Alle waren enttäuscht, dass es das Krankenhaus nicht mehr geben sollte. Da wuchs der Gedanke immer mehr: Was kann man tun, damit das Krankenhaus erhalten bleibt? Dann haben wir die Demo organisiert. Ich habe mich bereit erklärt, meine Meinung öffentlich zu machen und gehofft, dass viele Bürger dahinterstehen und sich beteiligen. Und das war dann auch so. Eine große Menschenmenge hat an der Demo teilgenommen und die Hoffnung nicht aufgegeben. Denn die Klinik war rekonstruiert und modernisiert worden. Es wäre schade gewesen, wenn sie den Bach heruntergegangen wäre.

"Das Ergebnis der Proteste war: Man kann doch etwas tun."

Volksstimme: War es schwer, die Menschen für Ihr Anliegen zu gewinnen?

Köplin: Nein. Die Menschen haben auch so empfunden. Es war den Menschen ein Bedürfnis, dass noch einmal nachgedacht wird, wie man die Klinik erhalten kann. Viele Stimmen haben damals gesagt: Ach, das ist Quatsch. Das wird sowieso nichts mehr mit der Klinik. Und das Ergebnis war dann: Man kann doch etwas tun.

Volksstimme: Sind die Staßfurter ein Völkchen, das sich schnell einmischt, wenn ihnen etwas nicht passt?

Köplin: Na ja, es könnte noch besser sein. Aber Staßfurt ist stark gebeutelt worden. Wir hatten hier ja mal eine richtige Industriestadt. Das ist alles weg.

Volksstimme: Die Frauen- und Kinderklinik musste lange vor dem Krankenhaus tatsächlich geschlossen werden. Da haben alle Proteste nichts geholfen?

Köplin: Nein. Aber umso mehr blieb dann die Hoffnung, dass nicht noch eine Klinik schließt.

Volksstimme: War das damals eine persönliche Niederlage für Sie?

Köplin: Betroffen gemacht hat mich das schon, denn es war Geld in die Frauen- und Kinderklinik investiert worden. Das hat man damals schwer nachvollziehen können. Aber man muss den Stadträten Zeit geben, die Dinge zu überdenken und Lösungen zu finden, die auch befriedigen. Gerade deswegen haben wir die Schließung des Krankenhauses aber dann nicht mehr eingesehen. Dann haben wir gesagt: So, jetzt reicht es aber. Also so nicht!

Volksstimme: Welche positiven Erfahrungen haben Sie während Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gesammelt?

Köplin: Vor allem, dass man mit den Bürgern gemeinsam etwas bewerkstelligen kann. Dass man nicht von vornherein gleich negativ eingestellt ist, sondern es versuchen muss. Man muss sich bemühen, Zusammenhänge zu erkennen und das, was möglich ist, zu erreichen. Nicht Worte zählen, sondern Taten.

Volksstimme: Wo haben Sie denn Ihren Optimismus her?

Köplin: Den habe ich mir angeeignet. Ich habe immer mit Kindern gearbeitet und die sind ja auch optimistisch.

Volksstimme: Wer hat Ihnen zur Seite gestanden bei all Ihren Aktivitäten?

Köplin: Vor allem meine Partei, die Linke, natürlich die Frauen, meine Kinder und vor allem mein Mann.

"Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig."

Volksstimme: Sind Sie heute noch ehrenamtlich tätig?

Köplin: Ich werde jetzt 77 und habe die Aufgabe, als Ehefrau meinem pflegebedürftigen Mann zur Seite zu stehen und das will ich mit ganzer Kraft machen. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig. Man muss seine Kräfte überschauen und einteilen können. Ich kann nicht vieles anfangen und dann nichts zu Ende machen.

Brigitte Köplin wurde 1936 geboren. Ihre Familie ist 1945 aus Schlesien geflohen. 1946 ist sie in Egeln angekommen, als Brigitte Köplin neun Jahre alt war. 1950 ging die Familie nach Staßfurt und Brigitte Köplin arbeitete ab 1955 als Erzieherin im Kindergarten.

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