Vehement klagt der Güstener Stadtrat Uwe Opitz mehr Lärmschutz an der B6n, besonders im Bereich Neues Leben, ein. Die Chancen darauf stehen schlecht. Selbst wenn die Bundesstraße zur Autobahn umgewidmet werden würde.

Güsten l "Wenn der Wind aus Richtung Rathmannsdorf kommt, meint man, die Lkw rollen vor der Haustür", beschrieb Stadtrat Opitz einmal mehr die Wahrnehmung der Bewohner im Bereich des Neuen Lebens entlang der Bernburger Straße. Manche hätten wegen des Lärms von der B6n sogar schon ihre Schlafzimmer nach hinten verlegt.

Das Thema Lärmschutz beschäftigte nun den Bauausschuss der Stadt. Uwe Opitz vermisst nach wie vor den Grünstreifen, der für den besagten Bereich angekündigt worden sei.

"Eine theoretische Berechnung ist doch wie eine ,gefühlte Temperatur\'."

Kenny Boßmann, Bauamt der Verbandsgemeinde Saale-Wipper, machte den Ausschussmitgliedern keine Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. "Lärmschutz ist grundsätzlich Bestandteil eines Planfeststellungsverfahrens. Und der wurde entsprechend umgesetzt beim Bau der B 6n."

Die Verwaltung in Güsten habe bereits 2010 beim damaligen Landesstraßenbaubetrieb versucht, zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen zu bekommen. Die Werte des entsprechenden Gutachtens hätten es allerdings nicht hergegeben. Damit fehle die gesetzliche Grundlage, erklärte Boßmann.

Der westliche Teil des Abschnitts bis etwa zur Neundorfer Straße in Güsten sei lärmtechnisch noch berechnet worden. Östlich davon gingen die Straßenbauer davon aus, dass die einzuhaltenden 55 Dezibel tagsüber (nachts 45) gar nicht erreicht werden.

Hier hakte Stadtrat Torsten Müller ein: "Eine theoretische Berechnung ist doch wie eine ,gefühlte Temperatur\'. Da können doch gar nicht alle tatsächlichen Parameter einbezogen werden, wie die Windrichtung beispielsweise."

"Eine Messung kann doch erst durchgeführt werden, wenn eine Straße vorhanden ist", gibt Uwe Langkammer, Vizepräsident der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, zu bedenken. Er bestätigt, dass sich beim Bau der B 6n alles im Rahmen des gesetzlichen Genehmigungsverfahrens bewegt habe. Und auch dem Argument des gewachsenen Verkehrsaufkommens entgegnet Langkammer, dass die prognostizierten Zahlen von knapp 20 000 Fahrzeugen pro Tag in beiden Richtungen noch nicht erreicht seien. Die Dauerzählstellen, wovon sich eine westlich ganz in der Nähe von Güsten befinde, würden von 17 000 bis 18 000 Fahrzeugen ausgehen. "Diesbezüglich ist also noch ,Luft nach oben\'."

Der stellvertretende Behördenleiter kann auch keine Hoffnung auf strengere Lärmschutzbestimmungen machen, falls die Bundesstraße zu einer Autobahn aufgestuft wird: "Da gelten die gleichen Anforderungen wie bei einer Bundesstraße."

Den Hinweis von Bruno Jahn, die Bepflanzungen neu angelegter Grünstreifen entlang der B 6n würden zu 30 Prozent vertrocknet sein, nahm Langkammer auf, um das von seinen Kollegen der Niederlassung Halberstadt prüfen zu lassen. Während die im Zuge eines Trassenbaus geschaffenen Wirtschaftswege an die jeweiligen Kommunen übertragen werden, sei dies bei den Grünschutzstreifen übrigens nicht der Fall.

Bürgermeister Helmut Zander will von der Saale-Wipper-Verwaltung dennoch prüfen lassen, welche Maßnahmen bezüglich der geplanten Grünstreifen umgesetzt wurden und welche nicht.

"Da muss Güsten mit drauf auf die Schilder."

Mit der Beschilderung an der B 6n beschäftigte den Bauausschuss ein weiteres Thema. So fehlt den Güstenern an der Anschlussstelle Ilberstedt einfach ein Hinweis auf ihre Stadt. "Da muss Güsten mit drauf auf die Schilder", fordert der Bürgermeister. Die Chancen stünden günstig, wenn bei einer Umwidmung der Bundesstraße zur Autobahn eine neue Beschilderung gebraucht würde.

Hier würde Uwe Langkammer mitgehen. Allerdings könne man nicht den zweiten Schritt vorm ersten tun. Der Bund habe die Aufstufung für 2015 angedacht. Dazu wäre dann die Beschilderung technisch wie auch inhaltlich zu überdenken. Was letztendlich aber wirklich auf den blauen Schildern erscheint, sei Sache des Bundes. Der lasse sich nach dem Fernzielplan leiten. Und: "Autobahn-Schilder haben eine 14 Zentimeter größere Schrift." Damit wären im Allgemeinen auch Grenzen gesetzt.

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