Das Jahr 2010 dürfte für Roland Paul eines der erfolgreichsten gewesen sein. Nach Rückenproblemen, die die schwere Arbeit als Automechaniker unmöglich machten, schulte er um. Jetzt ist der 36-Jährige Technischer Produktdesigner bei Stasskol Staßfurt.

Staßfurt. Als Roland Paul 2008 nach Staßfurt ans Berufsförderungswerk (Bfw) kam, um einen neuen Beruf zu erlernen, hatte er arge Rückenprobleme.

1988 mit seiner Familie von Polen nach Westberlin übergesiedelt, erlernte er den Beruf des Automobilmechanikers. 2000 erfuhr der junge Mann was es heißt, krank zu sein. Nach Monaten im Krankenhaus erhielt er neue Herzklappen, mit denen er seine Tätigkeit wieder ausüben konnte. Mit 29 Jahren zog es ihn beruflich nach Langen bei Frankfurt/Main. Nun reparierte er neben Pkw auch Lkw. Eine körperlich anstrengende Arbeit – die Spuren hinterließ. 2006 erlitt der erst 32-Jährige zwei schwere Bandscheibenvorfälle. Nach der zweiten OP war klar: Als Automobilmechaniker kann er nicht mehr arbeiten.

Beim zuständigen Reha-Träger stellte Paul einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Das Ergebnis: eine Umschulung zum Technischen Zeichner. Entscheiden musste er sich zwischen den Bfw Frankfurt/Main und Sachsen-Anhalt. Die Wahl fiel ihm und seiner Frau nicht schwer. Denn mit Staßfurt halbierte sich die Fahrstrecke zur Familie in Berlin beziehungsweise Polen.

Im März 2008 startete die Reha. "Im Vorbereitungslehrgang war ich der einzige Zeichner neben neun Technischen Produktdesignern", erinnert er sich. Der Beruf war neu in der modernen computergestützten Produktentwicklung. Mit diesem Wissen korrigierte Roland Paul mit seiner Sozialpädagogin im Bfw sein Ziel. Der Reha-Träger stimmte zu, die zweijährige Qualifizierung startete.

Die betriebliche Qualifizierung absolvierte er unter anderem bei der Stasskol GmbH in Staßfurt. Beim Geschäftsführer Thomas Borchardt konnte der Wahl-Staßfurter mit seinen CAD-Kenntnissen und hoher Einsatzbereitschaft punkten. "Heutzutage ist es schwer, so engagierte und fähige Leute zu finden", erklärt der Leiter des Traditionsunternehmens.

Nach dreimonatigem Praktikum arbeitete der Bfw-Teilnehmer bis zur Abschlussprüfung zwei Tage die Woche bei seinem künftigen Arbeitgeber. Nun ist der frisch gebackene Facharbeiter seit einigen Monaten einer von 52 Mitarbeitern des Unternehmens. "Die Chemie stimmt und ein bisschen Glück war auch dabei", sagt Thomas Borchardt. Denn seit 2009 geht der Spezialbetrieb für Dichtungstechnik neue Wege mit Lösungen für rotierende Systeme und erneuerbare Energien. Mit der Produktausweitung brauchte man einen neuen Mitarbeiter in der technischen Konstruktion.

Auf seinem Arbeitsplatz fühlt sich der Vater eines zweijährigen Sohnes wohl. "Das Arbeitsklima stimmt. Die Kollegen geben ihr Wissen gern weiter." Und sie schätzen den Neuen, der sich schnell eingearbeitet hat, Aufträge selbständig übernimmt und Konstruktionszeichnungen anfertigt. Roland Paul ist stolz darauf, was er in den letzten drei Jahren geleistet hat. Halt und Ansporn fand er in dieser Zeit bei seiner Familie. An das Bfw denkt der 36-Jährige gern zurück. Von den zehn Teilnehmern seines Lehrganges sind acht in Arbeit. Seine Entscheidung für Staßfurt hat er nicht bereut. Für ihn steht fest: "Hier wollen wir bleiben."