Heute beginnt die neue Spielzeit des Ensembles Theatrum Hohenerxleben mit dem "Bär" von Tschechow. Eine neue CD, etliche Gastspiele und frischer Schauspielnachwuchs bereichern die Saison und machen das Schauspielerleben wie immer interessant und abenteuerlich.

Hohenerxleben l Schauspieler Hubertus von Krosigk weiß ja gar nicht, wo er anfangen und aufhören soll, wenn er von der neuen Spielzeit berichtet. Die hat nämlich einige Höhepunkte zu bieten. Sie beginnt heute, 19 Uhr, im Schloss Hohenerxleben mit "Der Bär" von Tschechow.

Schon das ganze Jahr über freuen sich die Schauspieler über vermehrt Anfragen. Weil das Jahr 2013 in der Lutherdekade unter dem Motto "Toleranz" steht, wird das Ensemble deutschlandweit eingeladen, bei kirchlichen Anlässen das Stück "Nathan der Weise" zu spielen. "Noch 15 mal bis Dezember sind wir damit unterwegs. In Schweinfurt, Bremen, Kassel oder auch in Magdeburg in der Paulauskirche am 9. November", sagt Hubertus von Krosigk. "Wir haben schon mehrere Stücke inszeniert, die man in Kirchen aufführen kann, etwa Maria Magdalena. So haben wir viele Kontakte knüpfen können", erklärt er.

Im Januar und Februar schließt sich eine Tour durch Norddeutschland an. "Wir merken schon, dass unsere Gastspiele in Westdeutschland gefragter sind als hier, weil dort einfach die Mittel da sind", sagt Schauspieler von Krosigk. Wenn die Truppe in Deutschland unterwegs ist, versteht sie sich als "Botschafter für Sachsen-Anhalt". "Wir laden die Menschen gern zu uns ein und werben für das Land, für die Region und machen darauf aufmerksam, was es hier alles zu sehen gibt", erklärt von Krosigk.

Von Februar bis April reist der Ensemble-Bus ebenfalls zu verschiedensten Bühnen in ganz Deutschland. "In Hohen-erxleben wollen wir trotzdem jedes zweite Wochenende eine Aufführung bieten", sagt von Krosigk.

Denn die Aufführungen in der Heimat dienen der Finanzierung des Wiederaufbaus des Schlosses. Daneben geben die Schauspieler Kreativkurse, Schauspielunterricht oder arbeiten in Schulen mit. Jeder Schauspieler hat seine eigenen Projekte. So auch die Sängerin Ina Friebe. Die Liedermacherin hat nun den Schritt gewagt, ihre erste CD aufzunehmen. "Nach ihren Konzerten hatte sie immer wieder Anfragen, ob es ihre Lieder nicht auch auf CD gäbe", sagt von Krosigk über seine Kollegin, die als Einzelkünstlerin ebenfalls deutschlandweit unterwegs ist.

Nun ist es soweit. Am 14. September wird sie ihre erste CD im Schloss vorstellen. "Ihre Musik geht in die Richtung von Gerhard Schöne oder Reinhold Mey und berichtet von den Geschichten, die das Leben erzählt, über die kleinen Pannen, auch über Frauenthemen und Beziehungen. Auf jeden Fall sind wir alle sehr stolz, dass ihre erste CD da ist", freut sich von Krosigk.

Jeder der Schauspieler muss wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Das Ensemble selbst ist abhängig von der Förderung des Landes. Es ist eines der wenigen freien Theatergruppen, die gefördert werden. Jedes Stück, das die Schauspieler inszenieren wollen, muss bewilligt werden, dass Zuschüsse fließen können. Deshalb ist die Umsetzung der Pläne für die neue Spielzeit - "Nathan der Weise" ist eine bereits einstudierte Produktion - nie sicher.

Auch eine Produktion mit dem Theatrum Piccolo ist so ein Plan. Zu den Pfingstfestspielen möchte Jungregisseurin Christiane Friebe das Stück "Der kleine Prinz" mit den Nachwuchsschauspielern, unter anderem Katharina Kruse und Hannah Vongries, aufführen. "Da bin ich sehr gespannt drauf, was sich die jungen Schauspieler ausdenken. Klar berate ich auch wenn es brennt, aber wir möchten ihnen doch freien Raum lassen und vor allem den Effekt der Selbstbildung unterstützen", so von Krosigk.

Mitte und Ende des Jahres warten weitere Überraschungen auf die Theaterbesucher. Neben diesen Höhepunkten gestaltet das Ensemble Theatrum regelmäßig weitere Aufführung im Schloss Hohenerxleben (siehe Spielpan).

Zwischen den Aufführungen im eigenen Haus, den Gastspielen, der Bildungsarbeit und den eigenen Projekten der Schauspieler gibt es also viel Abwechslung im Schauspielerleben. "Natürlich ist durch die Abhängigkeit von der Förderung immer eine gewisse Unsicherheit gegeben. Aber dass man sein eigener Herr ist, gleicht das wieder aus. Man hat doch eine Wahnsinns-Freiheit in der kreativen Gestaltung", fasst Hubertus von Krosigk zusammen und freut sich auf heute Abend, den Beginn einer abenteuerlichen Spielzeit.

 

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