Mit der Betreuung der Obdachlosen in der Stadt Staßfurt hat sich der Sozialausschuss des Stadtrates in seiner jüngsten Sitzung erneut beschäftigt. Auskunft über das Klientel und deren Entwicklung gab der Betreiber der Einrichtung.

Staßfurt l Jochen Meyenberg, der Mitarbeiter des Vereins für Integration, Beschäftigung und Soziales (IBS) aus der Lutherstadt Eisleben, der das Obdachlosenheim im Neuen Weg seit dem 1. März 2009 im Auftrag der Stadt Staßfurt betreibt, nutzte die Gelegenheit für eine Bilanz.

IBS hatte das Objekt damals aus der Insolvenzmasse des Initiativkreises für Arbeitsbeschaffung und Bildung Staßfurt übernommen.

"Seit dieser Zeit haben wir insgesamt 71 immer wechselnden Personen eine Unterkunft gewährt", sagte Meyenberg. Die tägliche Belegung der Unterkunft liegt im Durchschnitt zwischen vier bis sieben Personen.

Die Gründe, warum Menschen diese Leistungen in Anspruch nehmen mussten, seien vielfältiger Natur. Dazu gehörten Räumungsklagen, Noteinweisungen im Zuge der Gefahrenabwehr durch Polizei oder Behörden, Entlassungen aus der Psychatrie, Verlust des Platzes beim Betreuten Wohnen, unlösbare Konflikte in der elterlichen Wohnung oder ein Wohnungsbrand.

Wie Meyenberg feststellen musste, seien die Bewohner immer jünger. Nicht selten beträgt ihr Alter gerade mal 18 Jahre, wenn sie den Berufsabschluss nicht geschafft, die Lehre geschmissen haben oder aus dem Elternhaus rausgeschmissen wurden. Zunehmend würden auch ehemalige Drogenabhängige aufgenommen, die mit der Welt nicht mehr zurecht kämen.

Meyenberg: "Unser Hauptaugenmerk bei der Betreuung der Obdachlosen liegt darauf, ihnen Hilfe zu gewähren und zu versuchen, ihnen eine Teilhabe am öffentlichen Leben in der Gemeinschaft ohne fremde Hilfe zu ermöglichen. Die Basis hierzu bildet die Sicherung des Lebensunterhaltes und die Krankenversicherung."

Ein beträchtlicher Teil der zugewiesenen Bürger hatte bei der Aufnahme im Heim kein finanzielles Einkommen und meistens keine Krankenversicherung.

"Der größte Teil der ehemaligen Obdachlosen konnte in eine eigene Wohnung vermittelt werden."

Diesen Personen wurden durch die IBS-Mitarbeiter ein regelmäßiges Einkommen in Form von Arbeitslosengeld II vermittelt und eine Wiederaufnahme bei einer Krankenkasse erwirkt. "Der größte Teil der ehemaligen Obdachlosen konnte in eine eigene Wohnung vermittelt werden", sagte Meyenberg.

In diesem Zusammenhang verwies er auf einen Mann aus Hecklingen, der eine positive Entwicklung genommen hat. "Den konnten wir schön aufbauen", sagte Meyenberg nicht ohne Stolz. Er habe über zwei Jahre lang keine Krankenversicherung besessen. Nun habe er wieder eine Wohnung in Hecklingen bekommen, sei wieder selbständig geworden und mache sich ganz gut, schätzte der IBS-Mitarbeiter ein.

Seinen Worten zufolge ist das Leben in der Unterkunft nicht konfliktfrei. So mussten die Mitarbeiter drei Bewohnern ein Hausverbot erteilen wegen ihres starken Alkoholkonsums, großen Verstößen gegen hygienische Vorschriften und wegen des aggressiven Verhaltens gegenüber Mitbewohnern, so dass die Polizei eingeschaltet, Anzeige erstattet und ein ärztliches Gutachten eingeholt werden musste. Dabei wurde die betroffene Person von einer Mitarbeiterin begleitet.

Um die Obdachlosen zu beschäftigen, wird von ihnen verlangt, ihr Zimmer selbständig zu reinigen und sich darüber hinaus im Außengelände nützlich zu machen. Dazu gehört unter anderem das Rasenmähen und Unkraut entfernen, Laub harken, Straße fegen, Schnee räumen und das Blumen gießen.

Eine gute Zusammenarbeit pflegt der Verein IBS mit der Stadt Staßfurt und mit dem Jobcenter, sagte Meyenberg. Mit letzterem vereinbare man zum Beispiel die Unterbringung von Obdachlosen in entsprechende Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur Förderung und Festigung der Alltagskompetenzen.

Bei einer Arbeitsverweigerung werden mit den Obdachlosen Gespräche über die Ursachen geführt. "Sie werden über die Konsequenzen aufgeklärt und zu überzeugen versucht, die Maßnahmen wahrzunehmen, um Sanktionen in Form einer Regelleistungskürzung zu vermeiden", berichtete Meyenberg. Bei ungeeigneten Maßnahmen werde das Gespräch mit dem jeweiligen Fallmanager gesucht, um eine besser geeignete Beschäftigung zu finden.

Eine Kooperation gibt es auch mit der Staßfurter Tafel, der Kleiderkammer und der Nähstube, um bei einer finanziellen Notlage der Bewohner Lebenmittel und notfalls auch Bekleidung organisieren, kaputte Textilien ausbessern und zur Ausgestaltung der Wohnunterkünfte mit Gardinen und Tischdecken beitragen zu können.