Jaime Don Antonio ist ab Januar der neue Ausländerbeauftragte des Salzlandkreises. Die Volksstimme stellt den aus Mosambik stammenden Mann vor und schließt damit die Reihe zum Thema "Integration im Salzlandkreis" ab.

Salzlandkreis. Als Jaime Don Antonio im Juli 1982 als 13-Jähriger nach Deutschland kam, hätte er wohl nie gedacht, etwa 30 Jahre später noch immer hier zu leben. Er war eines von 900 Kindern, die in den 1980er Jahren in die DDR kamen und in Staßfurt die "Schule der Freundschaft" besuchten. "Unser Ziel war, hier die Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen, um dann zurück nach Mosambik zu gehen und das Land voranzubringen", erzählt Antonio.

Für ihn liefen die sechs Jahre in Staßfurt gut: Er erlernte in Güsten den Beruf des Tischlers und flog im November 1988 zurück in sein Heimatland. "Doch dort war nichts mehr, wie es war. Es tobte ein Bürgerkrieg und die Regierung, die uns damals in die DDR entsandt hatte, existierte nicht mehr. Die neue Regierung beorderte uns sofort in die Armee", schildert er noch heute mit Unverständnis die damaligen Ereignisse. Ein Schicksalsschlag, der gar nicht so einfach zu verarbeiten war.

Mit der Erwartung, in seinem Land mit dem erworbenen Wissen etwas aufbauen zu können, war er nach Mosambik zurückgekehrt. Aber in ein Chaos war er gelangt, noch dazu als Soldat mittendrin. Eine Lage, die ihn frustrierte. "Mit Hilfe massiver Bestechungen von Vorgesetzten desertierte ich im September 1989 und wendete mich an das Amt für Weiterbildung. Man unterbreitete mir das Angebot, in die DDR zum Studieren zurückkehren zu können. Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen", sah er damals eine Fluchtmöglichkeit aus seiner misslichen Lage. Am 4. November 1989 flog er wieder nach Deutschland. Das war nur fünf Tage vor der Wende.

Weil er nach seiner Rückkehr in Berlin wohnte, erlebte er die friedliche Revolution hautnah. Aber damit entstanden für ihn auch neue Probleme: "Die Ausländerbehörde teilte mir mit, dass ich mir innerhalb von 14 Tagen eine Arbeit suchen müsse, da ich sonst ausgewiesen werde. Das war ein Schock, denn zurück wollte ich auf keinen Fall." Nach vielen Gesprächen mit den verschiedensten Behörden und der Beschaffung eines Nachweises, sechs Jahre Schulzeit in Staßfurt verbracht zu haben, konnte er zumindest eine Fristverlängerung erreichen und erhielt im März 1990 eine Aufenthaltsgenehmigung.

Nachdem Antonio kurzzeitig als Tischler arbeitete, erlernte er dann einen neuen Beruf als Krankenpfleger. "In dieser Zeit habe ich am eigenen Leib Diskriminierung erfahren. Die Prüfer ließen mich zwei Mal aufgrund meiner Hautfarbe durchfallen", sagt er heute. Es ist eine von vielen kleinen Erfahrungen, die ihn für die Position des Ausländerbeauftragten prädestinieren. Die Lehrer der Schule in Berlin ließen ihn weder Blut an Weißen abnehmen, noch behandelten sie Antonio in der Prüfung fair. Rassistische Motive verbauten ihm den Weg zum Berufsabschluss. In Süddeutschland konnte er dann später doch noch seine Prüfung ablegen, wurde zudem deutscher Staatsbürger und landete Ende der 1990er Jahre wieder im Salzlandkreis. Er arbeitete unter anderem im Otto-Geiss-Haus in Staßfurt und in der Rehaklinik Teufelsbad.

Seit 2009 ist er als Referent für das XENOS-Projekt (Interkulturelle Sensibilisierung in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege) in Dessau tätig.

"Wenn ich so zurückblicke, stelle ich fest, dass mir in meinem Leben schon viele Steine in den Weg gelegt worden sind. Manchmal waren sie so groß, dass ich ein Seil oder einen Traktor brauchte, um sie weg zu schaffen. Aber es gab immer einen Weg", resümiert er treffend. Auffällig ist, dass bei Antonio die Dankbarkeit und Bescheidenheit überwiegen. Von Frust gibt es kaum eine Spur: "Die Ungerechtigkeiten, die ich erfahren habe, haben andere auch erlebt. Aber genau dagegen möchte ich in Zukunft kämpfen. In Deutschland sind wir in so vielen Bereichen Vorreiter: In der Technik, in der Wirtschaft, in der Umwelt. Warum nicht auch im Menschsein, wie es Artikel 1 des Grundgesetzes besagt? Ich möchte meinen Teil dazu beitragen." So wie er diese Aussage trifft, kann man sie ihm auch glauben und hoffen, dass ihm die Salzländer dabei helfen werden.

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