"Tante-Emma-Läden" – wie viele haben es versucht, nach dem großen Kaufhallen-Sterben auf dem Lande. Einer der wenigen, die in wenigen Tagen nunmehr 20 Jahre existieren, ist der Einkaufsshop von Elsa von Kalnassy in Warmsdorf. Der "Tante-Elsa-Laden" sozusagen.

Warmsdorf. Dass es so lange klappte, schreibt Silke von Kalnassy der Tatsache zu, dass zum Familien-Unternehmen auch das Landgasthaus gehört. Silke ist die jüngste Tochter der Warmsdorfer Wirtsleute. Sie und ihre Schwester Heike sind die wichtigsten Stützen von Elsa von Kalnassy, der über 70-jährigen Inhaberin.

Eine über drei Generationen währende Familientradition und die große Beliebtheit über das Dorf hinaus sind weitere Gründe für das Durchhaltevermögen auch in Zeiten von Discountern.

Silke, zur Wende gerade mal 19 Jahre jung, und ihre sieben Lenze ältere Schwester Heike zögerten damals nicht lange, ihre Mutter bei dem Vorhaben zu unterstützen, den ehemaligen Konsum wieder privat weiterzuführen.

Das neue Geschäft begann in der "Niederlage", dem Bierlager auf dem Hof. "Künstliche Weihnachtsbäume waren zu dieser Zeit kurz vor Weihnachten der Renner. Das werde ich nie vergessen", erinnert sich Silke. "Kisten von Joghurt gingen da über den Ladentisch", weiß auch Heike noch ganz genau, was am besten lief.

Heike arbeitet genaugenommen schon seit 1983 im Haus, damals als Kellnerin in der Konsum-Gaststätte, die auf Kommission geführt wurde. Die gelernte Köchin und Silke, von Beruf Kellnerin, tauschen heute noch oft die Rollen. Aber am häufigsten schwingt noch immer ihre Mutter die Kelle. Da lässt Elsa von Kalnassy nichts anbrennen. Als könnten ihre Töchter nicht Kochen! Aber zu viel Ruhe sei eben nicht gut für die Gesundheit, erklärt die Seniorin.

So fröhlich das Trio auch wirkt, so einfach war und ist die Zeit nicht. Anders als die vielen Stammkunden, Stammgäste und großen Familienfeiern drückten Investitionen nach bundesgesetzlichen Vorschriften auf das Betriebsergebnis. Aber es wurde bislang alles geschafft. Manchesmal halfen auch gute Ratschläge von Behörden der unteren Ebene.

Nach 20 Jahren würden die Kalnassys es jedenfalls wieder riskieren. Eine so lange Familientradition gibt man eben nicht einfach auf. Denn schon fast 130 Jahre liegt das Geschäft in Familienhand. 1881 eröffnete Friedrich Reinwagen, der Vater von Elsa von Kalnassy, die Gastwirtschaft. Mit angeschlossenem Kolonialwarenhandel übrigens. Heute würde man es Synergieeffekt nennen.

Als ganz wichtigen Grund für die Überlebensfähigkeit wäre nicht zuletzt auch zu erwähnen, dass sich das Haus in Familienbesitz befindet, Miete also ein Fremdwort ist.

Am wichtigsten aber wohl ist: Den drei Frauen bereitet ihre Arbeit nach wie vor große Freude – für ihre Gäste und Kunden da zu sein. Dazu gehört es zur Lebensphilosophie, auch etwas zurückzugeben, sei es als Sponsoren für den Sportverein oder die Geflügelzüchter des Ortes, für die Jugendfeuerwehr Güsten oder auch für den etwas anderen Adventskalender von Amesdorf/Warmsdorf, für den übrigens just heute wieder ein Türchen am Landgasthaus/Einkaufsshop von Kalnassy geöffnet wird. Dieses Haus ist eben Dreh- und Angelpunkt des geselligen Lebens der Warmsdorfer.

Und das soll möglichst noch viele Jahrzehnte so bleiben. Was die Zukunft bringt, wissen die drei Frauen auch nicht. Ihre Familie ist jedenfalls groß. Elsa und ihr Georg haben immerhin vier Kinder, zehn Enkel und zwei Urenkel.